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Rees
Neuer Name für die Reeser Grundschule?

Rees. Wenn die Anne-Frank-Schule zur Jahresmitte schließt, endet in Rees nicht nur die Förderschule. Auch der Name Anne Frank verschwindet. Eine Gruppe von Lehrern möchte dies verhindern. Von Michael Scholten

Eine Gruppe von Lehrern der Grundschule Rees hat Kulturamtsleiter Ludger Beltermann bereits nahegelegt, die bislang "namenlose" Grundschule, die nach den Sommerferien 2016 in das Gebäude der ehemaligen Förderschule ziehen wird, den neuen Beinamen "Anne-Frank-Schule" oder "Anne-Frank-Grundschule" zu geben.

"Grundsätzlich kann jede Schule für sich einen Namen aussuchen, den sie gern verwenden würde", sagt Ludger Beltermann. "In der Regel soll mit diesem Namen das Schulkonzept hervorgehoben, eine Person in Erinnerung gehalten oder eine örtliche Beziehung dargestellt werden."

Dabei muss jedoch ein rechtlich vorgeschriebenes Verfahren eingehalten werden: Zunächst muss die Schulkonferenz einen entsprechenden Beschluss fassen. Dann beschließt der Rat den gewünschten Namen und bittet die Bezirksregierung Düsseldorf um Genehmigung.

Der Kulturamtsleiter erinnert daran, dass laut Schulgesetz an zwei formalen Begriffen festgehalten werden muss: "Gemeinschaftsgrundschule" und "Stadt Rees" als Schulträger. Dies könne aber auch im "Untertitel" erfolgen. Denkbar sei somit zum Beispiel die Kombination "Anne-Frank-Schule - Gemeinschaftsgrundschule der Stadt Rees".

Dass sich in der Öffentlichkeit aber stets ein kürzerer Name durchsetzt, beweisen die Volksmund-Bezeichnungen anderer Reeser Schulen, wie etwa "Rheinschule", "Lindenschule" oder "Aspel".

Beltermann betont, dass die Stadt Rees grundsätzlich eine individuelle Namensgebung begrüßt. So habe der Stadtrat bislang noch jeden Vorschlag der Schulkonferenzen gutgeheißen und beschlossen.

Grundschullehrer Bernd Schäfer, der das Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Rees erforscht, unterstützt die Initiative, den Namen Anne Frank in Rees weiterleben zu lassen.

Er sagt: "Ihr Name ist ein Synonym für das Schicksal vieler jüdischer Kinder, die durch eine menschenverachtende Ideologie ihr Leben verloren haben. Auch Reeser Kinder jüdischen Glaubens haben sich, zeitgleich mit Anne Frank und ihrer Familie, in den Niederlanden versteckt, und sind später in Konzentrationslagern an Krankheit gestorben oder ermordet worden."

Als Beispiele nennt Schäfer die Reeserin Margot Isaac, die mit sieben Jahren in Riga starb, oder Walter Sander, der in Sobibor nur zehn Jahre alt wurde.

Annelies Marie Frank, genannt Anne, kam am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main zur Welt. 1934 wanderte sie mit ihren Eltern in die Niederlande aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Ab Juli 1942 lebte sie mit ihrer Familie versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam. Dort hielt sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch fest. Die Eintragungen, die als wichtiges historisches Dokument aus der Zeit des Holocausts gelten, enden kurz vor dem Tag, an dem die Familie Frank verraten, aufgespürt und in Konzentrationslager deportiert wurde.

Anne Frank starb im Februar oder März 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im Konzentrationslager Bergen-Belsen. In ganz Europa sind Schulen, Kindergärten, Straßen und öffentliche Plätze nach Anne Frank benannt.

"Es wäre schade, wenn ausgerechnet Rees künftig aus dieser Liste gestrichen würde", sagt Pädagoge Bernd Schäfer. "Denn Anne Frank steht nicht nur weltweit für das Schicksal der Juden, sondern hat sogar einen lokalen Bezug zu Rees: Bei ihrer Flucht per Eisenbahn von Frankfurt über Düsseldorf nach Amsterdam muss die Familie Frank 1934 auch durch Halderner und Millinger Gebiet gefahren sein."

Quelle: RP
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