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Umstrittener Pflanzenvernichter
Hildener gegen Einsatz von Glyphosat

Umstrittener Pflanzenvernichter: Hildener gegen Einsatz von Glyphosat
Wilma Roth und Walter Enßlinbesprühen symbolisch Ackerblumen mit dem Pflanzengift. Sie sagen: Glyphosat ist überhaupt nicht notwendig in der Landwirtschaft. FOTO: gök
Hilden. 20 Aktive demonstrierten am Mittwoch für ein Verbot des Pflanzenvernichters. Die CDU-Geschäftsstelle, vor der sie sich versammelt hatten, blieb aber geschlossen. Von Gökçen Stenzel

Das Kampagnen-Netzwerk "Campact" veranstaltet in diesen Tagen Proteste gegen die Weiterzulassung von Glyphosat. An 106 Orten deutschlandweit wurden Kleindemos angemeldet, die meisten davon vor den örtlichen CDU-Geschäftsstellen. Denn an die Adresse von Kanzlerin Merkel (CDU) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) richtet sich die Protestnote. An ihnen liege es nun, gegen die weitere Verwendung von Glyphosat, das die meisten als Pflanzenvernichter "Round Up" kennen dürften, zu stimmen.

"Sprechen Sie als geschäftsführende Kanzlerin mit Ihren Fachministern in Brüssel mit einer Stimme gegen Glyphosat", heißt es in einem Offenen Brief an Merkel. Die Entscheidung über die weitere Zulassung fällt Mitte Dezember. Für Hilden hatte Rainer Kalbe den Protest angemeldet. neben ihm beteiligten sich Aktive, die in der Stadt aus anderen Umweltschutzangelegenheiten bekannt sind.

Chemielehrer Dr. Walter Enßlin etwa, der Sommer für Sommer mit jugendlichen "Umweltdetektiven" unterwegs ist. Er sagt: "Glyphosat ist ein Gift, das wir überhaupt nicht brauchen, weil es längst Maschinen gibt, die Unkraut auf den Feldern vernichten. Sie rupfen es heraus." Der Kinderarzt Dr. Gottfried Arnold, der sich - ebenso wie Kalbe - gegen den Betrieb der CO-Pipeline stark macht, war gestern ebenfalls dabei und warnte eindringlich vor den Gesundheitsgefahren des Pestizids. Er sagt: "Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt in seiner Studie zur Gefährlichkeit des Pestizids nur deshalb nicht zu den selben Ergebnissen wie seriöse Wissenschaftler, weil es zu eng mit dem Hersteller kooperiert." Es stehen Vorwürfe im Raum, dass das Bundesinstitut in seiner Bewertung die Einschätzung des Herstellers Monsanto wörtlich übernommen habe. Das müsse auch Konsequenzen für die Behörde haben. Seriöse Studien belegten hingegen, dass das Mittel Krebs erregt, Fehlbildungen verantwortet und das Erbgut schädigt. "Es muss sofort vom Markt genommen werden", so Arnold. Die Aktivisten machen den örtlichen Landwirten Vorwürfe, mit Glyphosat geradezu verschwenderisch umzugehen: Nach einer Ernte würden Felder schnell besprüht und "sauber" gemacht. Dass nicht nur Unkräuter, sondern alles Leben vernichtet wird, werde in Kauf genommen. Bei Kartoffeln sei beobachtet worden, dass sie nach der Ernte mit Glyphosat-haltiger Lösung besprüht worden seien, um etwas reifer und gelber auszusehen. Grundsätzlich gelte: Wenn eine Fläche an dem einen Tag noch grün und an dem nächsten gelb-braun aussehe, könne man von einem Glyphosat-Einsatz dort ausgehen.

Private Haushalte machen nach Erfahrungen der lokalen Baumärkte immer weniger Gebrauch von chemischen Mitteln gegen Unkraut. Die Märkte verkaufen wieder mehr Werkzeug für das Ausstechen und Rupfen per Hand und Haken.

Quelle: RP
 
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