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Geldern
Hendricks erklärt Bauern das Weltklima

Geldern: Hendricks erklärt Bauern das Weltklima
Präses Bernd Hante, Josef Peters, Dr. Kurt Kreiten, Dr. Barbara Hendricks, Dr. Franz-Josef Stork und Heinz Lax (von links) gestern auf der Wasserburg Rindern. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Beim traditionellen Bauerntag in der Wasserburg Rindern berichtete die Bundesumweltministerin über ihre Rolle beim Klimagipfel in Paris Ende 2015. Sie riet dem Berufsnachwuchs zu ökologisch vertretbarer Arbeitsweise. Von Anja Settnik

Die große Politik zog beim Bauerntag auf der Wasserburg Rindern in den Vortragssaal ein - was daran lag, dass Barbara Hendricks, Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete, als Bundesumweltministerin einen Vortrag hielt. Der schien allenfalls im ersten Moment thematisch weit weg, handelte nämlich vom Klimagipfel in Paris. Wer allerdings ein wenig nachdenkt, kommt schnell dahinter, dass kaum eine Branche so viel mit "Klima" und den Auswirkungen des neuen Weltklimavertrags zu tun hat wie die Landwirtschaft. Weswegen die Teilnehmer am Bauerntag, zum Großteil Schüler der Klever Landwirtschaftsschule, aber auch aktive Berufsvertreter, aufmerksam zuhörten.

Zuvor hatte Dr. Kurt Kreiten als Leiter des katholischen Bildungszentrums die Mitveranstalter der Landvolkbewegung und alle Gäste begrüßt, darunter die "Öko-Klasse" von Haus Riswick, die Fachlehrer sowie die Kreislandwirte Heinz Lax und Josef Peters. Kreiten freute sich auf eine angeregte Diskussion zwischen der Ministerin und den (angehenden) Landwirten. Schon der Vortrag an sich ließ allerdings kaum eine Frage offen. Auch scheute Hendricks nicht vor Aussagen zurück, die Bauern nicht gerne hören: etwa, dass sie für die Zukunft wieder "einen stärkeren Flächenbezug bei der Milchviehhaltung erwartet". Sprich: Mehr Kühe halten kann dann nur, wer auch mehr Fläche besitzt. Sonst passiere, was jetzt schon bei niederländischen Landwirten beobachtet werde, dass nämlich die Gülle nicht mehr auf den eigenen Feldern untergebracht werden kann und durch die Lande gekarrt wird, um irgendwo anders aufs Feld gekippt zu werden.

Bevor es zu diesen unbeliebten Wahrheiten kam, berichtete Hendricks zwar ohne Eitelkeit, aber doch ein wenig stolz von ihrer Rolle beim "historischen" Klimavertrag. Bekanntlich haben sich Ende 2015 in Paris alle 195 Staaten der Erde dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass in diesem Jahrhundert die Temperatur auf der Erde um weniger als zwei Grad ansteigt. Einige Länder, darunter Deutschland, peilen sogar an, mit 1,5 Grad auszukommen. Denn die Erderwärmung, da sind sich die Forscher einig, führt zu Klimakatastrophen, unter denen schon jetzt insbesondere Regionen auf der Südhalbkugel der Erde leiden. Seit die Schwellenländer sich viel schneller als noch vor 20 Jahren entwickeln (etwa China), produzieren auch sie in riesigem Umfang Treibhausgase. Sie alle haben zugesichert, regenerative Energien auszubauen und immer weniger fossile Brennstoffe zu nutzen. Wobei: "Das Völkerrecht arbeitet nicht mit Sanktionen. Wir müssen damit rechnen, dass einige Länder ihre Zusagen nicht einhalten", weiß Hendricks. Gespräche, Diplomatie und Kontrolle müssten genutzt werden, um die Paris-Ziele so weit wie möglich zu erreichen.

Gut kam bei Kurt Kreiten an, dass die Abgeordnete ihren Bericht mit einigen persönlichen Erlebnissen ausschmückte und menschliche Begegnungen mit Außenministern kleinster Länder (etwa die Marshall-Inseln) schilderte. Hörbar zufrieden erzählte die Kleverin sogar von ihrer eigenen "Blitzidee", wie Bedenken der polnischen Teilnehmer auszuräumen seien: Sie habe dafür gesorgt, dass der Gesandte des Papstes, als Vertreter des Vatikanstaats dabei, den natürlich katholischen Kollegen ins Gebet nahm und ihn überzeugen konnte.

Wenn erste Unternehmen nun ihre Anlagevermögen in Windkraft statt in Kohle investierten, sei das schon ein gutes Zeichen. "Und wie sollen wir Schweine- oder Milchbauern im Wettbewerb bestehen, wenn wir klimafreundlich, also teurer, produzieren müssen?", wollte Josef Peters wissen. Hendricks antwortete: "Ein Land in der Mitte Europas kann auf Dauer kein großer Exporteur von Lebensmitteln sein." Da applaudierten nur wenige - vielleicht die Bio-Landwirte.

Quelle: RP
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