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Goch/Weeze
Kreis warnt Flüchtlinge vor Bad im See

Goch/Weeze: Kreis warnt Flüchtlinge vor Bad im See
Wenn es Unfälle in Badeseen oder auf dem Rhein gibt, sind die Taucher aus Weeze und die DLRG im Einsatz. Die Verantwortlichen beobachten, dass es oft Flüchtlinge sind, die nicht schwimmen können. Gerade ertrank ein Asylbewerber in Emmerich (rechts), vor einem Jahr ein Flüchtling in einem See bei Rees (l.). FOTO: mvo / DLRG
Goch/Weeze. Angesichts der Badeunfälle weisen Verantwortliche der DLRG auf die Gefahren in Baggerlöchern und im Rhein hin. Sie beobachten, dass immer mehr Asylbewerber betroffen sind. Viele von ihnen können nicht schwimmen. Von Sebastian Latzel

Die heißen Temperaturen haben in den letzten Tagen auch in der Umgebung dafür gesorgt, dass viele Abkühlung im Rhein oder den Baggerlöchern suchten. Wie gefährlich allerdings hier das Baden sein kann, zeigen zwei Vorfälle der vorigen Woche: In Emmerich-Vrasselt ertrank ein Mann in einem Baggerloch, am Wochenende wurde ein Schwimmer im Rhein bei Spyck in den Niederlanden abgetrieben.

Bei diesen Einsätzen sind immer die Taucher der DLRG Goch/Weeze vor Ort. Denn die Truppe ist inzwischen das einzige Tauchteam, das es für solche Fälle noch im Kreis Kleve gibt. Das Technische Hilfswerk hat die Tauchgruppe vor einiger Zeit aufgelöst, Feuerwehr und Polizei haben im Kreis Kleve keine Taucheinheit stationiert. "Daher werden wir bei solchen Vorfällen immer gerufen", berichtet Einsatzleiter Hanns Evers, der auch beim jüngsten Todesfall in Emmerich-Vrasselt im Einsatz war. Auch hier war es ein Flüchtling, der im See ertrank. Er soll sich in den zwei Meter langen Schlingpflanzen verfangen haben. "Wenn man dann unerfahren ist, gerät man in Panik und verheddert sich noch mehr in den Blättern. Dabei würde es in einem solchen Fall reichen, einfach Ruhe zu bewahren."

In einem See in Mehr ertrank im vergangenen Jahr ein Mann. FOTO: mvo / DLRG

Viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, können offenbar gar nicht oder nur sehr schlecht schwimmen. Das fällt auch den DLRG-Leuten immer häufiger auf. Im vergangenen Jahr war auf der anderen Rheinseite ein jugendlicher Asylbewerber in Rees ertrunken, weil er von einer Schwimmmatte ins Wasser gerutscht und dann wie ein Stein untergegangen war. Auch da waren die Taucher aus Weeze im Einsatz.

"Das Tückische sind im Baggersee auch die großen Temperaturunterschiede", sagt Evers. "Sprungschichten" nennen das die Experten. Bereits zwei Meter unter der Oberfläche kann das Wasser bis zu 15 Grad kälter sein. Auch das könne zu Schockreaktionen führen.

Feuerwehr sucht bei Kleve nach Schwimmer FOTO: Guido Schulmann

Um Flüchtlinge über Gefahren aufzuklären, hat die DLRG bereits Kontakt mit dem Kreis Kleve aufgenommen. "Wir wollen gemeinsam einen Flyer herausbringen, um die Asylbewerber aufzuklären", erläutert der Gocher Jörg Thonnet, stellvertretender DLRG-Bezirkseinsatzleiter im Kreis Kleve. "Es gibt dabei zwei Probleme: Einmal können viele Asylbewerber gar nicht schwimmen, andererseits sind ihnen die Gefahren im Rhein und den Baggerlöchern gar nicht bewusst." Der Kreis will jetzt mit der DLRG ein spezielles Flugblatt in mehreren Sprachen entwickeln, das in den Flüchtlingsheimen verteilt wird. Darin soll es auch ganz einfache und praktische Tipps für Schwimmanfänger geben, wie sie etwa bei der Seepferdchen-Prüfung üblich sind. Die aktuellen Unfälle sind für die DLRG noch einmal Anlass, davor zu warnen, in nicht bewachten Baggerlöchern oder dem Rhein zu baden. Jeder, der dort schwimmen gehe, gehe ein Risiko ein.

Besonders erschreckend finden die Verantwortlichen das Verhalten mancher Badenden. "Dass da Feuerwehr und DLRG im Einsatz waren, hat kaum jemanden gestört. Viele sind einfach weiter ins Wasser gegangen, während wir auf der anderen Seite die Leiche geborgen haben", berichtet Hanns Evers.

Düsseldorf: Badeunfall im Rhein - Feuerwehr rettet Schwimmer FOTO: Gerhard Berger
Quelle: RP
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