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Kolumne Die Woche Im Rathaus
Vielen Dank, Herr Geisel, aber es reicht!

Kolumne Die Woche Im Rathaus: Vielen Dank, Herr Geisel, aber es reicht!
Sport im Park? Da lässt sich OB Thomas Geisel nicht lange bitten. FOTO: Andreas Endermann
Meinung | Düsseldorf. Die sportlichen Aktivitäten des Oberbürgermeisters in allen Ehren, aber irgendwann hat man als Betrachter genug vom Radschlagen, Marathonlaufen und Besteigen von Bergen. Die Botschaft ist angekommen. Von Torsten Thissen

Sicher war es nicht der entscheidende Faktor, aber als die Düsseldorfer sich bei der letzten Wahl zwischen zwei Menschen entscheiden mussten, standen zur Auswahl der barock-ausladende Amtsinhaber im glänzenden Anzug mit Einstecktüchlein, goldener Brille und Siegelring, der sich bei einer Sportvorführung die Hüfte brach, und sein dynamischer, Marathonlaufender Herausforderer, der turnend, fahrradfahrend und überall in der Stadt mit der ewig gleichen Botschaft hausieren ging: Ich bin fit, austrainiert und esse viel Gemüse, genau wie meine vielen überaus gesunden Kinder. Wenn Thomas Geisel dann noch Querflöte spielte, schien es, als brauche er nur einmal einzuatmen, um ein komplettes Stück zu spielen, während Dirk Elbers ständig außer Puste war. Nun sind zwei Jahre vergangen und während Dirk Elbers inzwischen coole Anzüge und Brillen trägt und rund 40 Kilo abgenommen hat - hätte er als OB so ausgesehen, wäre er wahrscheinlich noch im Amt - macht Geisel weiterhin den Fabian Hambüchen von Pempelfort. Vielen Dank, Herr Geisel, aber es reicht!

Letzte Woche erst turnte er bei der Aktion "Sport im Park" in Radlerhose und Basecap, natürlich begleitet vom Presseamt der Stadt, das fleißig Fotos des Oberbürgermeisters ins Netz stellte. Das mag ja alles noch angehen, Höhepunkt aber war wohl die Aktion, als er sechs Viertausender hintereinander bestieg, um afrikanischen Mädchen zu mehr Bildung zu verhelfen. Das fanden dann sogar wohlmeinende Düsseldorfer einigermaßen lächerlich; bei allem Verständnis für die Sache und um nicht missverstanden zu werden: Wir haben nichts gegen sportliche Politiker. Wir empfinden aber die ständige Zurschaustellung solcher Aktivitäten, den andauernden Hinweis auf die überragende körperliche Konstitution des Oberbürgermeisters als überflüssig. Die Botschaft des dynamischen Politikers ist angekommen. Das Vermitteln von Inhalten wird durch das ständige Gehüpfe und Gelaufe eher verwässert. Was bleibt von dem durchaus positiven Angebot "Sport im Park", dem kostenlosen Gesundheits- und Fitnesstraining im Freien, ist Geisel bei seinen Turnübungen, Geisel mit weißen Waden, der den Anschein macht, als wolle er als Erster fertig sein oder wenigstens das Training übernehmen.

Es geht zwei Jahre nach seiner Wahl nicht mehr um die Darstellung von Dynamik oder sportlichem Ehrgeiz, entscheidend ist, ob Thomas Geisel Düsseldorf nach vorne bringt, ob seine Politik gut für die Menschen in der Stadt ist, ob er seine politischen Ziele für Düsseldorf umsetzen kann. Entscheidend ist nicht die Dynamik des Oberbürgermeisters, sondern die seiner Politik. Und hier ist Gipfelstürmerei und der Ehrgeiz, in allem der Erste zu sein, kontraproduktiv, wie die letzten zwei Jahre zeigen. Um im Bild zu bleiben: Auf der politischen Strecke gewinnt nicht der schnellste Läufer, auch nicht der ausdauerndste, sondern der, der den richtigen Weg wählt. Politik ähnelt eher einem Orientierungslauf in unbekanntem Gelände bei Einsetzen der Dämmerung als einem Rennen bei Flutlicht. Geisel täte gut daran, im Privaten seiner Sportlichkeit nachzugehen. Zumal der Grat zwischen sportlich-sympathisch und streberhaft-ehrgeizig schmal ist.

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