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Glücksatlas 2016
Von Köln lernen, glücklich zu sein

Glücksatlas 2016: Von Köln lernen, glücklich zu sein
FOTO: dpa, ve
Düsseldorf. Die Bewohner der Domstadt sind neuerdings glücklicher als die Düsseldorfer - behauptet zumindest der Glücksatlas. Vielleicht, weil sie das größere Talent zu Lebenskünstlern haben. Eine Kolumne.  Von Hans Onkelbach, Düsseldorf

Als die Deutsche Post vor ein paar Tagen ihren Glücksatlas 2016 vorstellte, gab es zwei große Überraschungen: Am glücklichsten sind die Menschen im Land des Gegenwinds - Schleswig-Holstein. Und die Kölner sind zufriedener als die Düsseldorfer. Letzteres ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich das binnen eines Jahres umgedreht hat - 2015 fühlten sich die Düsseldorfer wohler als die Nachbarn 50 Kilometer südlich.

Nun könnte man das sehr bequem dem Rathaus-Chef in die Schuhe schieben, weil er der Stadt eine Menge kurioser Dinge beschert: Er streitet sich mit dem Sparkassen-Chef um Geld, er deutet an, man könnte das Schauspielhaus abreißen und neu bauen, und er wird wohl demnächst zugeben müssen, nicht genug Sponsoren für den Start der Tour de France in Düsseldorf zu haben, ergo selbst zahlen zu müssen. Eine solche Ballung unerfreulicher Nachrichten kann selbst einem von Natur aus optimistischen Menschen wie dem Düsseldorfer die Petersilie verhageln.

Womöglich würde dieser Stimmungsniedergang zwischen Garath und Wittlaer auch die gute Laune rund um den Dom erklären: Dort hat man natürlich bemerkt, dass die vermeintlich reiche und allseits begehrte Nachbarstadt rheinabwärts inzwischen ebenfalls ihre Probleme hat und freut sich darüber wie Bolle, was das Stimmungsbarometer fast so stark nach oben treibt wie der neue Karnevalsschlager, der "Alaaf you" oder so ähnlich heißt. Irgendwie nachvollziehbar, oder? Über Jahre werden die arroganten Pinsel von der Kö überall als Vorbild dargestellt, bei ihnen stürzt nix ein, Bauvorhaben werden pünktlich fertig (und funktionieren), selbst Wahlzettel drucken sie auf Anhieb korrekt, während bei den Kölschtrinkern nicht nur der letzte Tropfen, sondern auch sonst ne Menge immer wieder in die Hose geht. Wenn sich nun das Blatt wendet, kann man doch verstehen, wie das dem bisherigen Underdog runter geht wie Fassbrause aus der Gaffelbrauerei. So oder so - die Kölner zeigen einmal mehr, wie wenig es braucht, um sich als Sonnyboy zu fühlen.

Pannen bei der Wahl, Dauerbaustelle beim Opernhaus, rechtsradikale Übergriffe - das alles packen sie locker weg, und dass der Begriff "Silvesternacht" auf lange Zeit mit dem Zusatz "Kölner" zu einem Synonym für massenhafte Angriffe auf Frauen assoziiert wird, kann die Laune auf Dauer offenbar auch nicht trüben. Kein Wunder in einer Stadt, deren Hirn seit Jahren durch Lieder der Höhner und Paveier malträtiert wird, in der die Jungfrau im jecken Dreigestirn - aus welchen Gründen auch immer - ein Mann und der Chef der Karnevalisten im echten Leben Bestatter ist.

Ganz klar - der Kölner, derzeit ohnehin wie besoffen vom Erfolg seines FC, hat das größere Talent zum Lebenskünstler. Damit darf er ruhig als Vorbild dienen. Immerhin gilt dort wie hier die Regel "Et hätt noch immer jot jejange". Daran wird auch ein streit- und abrisswütiger Chef im Düsseldorfer Rathaus mit seinem Faible für millionenteure Fahrradtouren nichts ändern.

Quelle: RP
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