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Oberbilk
Ohne Sprache auf einer Wellenlänge

Oberbilk: Ohne Sprache auf einer Wellenlänge
"Nemo's Clowns" zeigen zusammen mit Kindern der Grundschule Sonnenstraße ihr pantomimisches Können. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Oberbilk. Pantomime Nemo führt mit Flüchtlings- und Migrantenkindern von drei Schulen das "Theater der Roten Nasen" auf. Von Marc Ingel

Sie sprechen nicht dieselbe Sprache, verstehen sich aber trotzdem prächtig. Die Kinder lassen die Hüften kreisen, verschränken die Arme, schneiden Grimassen, tanzen, hüpfen und gestikulieren wild. Doch eines ist bei allen gleich: die knallrote Nase.

Dass Flüchtlings- und Migrantenkinder auch ohne Sprache miteinander kommunizieren und sogar gemeinsam Theaterszenen einstudieren und aufführen können, das wurde gestern bei der Aufführung des "Theaters der Roten Nasen" im Lessing-Gymnasium offensichtlich. Rund drei Dutzend Kinder so genannter Seiteneinsteigerklassen von drei Oberbilker Grundschulen hatten für dieses Projekt, das von der Bürgerstiftung unterstützt wird, den vielleicht Besten seiner Zunft als Lehrer: Wolfgang Neuhausen, besser und international bekannt als Nemo, hat mit den Kindern, die nur bruchstückhaft, zum Teil auch überhaupt kein Deutsch sprechen, jeweils drei Monate trainiert, bis das pantomische Repertoire Bühnenreife hatte. Unterstützung erfuhr er bei den Workshops von "Nemo's Clowns", einem fünfköpfigen Performance-Ensemble aus Südafrika, das Neuhausen einmal im Jahr nach Deutschland für Auftritte einlädt.

"Gerade die Arbeit mit den Südafrikanern war für die Kinder hochspannend", erklärt Wolfgang Heck von der Bürgerstiftung. "Die können genauso wenig Deutsch, also waren die Voraussetzungen für alte wie junge Teilnehmer der Workshops gleich. Wie schnell die Kinder dabei die Sprachbarriere überwinden und mit ihren Lehrern auf einer Wellenlänge funken, war wirklich faszinierend mit anzusehen", berichtet Heck.

Bei der Bürgerstiftung leitet Heck das Projekt "Gesund und Munter", das ursprünglich initiiert wurde, um Kindern an Grundschulen, gerade aus sozial schwächeren Familien, an eine gesunde Ernährung heranzuführen. "Doch mittlerweile haben wir bekanntlich ganz andere Probleme an den Schulen, denen wir uns stellen müssen", erklärt er die Bemühungen der Bürgerstiftung, bei Integration und Sprachförderung zu helfen.

Der Bedarf bei den Kindern in Seiteneinsteigerklassen - einige werden wegen der fehlenden Sprachkenntnisse komplett separat unterrichtet, andere nehmen am Regelunterricht teil und werden nur zur besonderen Förderung rausgenommen - sei besonders groß, so Heck. Hinzu komme, dass Flüchtlingskinder aus Bürgerkriegsländern nicht selten traumatisiert seien, "aber auch bei diesen Kindern wirkt Pantomime Wunder. Sie lernen unheimlich schnell, sich ohne Worte auszudrücken".

Bei der gestrigen Präsentation der Workshop-Ergebnisse standen die sechs- bis zehnjährigen Kinder der drei Oberbilker Grundschulen Höhenstraße, Sonnenstraße und Stoffeler Straße im Fokus. Insgesamt nehmen zehn Grundschulen an dem Projekt teil, auch die Stadtteile Flingern und Rath sind abgedeckt. Im kommenden Jahr sollen drei weitere hinzukommen. "Es ist naheliegend, dass wir uns in den weniger gut betuchten Stadtteilen engagieren", sagt Heck.

Nemo inszeniert sein "Theater der Roten Nasen" bereits seit mehreren Jahren erfolgreich. Dass Sprache dabei durchaus verzichtbar ist, lässt sich daran ablesen, dass er das Projekt auch schon mit gehörlosen Kindern durchgeführt hat.

Quelle: RP
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