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Düsseldorf
The Dog of Wall Street

Düsseldorf. In der Düsseldorfer Börse wacht der Mischlingsrüde Sonic. Anders als die Makler ist er - sehr - bestechlich. Und während auf den Bildschirmen Aktien für Millionen über den Tisch gehen, plündert der Börsenhund die Mülleimer. Von Thorsten Breitkopf

An der Düsseldorfer Börse wird gehandelt. Aktien, Anleihen, Fonds und alle anderen denkbaren Wertpapiere wechseln den Besitzer. Je nach Tageszeit stehen die Telefone nicht still. Auf den Bildschirmen sind schier Unmengen von Zahlen zu sehen: Wertpapierkennnummern, alte und neue Kurse, Prozentzahlen und echte Werte. Das Geschäft der Makler ist hektisch, es hat den Ruf des Unmenschlichen. Doch einem im Handelsraum sind Kurse, Zahlen und Renditen vollkommen egal: Börsenhund Sonic.

Seit dem Jahr 2007 ist Sonic täglich in der Börse am Ernst-Schneider-Platz im Einsatz. Seine Schlaf-, Wohn- und Fresszentrale ist unter einem der zahlreichen Schreibtische. Über ihm, an nur einem einzigen Arbeitsplatz, acht Bildschirme, die parallel aufleuchten. Darauf zu sehen sind für den Laien unverständliche Zahlenkolonnen. Der Arbeitsplatz gehört Dagmar Steiof. Sie ist das Frauchen von Sonic und von Beruf Skontroführerin. So nennt man im Börsensprech jene Makler, die für das Feststellen von Börsenpreisen an einer deutschen Wertpapierbörse mit Parketthandel zuständig ist. Wobei es einen Parketthandel, wie man ihn aus Filmen wie "Wall Street" mit Michael Douglas als Börsenguru Gordon Gekko und Charlie Sheen als Bud Fox kennt, nicht mehr gibt. Die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten in den Handelssälen. Statt schreiender Händler gibt es nur noch elektronische Infos, die lautlos dafür sorgen, dass die Wertpapiere vom Verkäufer an den Käufer gehen. Steiof ist zuständig für deutsche Aktien, die nicht im Leitindex Dax notiert sind. Was hält Sonic davon? "Also ihm sind Aktienkurse leidlich egal, er gibt leider auch keine Anlagetipps", sagt Steiof. Nicht aus rechlichen Gründen, sondern weil er andere Interessen hat. Die lassen sich leicht zusammenfassen: Fressen. "Es gibt nicht nur eine Legende, dass ein Stück Kuchen plötzlich verschwunden ist, und es keiner gewesen sein will", sagt Steiof. Wenn der Jurist der Maklerfirma Schnigge Wertpapierbank sein Büro verlässt, dann eilt Sonic zu dessen Mülleimer und reinigt alte Joghurtbecher oder Brötchentüten. Alle anderen Mülleimer des Großraumbüros hat er dann bereits - mehrfach - "kontrolliert".

Ein Höhepunkt des Tages ist die Stippvisite von Uwe Rasch von der Bundesbank, der einmal täglich in die Börse kommt, um manuell wie früher die Kurse für deutsche Staatsanleihen festzustellen. Während Rasch telefonisch Kurse und Veränderungen der Papiere durchgibt, wird Sonic unterm Tisch mit Leckerlis gefüttert. Bevor der Bundesbanker um 12.30 Uhr die Börse betritt, ist Sonic schon in heller Aufregung. "Sonic ist sowas wie die Börsenaufsicht, nur dass er sehr bestechlich ist", sagt Rasch.

Sonic ist neun Jahre alt und ein Mischling aus Labrador und Shar Pei. Im ersten Lebensjahr war an ein Leben an der Börse nicht zu denken, Sonic wuchs als Straßenhund in Spanien auf. Seinen ersten Arbeitstag hatte der heute neunjährige Rüde am 22. Oktober 2007. Die Finanzkrise 2008 erlebte Sonic mit. Und was sagt der Chef zum Börsenhund: "Im Börsenumfeld mit seinem wenig menschlichen Ruf ist der Hund ideal. Wenn der mit seiner charmanten Art jeden Besucher begrüßt, ist klar, dass hier neben Hunden auch Menschen arbeiten", sagt Schnigge-Chef Florian Weber.

Quelle: RP
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