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Grevenbroich
Mit Praxis-Kooperation gegen Ärztemangel

Grevenbroich: Mit Praxis-Kooperation gegen Ärztemangel
Haben für Frimmersdorf eine Lösung gefunden (v.l.): Dr. Harald Fecht, Dr. Rüdiger Herrmann und Dr. Kornelia Durst. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Dr. Harald Fecht übernimmt die Praxis von Dr. Rüdiger Herrmann in Frimmersdorf. Die Lage auf dem "Hausärzte-Markt" ist dennoch ernst. Von Julia Hagenacker

Zwei Jahre lang hat Dr. Rüdiger Herrmann, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Frimmersdorf, nach einem Kollegen gesucht, der seine Praxis auf dem "Leuchtenberg" mit rund 1400 Patienten pro Quartal übernimmt. Niemand wollte bislang. Jedenfalls niemand von außerhalb. "Das ist eigentlich unglaublich", sagt Herrmann. "Früher hat man sich als junger Mediziner um so eine Chance gerissen." Heute müssen zuweilen flexiblere Lösungen her. In Frimmersdorf - das ist die gute Nachricht - wurde jetzt eine solche gefunden.

Ab dem 1. Oktober übernimmt Dr. Harald Fecht, Facharzt für Allgemeinmedizin mit Praxis in Neurath, die Frimmersdorfer Praxis von Rüdiger Hermann und führt diese als zweiten Standort seiner Neurather Praxis weiter. Vor Ort in Frimmersdorf als angestellte Ärztin für die Patienten zuständig sein wird dann Dr. Kornelia Durst. Die gebürtige Oekovenerin hat in Köln studiert und war achteinhalb Jahre im Ausland - zunächst in Großbritannien und dann in Norwegen - tätig, bevor sie aus privaten Gründen nach Deutschland zurückkam und ans Kreiskrankenhaus in Grevenbroich wechselte. Als Fachärztin für Allgemeinmedizin hat sie zuletzt in Praxen in Köln und Langenfeld gearbeitet. "Auf die neue Aufgabe und vor allem auf den Kontakt mit den Patienten freue ich mich sehr, sagt Durst. "Das ist nämlich unter anderem das Schöne am Beruf des Hausarztes: Dass man mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun hat."

Also: Eine Praxis, zwei Standorte - in ländlicheren Gebieten, in denen es immer schwieriger wird, Nachfolger für Hausarztpraxen zu finden, könne das ein Konzept für die Zukunft sein, sagt Harald Fecht. "Es gibt einen klaren Trend zu Großpraxen, also mehreren Ärzten und kassenärztlichen Sitzen unter einem Dach. Das hat auch etwas damit zu tun, dass immer mehr Kollegen das unternehmerische Risiko scheuen." Im Bereich Grevenbroich, Rommerskirchen und Jüchen, sagt Fecht, gebe es mindestens zwei Hausärzte, die aus Altersgründen demnächst aufhörten und noch keinen Nachfolger haben.

Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) sieht die Lage derweil als ernst, aber nicht dramatisch an. "Im Bereich Grevenbroich, Rommerskirchen, Jüchen sind derzeit rund 60 Hausärzte niedergelassen, der Versorgungsgrad liegt bei knapp 97 Prozent", sagt KVNo-Sprecher Heiko Schmitz. "Mitte des Jahres gab es acht freie Zulassungsmöglichkeiten für Hausärzte. Der Bereich ist also in der Tat nicht gesperrt - es ist noch ,Platz', aber rein rechnerisch ist die Versorgung noch gut." Gefühlt, fügt Schmitz an, könne die Lage an einzelnen Stellen in der Tat als unterschiedlich "komfortabel" eingeschätzt werden. "Und angesichts der Altersstruktur der nordrheinischen Hausärzteschaft rechnen wir damit, dass sich die Anzahl freier hausärztlicher Zulassungsmöglichkeiten perspektivisch deutlich erhöhen wird - auch in Grevenbroich."

Quelle: NGZ
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