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Duisburg
Leise, schnell und noch zu teuer

Duisburg: Leise, schnell und noch zu teuer
Michael Wahn (links) und Sebastian Limburg vor der Ladestation der Stadtwerke. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Elektroautos sind auf dem Vormarsch - zumindest in Ländern, wie Norwegen. Doch in Duisburg nutzen die schnellen Flitzer nur wenige Leute. Das liegt vor allem am stolzen Preis und der begrenzten Reichweite. Von Lena Köhnlein

An der Ampel bin ich damit der King: Das Gefährt beschleunigt schneller als jedes Auto, nicht einmal der Porsche neben mir hat beim Anfahren eine Chance. Und dabei hört man den Wagen nicht einmal, so leise ist er. Worin ich sitze? In einem Elektroauto der Stadtwerke (SWDU).

Dass es so schnell ist, liegt am hohen Drehmoment. Fragt man bei den Stadtwerken nach, wie viele Duisburger bereits so ein emissionsfreies Auto fahren, wird die Zahl 35 genannt. Wenig. Warum?

"Die Autos sind in der Anschaffung noch teuer", sagt Michael Wahn, Energieberater bei den Stadtwerken. Dabei seien sie auf Dauer günstiger, da sie steuerfrei sind und es billiger sei, Strom als Benzin zu tanken. 100 Kilometer kosten mit dem Elektro-Auto etwa 3,30 Euro pro Fahrt, ein Diesel verbraucht doppelt so viel.

Ein weiteres Manko sehen die Verbraucher in der Reichweite der noch recht jungen Fahrzeuge. Es gibt zwar Modelle mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern, wie etwa das Tesla Model S, diese kosten aber auch rund 80.000 Euro und mehr. Viele günstigere Modelle fahren nur 130 bis 180 Kilometer. Dann ist Schluss. Dabei kann häufig auch nicht Vollgas gegeben werden. Die Batterie des Mercedes A-Klasse E-cell, den die Stadtwerke besitzen, schafft 180 Kilometer - allerdings ist die Batterie auf eine Geschwindigkeit von 150 Stundenkilometern gedrosselt. Sonst würde diese zu sehr belastet, und die Reichweite könnte nicht erreicht werden, erklärt Wahn. "Aber im Stadtverkehr reichen ja auch 50 Stundenkilometer." Denn dafür ist das Auto ja auch gemacht: Für den Orts- und Nahverkehr. Häufig ist das Elektroauto daher nur ein Zweitwagen - ein teuerer noch hinzu. Das günstigste Modell liegt bei etwa 25.000 Euro aufwärts, gebrauchte Wagen gäbe es noch nicht wirklich, so Wahn.

Dabei zeigen andere Länder, dass es durchaus funktionieren kann. Dort würden die Fahrzeuge aber auch entsprechend vom Staat gefördert, so Sebastian Limburg, Leiter des Innovationsmanagements der Stadtwerke. Erst kürzlich sei er in Oslo gewesen. "Dort dürfen die E-Autos kostenlos parken und Taxi- sowie Busstreifen benutzen", sagt er. Außerdem würden viele Länder bereits einen finanziellen Zuschuss gewähren. In Deutschland diskutiere man über eine Kaufprämie von 5.000 Euro.

Dabei sind sich Experten weltweit sicher: Das Elektroauto wird kommen. Immerhin stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. So soll in Bochum ab 2017 die Produktion des Ampera-e beginnen - einem Elektro-Opel, der günstig ist und gleichzeitig eine hohe Reichweite besitzt.

Duisburg wäre jedenfalls für den Boom gerüstet: Sieben Ladestationen von den Stadtwerken - etwa am Burgplatz vor dem Rathaus, im Innenhafen, Am Stadthaus oder bei den Stadtwerken selbst - gibt es. Zusätzlich stehen von anderen Anbietern weitere sieben Stationen in Duisburg, etwa bei Aldi Süd auf der Kommandantenstraße.

Stadtwerkekunden können an den grünen SWDU-Ladestationen kostenlos auftanken. Für alle anderen kostet die Stunde laden und parken 2,50 Euro.

Die Ladezeiten variieren von Modell zu Modell zwischen circa 3,5 und elf Stunden. An Ladestationen können die Fahrzeuge schneller geladen werden, als an normalen Steckdosen zuhause.

Allerdings stelle man die Autos ja meist nicht komplett leer ab, so Wahn. Auch für viele Firmen seien E-Autos gut geeignet, laden können sie nach Gebrauch auf dem Firmenparkplatz. Auch die Stadtwerke benutzen aktuell sechs der leisen Fahrzeuge. Die Mitarbeiter hätten einige Tage gebraucht, um sich an die neue Technik zu gewöhnen.

Quelle: RP
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