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Innenansichten Die Universität Duisburg-Essen
Ohne Ranglisten geht es nicht mehr

Innenansichten Die Universität Duisburg-Essen: Ohne Ranglisten geht es nicht mehr
Uni-Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke: Bei einigen Rankings werden relativ junge Universität wie die UDE benachteiligt. FOTO: christoph reichwein (archiv)
Duisburg. Obwohl die so genannten Rankings oft mit undurchsichtigen Methoden durchgeführt werden, kann sich die Uni Duisburg-Essen nach Ansicht ihres Rektors diesen Bewertungsverfahren nicht verschließen. Ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich Radtke.

Für die RP-Serie "Innenansichten", bei der die Universität Duisburg-Essen (UDE) im Mittelpunkt steht, interviewte Redakteur Peter Klucken den Rektor der UDE, Prof. Dr. Ulrich Radtke.

Das ist die Universität Duisburg-Essen FOTO: RP Duisburg

Immer wieder werden Rankings, also Ranglisten, veröffentlicht, bei denen die Universität Duisburg-Essen mal gut, mal weniger gut platziert ist. Man könnte spotten: Liegt die UDE in einem Ranking vorne, so wird die Bedeutung speziell dieses Rankings groß herausgestellt, bekommt sie in einem anderen Ranking nur einen hinteren Platz, so wird das stets relativiert. Welche Rankings sind denn wirklich wichtig für die Beurteilung der UDE?

Radtke Solche Bewertungsübersichten mit Auf- und Absteigern haben bekanntlich ihren Reiz, weil sie unterstellen, dass man die Leistungsfähigkeit von Bildungseinrichtungen grundsätzlich messen und objektiv miteinander vergleichen kann. Hochschulrankings stammen ursprünglich aus dem anglo-amerikanischen Raum. In den letzten Jahren wurden sie auch in Deutschland immer wichtiger wegen ihrer weltweiten Sichtbarkeit.

Werden bei diesen Rankings nicht höchst unterschiedliche Hochschulen über einen Kamm geschoren?

Radtke Genau. Man muss sich stets vor Augen halten, dass sich die Hochschulsysteme sehr stark voneinander unterscheiden. Hinzu kommt, dass viele große internationale Rankings, wie das ARWU (Shanghai), Times Higher Education (THE) Ranking oder auch das QS World University Ranking, das Ansehen einer Hochschule mit bis zu 50 Prozent in die Gesamtbewertung eingehen lassen. Entscheidend ist dabei, wie häufig die Hochschule von weltweit befragten Wissenschaftlern genannt wird. Dieser subjektive Faktor benachteiligt gerade junge Universitäten. Das zeigt sich zum Beispiel im Times Higher Education 100 under 50-Rankings. Hier kommt die vor zwölf Jahren gegründete UDE auf Platz 59 unter den besten 100 Universitäten weltweit, die jünger als 50 Jahre sind.

Manchmal frage ich mich, ob die Rankingmethodik nicht häufig sehr schlicht ist.

radtke Da haben Sie Recht. Oft werden verschiedene Indikatoren undurchsichtig verrechnet mit der Folge, dass Angebot und Leistung einer Hochschule grob vereinfacht und damit unangemessen abgebildet werden.

Kann die Uni Rankings nicht einfach ignorieren?

Radtke Ich glaube, das geht nicht. Dies alles muss man in Kauf nehmen, wenn man als Universität international eine stärkere Rolle spielen möchte. Gerade ausländische Universitäten achten darauf, wie potenzielle Partner-Institutionen gerankt sind. Eine Alternative zu klassischen Ranglisten ist das europäische U-Multirank: Das funktioniert so: Man wählt zunächst die Fächer und Kriterien aus, die anschließend hochschulübergreifend verglichen werden. Das ist zwar sehr komplex, bildet aber die Profile und Stärken einer Hochschule deutlich besser ab. Auf nationaler Ebene ist für uns das CHE-Ranking am wichtigsten, es vergleicht die Universitäten ebenfalls auf Fächerebene. Je nach Indikator wird man der Spitzen-, Mittel-, oder Schlussgruppe zugeordnet.

Ein vergleichsweise schlechter Rankingplatz kann auch Anlass für Selbstkritik und Verbesserungsbemühungen sein. Gab es bei der UDE schon einmal einen solchen erwähnenswerten Fall?

radtke In der Tat beobachten wir unsere jeweilige Positionierung. In der Regel war die Entwicklung der UDE in den Rankings positiv. Bekommen wir Hinweise darauf, wo nachjustiert werden muss, bringen wir dies in unsere regelmäßigen Gespräche mit den Fakultäten ein. Wir gehen aber auch der Frage nach, wie unsere Daten aufbereitet sein müssen, damit sie besser verglichen werden können. Wie stellen wir zum Beispiel sicher, dass die UDE-Publikationen von den internationalen Datenbanken erfasst werden? Ich warne übrigens davor, sich zu sehr von den Ranking-Ergebnissen abhängig zu machen: Bei der Strategieentwicklung orientieren wir uns am Profil der Hochschule und wie wir es weiter schärfen können im Verbund mit unseren Partnern in der Universitätsallianz Ruhr.

Zu einem anderen Thema: Wie ist das Verhältnis der Uni zur "Stadt Duisburg"?

radtke Wir tauschen uns intensiv mit unseren beiden Universitätsstädten aus. So treffen sich beispielsweise die Verwaltungsvorstände regelmäßig mit dem Rektorat. Die UDE beteiligt sich auch aktiv an den Stadtentwicklungsprozessen in Duisburg und Essen. Für Duisburg spielt auch die Zusammenarbeit in der Euregio Rhein-Waal eine große Rolle. Ich freue mich sehr, dass unsere Universität dabei stets einbezogen ist.

An der Universität Duisburg-Essen studieren und lehren Menschen aus vielen Nationen. Eine "Willkommenskultur" scheint auf dem Campus im Allgemeinen eine Selbstverständlichkeit zu sein. Außerhalb der Universität ist das offenbar nicht so selbstverständlich. Kann die Uni beim Umgang mit Ausländern, Flüchtlingen und Asylbewerbern eine Vorbild- oder Vermittlerrolle oder gar Mahner-Rolle einnehmen?

radtke Auch bei diesem Thema arbeiten wir mit den Universitätsstädten Hand in Hand. Duisburg baut derzeit das Angebot für ausländische Studierende und Gastwissenschaftler/innen aus. Das Konzept wurde in Abstimmung mit unserem Akademischen Auslandsamt entwickelt. Darüber hinaus spielt Bildung eine zentrale Rolle bei den Integrationsprozessen. Auch dazu leistet die UDE wichtige Beiträge, u.a. mit ihrem von der Stiftung Mercator geförderten Programm ProSALAMANDER, demnächst OnTOP. Hier werden ausländische Akademiker gezielt nachqualifiziert, damit sie in Deutschland adäquat in ihren Beruf einsteigen können.

Gibt es Neuigkeiten zur baulichen Situation der UDE?

radtke Nach der Eröffnung der beiden großen Hörsaalzentren in Duisburg und Essen im vergangenen Jahr, wurde in diesem Jahr bereits das neue Rotationsgebäude am Campus Essen in Betrieb genommen. Außerdem haben wir kürzlich das Richtfest für neue Sporthalle gefeiert. Mit dem Neubau der Mensa am Campus Duisburg zeichnet sich bald ein weiteres großes Bauprojekt ab.

Quelle: RP
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