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Jüchen
Nachts wird es nicht mehr dunkel in Jüchen

Jüchen. Ein Hobby-Astronom aus Jüchen und der BUND klagen über nächtliche Lichtemissionen. Tiere, Pflanzen, aber auch Menschen seien gefährdet. Von Gundhild Tillmanns

Den Nachthimmel über Jüchen beobachtet Lorenzo Exner seit 36 Jahren: "Doch der Nachthimmel wird immer heller, es ist kaum noch möglich, die Nebel und Galaxien zu beobachten", sagte Exner und fragte die Gemeindeverwaltung: "Was kann man machen, um den Nachthimmel wieder sehen zu können?"

Nun liegt die Gemeinde Jüchen nicht in der Sahara, wo es null Lichtemissionen und auch sonst keine Umweltbeeinträchtigungen gibt. Der Hobby-Astronom weiß, dass das große Baggerloch von RWE Power für den Braunkohleabbau auch nachts beleuchtet ist. Er weiß, dass Straßen beleuchtet werden müssen. Auch Luzie Fehrenbacher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND Jüchen pflichtete ihm bei: Durch die Lichtemissionen würden auch die Nachttiere in ihrem Lebensraum irritiert, stellt die Naturschützerin fest. Den Nachthimmel wird die Gemeinde Jüchen alleine aus ihrer Kraft nicht wieder emissionsfrei bekommen. Licht und Staub aus der Grube und der umgebenden Industrie, Dampfwolken aus den Kohlekraftwerken werden auch weiterhin den Himmel über Jüchen bei Tag und bei Nacht belasten. Einzig bei den Straßenlaternen lässt sich etwas machen: Die sollen bei der sukzessiven Umstellung auf LED-Leuchten nicht mehr quasi den Himmel mit ausleuchten, sondern nur noch gezielt die Fahrbahn beziehungsweise den Gehweg erhellen: Das sicherte Ulrich Hartmann vom Amt für öffentliche Infrastruktur zu.

Fehrenbacher erläuterte im Gespräch mit unserer Redaktion die komplexen Auswirkungen von Lichtverschmutzung auch in der Gemeinde Jüchen: "Über den Tag-Nacht-Abgleich ist bei fast allen Tieren und Pflanzen die Fortpflanzung und oft auch die Tagesaktivität geregelt. Durch zu lange Beleuchtungen in der Nacht wird eine andere Jahreszeit vorgegaukelt", erläutert sie. Die Brutphase werde zu früh begonnen, was Nahrungsknappheit nach sich ziehe. Oder sie werde zu lange fortgesetzt, bis in den Kälteeinbruch hinein. "Pflanzen treiben und blühen zu früh, sie erfrieren, und es gibt keine Bestäubung, da Bienen eine Mindesttemperatur brauchen. Die Aktivitätsphase wird verlängert, es fehlen dadurch die lebensnotwendigen Ruhephasen."

Insekten halten die künstlichen Lichtquellen für den Mond: Sie fliegen Endlosschleifen, riskieren Verbrennungen an der Lichtquelle. Und sie seien im Lichtkegel eine leichte Beute für Fledermäuse. Bei den Zugvögeln werde die Orientierung gestört, bei den Fischen habe Lichtemission einen Einfluss auf die Laichwanderung und Fortpflanzung. "Nachtaktive Tiere haben keinen Schutz der Dunkelheit, beginnen die Aktivität später, weil sie auf die Dunkelheit warten. Dadurch verkürzt sich die Zeit der Nahrungsaufnahme. Tagaktive Tiere sind länger aktiv, es fehlt die ausreichende Ruhephase", erläutert sie und fügt hinzu: Lichtemissionen hätten auch Einfluss auf die Melatoninausschüttung beim Menschen, was Schlafstörungen bis zur Depressionen verursachen könne.

Quelle: NGZ
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