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Hamm
Das Bauerncafé in Hamm macht dicht

Hamm. Trotz aller Liebe und Arbeit, die Christa und Heinz Schwiertz in ihr Café gesteckt haben, haben sie sich entschlossen, es zu schließen - ihre Gesundheit geht vor. Von Laura Kurtz

Das Café ist kaum noch als solches wiederzuerkennen. Alles liegt feinsäuberlich sortiert und mit Preisschildchen versehen auf den Tischen. Die Stühle wurden bereits abgeholt - "das war schwer", sagt Christa Schwiertz mit einem Blick auf ihren Mann, "damit war es endgültig vorbei". Elf Jahre lang hat das Ehepaar sein ganzes Herz in das Projekt gesteckt, ihr "Baby", wie er es nennt. "Wir haben das Café gelebt", sagt Heinz Schwiertz, "aber es ist einfach zu viel geworden".

Die Gesundheit lässt es nicht mehr zu: "Es hat im letzten Jahr ein paar ernste Einschläge gegeben", erklärt der Wirt und frühere Gemüsebauer. Durch die vielen Jahre auf dem Feld hat er Rückenprobleme bekommen, die sich bei der Arbeit im Café immer mehr bemerkbar gemacht haben; seine Frau musste sich kürzlich am Darm operieren lassen. Die zwei sind fit, fahren regelmäßig Fahrrad, aber sie sind beide in den Sechzigern, haben stets hart gearbeitet - "da möchte man die Zeit nutzen und richtig leben".

Trotzdem fällt es ihnen schwer, das Café aufzugeben. Anfangs hat das Ehepaar viel investiert, sowohl an Geld als auch an Mühe, und es hat gedauert, bis sich das Geschäft voll etabliert hat. Aus dem Ort habe keiner daran geglaubt, dass das Café ein Erfolg wird. Werbung haben die beiden nie gemacht, über zu wenig Kundschaft konnten sie sich dennoch nicht beklagen. "Sobald das Wetter gut war, kamen die ganzen Fahrradfahrer", so Heinz Schwiertz. An den Wochenenden arbeiteten sie mit Aushilfen zusammen, doch sonst führte das Ehepaar das Café zu zweit. "Abends wurde schon vorbereitet, morgens stand ich dann um fünf Uhr wieder in der Küche", sagt Christa Schwiertz.

Im Bauerncafé war immer alles selbst gemacht, mit frischem Obst und Gemüse. Dafür sei ihr Mann lieber um 3 Uhr auf den Markt gegangen und habe sich selbst die Ware ausgesucht, anstatt zu bestellen. "So ist er eben, er will nur das Beste", sagt sie. Das bedeutete viel Arbeit für die beiden, zu viel irgendwann. Die ganze Verantwortung lastete auf ihnen, ohne dass sie sich mal eine Pause nehmen konnten. "Wir mussten ja nicht nur backen und bedienen, sondern auch waschen, putzen, aufräumen, einkaufen", zählt Heinz Schwiertz auf. "Ich habe mich irgendwann gefragt: Will ich mir das wirklich weiter antun?" Das Ehepaar hat mit viel Eifer gearbeitet, hat sich Zeit für die Kunden genommen, wie man es heutzutage kaum noch erlebt. Die Vorstellung, dass jemand anderes ihr Café übernimmt, hätte ihnen gefallen. Mit der Wohnung direkt daneben hätten sie dem Nachfolger in der Anfangszeit unter die Arme greifen können. Eine junge Konditorin aus Hamm hatte sich sogar als Nachfolgerin angeboten, dann jedoch wieder abgesagt. "Das wäre unser Wunschtraum gewesen", so der ehemalige Wirt. "Das Café war ja schon komplett fertig, einen besseren Start kann man sich kaum wünschen."

Nun wird sich zeigen, was aus den Räumlichkeiten, die früher Scheune, Hofladen und Garage waren, wird. Die ganze Ausstattung, darunter Christa Schwiertz' 30 Kuchenformen, wird bald verkauft sein. Die Suche nach einem Nachmieter steht jedoch eher im Hintergrund, erst mal hat das Ehepaar andere Pläne: "Jetzt haben wir Zeit, mehr Fahrradtouren zu machen." Man merkt, dass sie mit dem Entschluss, das Café zuzumachen, Frieden geschlossen haben. "Wir haben es immer gerne gemacht. Aber jetzt müssen wir auch mal an uns denken."

Quelle: RP
 
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