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Die Woche Im Rathaus
Wenn man mit den Widersachern schunkelt

Düsseldorf. Der Karneval erzeugt in diesem Jahr ein wochenlanges Loch in der Kommunalpolitik. Wobei das Mitfeiern ja auch politische Schwerstarbeit ist.

Man muss schon sehr neu im Rheinland sein, wenn man glaubt, ab heute, 11.11 Uhr, wäre in einer Behörde, einem Handwerksbetrieb oder sogar in einer Schule noch irgendwer für eine Frage ansprechbar, auf die man nicht mit Helau antworten kann. Natürlich gilt das auch für die Kommunalpolitik. Die steht zudem vor dem praktischen Problem, dass das Rathaus von Möhne gestürmt und singenden Horden belagert wird.

In diesem Jahr hat es das Protokoll auffallend gut gemeint: Der Stadtrat hat sich gleich eine zweieinhalbwöchige Karnevals-Pause verordnet. Nach der Sitzung am 1. Februar ist erst für 19. Februar wieder ein Fachausschuss angesetzt. 18 Tage Ferien!

Das wahre Loch ist sogar noch dramatischer als sonst: Weil das Fest so früh im Jahr liegt, ist das politische Geschäft seit den Weihnachtsferien in Wahrheit nicht mehr in Schwung gekommen, wichtige Themen wurden auf März vertagt. Schönstes Beispiel war der Kulturausschuss. Dessen Sitzung am 18. Januar wurde wegen Sturm "Friederike" abgeblasen. Und nicht nachgeholt, weil nichts auf der Tagesordnung stand, das nicht noch ein bisschen warten konnte.

Natürlich dürfen solche Oberflächlichkeiten nicht darüber wegtäuschen, dass Karneval politische Schwerstarbeit ist. Und zwar nicht wegen der Jacques-Tilly-Mottowagen, über deren Qualität in Düsseldorf selten gestritten wird. Die befassen sich meist nur mit Bundes- oder Weltpolitik. Sie werden diesmal wohl kein einziges lokales Thema aufgreifen: Das Carnevals-Comitee hat gestern beklagt, dass es außer der überstrapazierten Tour de France einfach kein Futter findet.

Das Mitfeiern an Karneval ist aber Pflichttermin für alle, die politisch etwas werden wollen. Nur, dass sie plötzlich mit den Widersachern schunkeln müssen. Wer hoch hinaus will, sollte nicht nur bei vielen Terminen körperlich anwesend sein, sondern glaubhaft vermitteln, dass das Winterbrauchtum ihm oder ihr eine Herzensangelegenheit ist. Das ist ein ungeschriebenes, aber ehernes Gesetz. Alles andere wirkt irgendwie verdächtig.

Wenn man bedenkt, wie anstrengend die strategische Feierei werden kann, versteht man die anschließende Pause: Sie bietet Zeit, auch den fiesesten Kater zu kurieren.

Quelle: RP
 
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