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Hilden
Einkaufssonntage stehen auf der Kippe

Hilden: Einkaufssonntage stehen auf der Kippe
Die "eilige Einkäuferin" ist die personifizierte Hast in der Fußgängerzone mit vielen Füßen. Das Werk von Karl-Henning Seemann wurde 1992 auf der Mittelstraße aufgestellt. FOTO: ola
Hilden. Einige Möbelhäuser in West bleiben am 4. September zu. Hintergrund ist offenbar die Klage der Gewerkschaft Verdi. Von Christoph Schmidt

Auf Antrag des Stadtmarketings hat der Stadtrat Anfang des Jahres vier Einkaufssonntag für das Gewerbegebiet West Ellerstraße/Westring (und vier für die Innenstadt) beschlossen. Bereits damals hatte die Gewerkschaft verdi "erhebliche Bedenken" gegen die Freigabe, erläuterte Gewerkschaftssekretär Michael Sievers - und drohte mit einer möglichen "Überprüfung durch entsprechende Aufsichtsbehörden". Das zeigt offenbar Wirkung. Das Möbelhaus Hardeck wird am kommenden Sonntag, 4. September, nicht öffnen, hat die Unternehmenszentrale in Bochum entschieden. Multipolster und das Plana Küchenland auch nicht. "Wir sind ohnehin kein Fan vom Sonntagseinkauf", sagt Plana-Geschäftsführer Slobodan Peric. Sie hätten längst nicht mehr die erhoffte Wirkung. Der Obi Baumarkt und Möbel Boss wollen sich dagegen am Einkaufssonntag beteiligen. Der Fabry-Antik- und Trödelmarkt findet am Sonntag nicht wie sonst in der Innenstadt, sondern auf dem Gelände von Möbel Hardeck an der Ellerstraße statt. Damit will die Stadt offenbar einer kurzfristigen einstweiligen Verfügung von Verdi vorbeugen. Denn Verdi hatte sich unter anderem daran gestoßen, dass ein Markt an einem Ende der Stadt (in diesem Fall in der Innenstadt) als Begründung für einen verkaufsoffenen Sonntag am anderen Ende der Stadt (in diesem Fall im Hildener Westen) herhalten muss. "Hilden ist eine Gemeinde ohne Stadtteile. Das Gesetz sagt: Wenn es keine Stadtteile gibt, reicht eine publikumsträchtige Veranstaltung im Stadtgebiet als Anlass für einen Sonntagseinkauf aus." Die Rechtssprechung habe sich verändert, muss Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt jetzt erkennen: "2017 werden wir wahrscheinlich keine separaten Termine für die Möbler in Hilden West mehr machen. Verkaufsoffene Sonntage wird es nur noch in der Innenstadt geben. Die Anlässe dafür sind juristisch unproblematisch." Für die kleineren Städte sei das Verhalten von Verdi negativ: "Das Internet hat sieben Tage lang geöffnet."

Der Fabry-Markt findet am Sonntag also nicht wie sonst in der Innenstadt statt, sondern auf dem Hardeck-Gelände, also da, wo auch die Geschäfte am Sonntag öffnen. Offenbar will die Stadt kein unnötiges Risiko eingehen. Für Markt-Veranstalterin Bea Reinecke-Denker ist die Verlegung kein Problem: "Ich bin mal gespannt, wie es läuft. Auf dem Hardeck-Gelände haben wir mehr Platz als in der Innenstadt. Besucher können auch auf dem Gelände parken." Das Stadtmarketing will am Sonntag Fotos machen. "Wir wollen dokumentieren, dass der Fabry-Markt - wie vom Bundesverwaltungsgericht gefordert - mehr Besucher anzieht als der Sonntagseinkauf", kündigt Geschäftsführer Volker Hillebrand an.

Verdi hat es geschafft, mit einer einstweiligen Anordnung des Oberverwaltungsgerichts Münster in Velbert alle bereits genehmigten verkaufsoffenen Sonntage zu kippen. Das Urteil wird in ganz NRW mit großer Aufmerksamkeit, um nicht zu sagen Besorgnis beobachtet. Auch in Haan. "Wir warten ab und schauen, wie andere Möbelhäuser in anderen Städten mit dem OVG-Urteil umgehen", sagt Markus Hermes, Betriebsstättenleiter von Ostermann in Haan. Die Entscheidung, ob das Kartoffelfest mit Einkaufssonntag am 9. Oktober in Haan stattfindet, werde in der Ostermann-Zentrale getroffen. Die Möbelhäuser fürchten einen Imageschaden: Wenn sie nämlich aufgrund einer Verdi-Verfügung kurzfristig absagen und die Besucher vor den geschlossenen Möbelhäusern wieder nach nach Hause schicken müssen.

Quelle: RP
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