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Erkelenz
Domian hat noch viel zu erzählen

Erkelenz: Domian hat noch viel zu erzählen
Jürgen Domian, der frühere Late-Night-Talker, im Gespräch mit 1 Live-Moderator Tobi Schäfer. In der Erkelenzer Stadthalle hatte Domian viel zu erzählen. FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz. Im Radio und im Fernsehen hat Jürgen Domian mit seinem Late-Night-Talk "Domian" Kultstatus erreicht. Zwar gibt es die Sendung nicht mehr, dennoch tourt er durchs Land und erzählt aus 22 Jahren nächtlicher Gesprächsrunden. Von Kurt Lehmkuhl

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2016 war Schluss mit "Domian". Nach 22 Jahren beendete Jürgen Domian seine nächtliche Gesprächsrunde, die zeitgleich auf 1 live im Radio und auf WDR 3 im Fernsehen lief. Rund 25.000 Telefonate hatte er bis dahin mit Menschen aller Altersklasse über Themen aller Art, von der Geburt bis zum Tod geführt. Aber Domian hält es mit Trude Herr und ihrem Spruch "Niemals geht man so ganz."

Jetzt redet er wieder öffentlich, und viele hören ihm zu, wenn er bei "Domian redet" über sich, seine Interviewpartner, die Themenvielfalt seiner Sendung und über seine Zukunft informiert. Domian tourt durchs Land und machte nun Station in Erkelenz. In der vollen Stadthalle hingen die Menschen an seinen Lippen und warteten auf Antworten auf Fragen, die ihm Tobi Schäfer von 1 live in der "Sauna von Erkelenz" in einem fast zweistündigen Interview stellte. Er habe nicht als Heulsuse nach der letzten Livesendung gehen wollen, bekannte Domian, er habe aber auch noch so viel zu sagen, dass er sich nicht schweigend zurückziehen wollte. Deshalb ist er jetzt unterwegs, um die vielen Fans seiner Kultsendung hautnah zu erleben und mit ihnen die Zeit Revue passieren zu lassen. Viele haben ihm 22 Jahre lang die Treue gehalten, sie wissen Bescheid, wenn er etwa vom "Hackfleischmann" spricht.

Domian hat einige Erkenntnisse aus der langen Zeit mitgenommen bei den Gesprächen rund um Leben, Tod, Sexualität, Verbrechen, Alltagsgeschehen oder Kuriositäten. "Mein Menschenbild ist schlechter geworden", bekannte er. Er habe sich nicht vorstellen können, wozu Menschen fähig sein können in ihrer Sucht, ihrem Wahn, in ihrer Verzweiflung. Aber er hat auch Positives mitgenommen von Menschen, die ihr Schicksal in die Hand genommen und die ihm Mut gegeben haben.

Domian hat strikt getrennt zwischen der Sendung und dem Privaten. Er, vor dem Unbekannte in der Sendung ihr Herz öffneten und oft schonungslos über Liebe und Leid, Schmerz, Krankheit und Tod sprachen, blieb im Privaten unbehelligt. "Auf der Straße sprach mich fast nie jemand wegen der Sendung an." Nur einen einzigen Kontakt hat er aufrechterhalten: den Kontakt zu einer Nonne, die in einem Kloster in Köln lebt. "Mit der treffe ich mich einmal im Monat."

Viele Schicksale sind ihm nahe gegangen, wie die von Menschen, die ihm sagten, dass sie in den nächsten Tagen sterben müssen oder die sich als Missbrauchsopfer allein gelassen fühlten. Viele Gespräche beendete er wütend, weil Menschen etwa meinten, sich als Verbrecher oder Mörder rechtfertigen zu können. Bei einigen Telefonaten konnte er nur schwer ein Lachen verkneifen, wenn etwa ein Mann steif und fest behauptete, die Erde sei eine Scheibe oder er sei unsterblich.

Unbeschadet hat Domian seine Sendung, die er nach einem Vorbild aus den USA auf Anregung des damaligen WDR-Chefs Fritz Pleitgen ins Radio und ins Fernsehen brachte, nicht überstanden. Kaum hatte er sich im Dezember verabschiedet, kamen die Krankheiten und der Krankenhausaufenthalt. Jetzt hat er sich berappelt, redet über die Sendung, über sein Buch "Interview mit dem Tod", sein Engagement für die aktive Sterbehilfe, seinen Roman, der im Herbst erscheinen soll, und über eine neue Idee für eine Fernsehsendung. Geplant ist eine Talkshow mit Menschen "ohne Namen".

Quelle: RP
 
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