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Stadt Kempen
Keine Sternstunde im St. Huberter Forum

Stadt Kempen: Keine Sternstunde im St. Huberter Forum
Der belgische Kabarettist Olivier Sanrey gastierte Montag und Dienstag mit seinem Programm "Alles garstig" in St. Hubert. Er lebt in München. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Es war ein netter Kabarettabend mit dem Belgier Olivier Sanrey - mehr aber auch nicht. Von Silvia Ruf-Stanley

Sein Programm "Alles garstig" wird im Saisonheft als mehrfach preisgekrönt angekündigt, gleichzeitig Sanreys Ex-Freundin Sarah mit dem Satz "ganz nett" zitiert. Recht hat sie, die Frau wegen der Olivier Sanrey nach Deutschland kam. In ziemlich genau 90 Minuten plappert er frohgemut auf der Bühne vor sich hin. Aber sein Blick auf Deutschland, auf die verflossene Liebe zu Sarah oder auch sein noch frisches Vater-Dasein erschöpft sich in Belanglosigkeiten, die nur für den Augenblick lustig sind.

Immerhin entdeckt er Gemeinsamkeiten zwischen dem Niederrhein und Belgien. Denn auch in Belgien gibt es einen Ort namens Kempen und auch ein St. Hubert. Er selbst wohne in München, aber in Bayern habe man ja keine Ahnung von Belgien. Klischees zum belgischen Leben wie die Pralinen dürfen nicht fehlen. Die eingepackten würden Burka tragen, lästert er. Und natürlich müssen auch die Pommes für einen Witz herhalten. Die liebt der Belgier mit vielerlei Soßen. Zum Schmunzeln der deutschen Bahnfahrer im Saal lobt Sanrey die ICEs in seinem Gastland. Die wären in Belgien schon allein aufgrund der dreisprachigen Ansagen aller Bahnhöfe langsamer. Und das Land wäre für deren Schnelligkeit zu klein.

Sanrey springt manchmal ohne Übergang von einem Thema zum nächsten. Gerade noch war er bei der Betrachtung der Benutzer des Fitnessstudios oder beim Nordic Walking und dem Yoga. Dann ist er auf einmal bei den Playmobil-Figuren seiner Kindheit. Weil die von der deutschen Oma kamen, wurde er von den Schulfreunden gehänselt. Ab und zu blitzt dann doch einmal ein wenig Schärfe in den Texten von Sanrey durch. Wenn er zum Beispiel Belgien als den Gnadenhof der Politik bezeichnet. Schließlich kann man abgehalfterte Politiker wie einen Edmund Stoiber oder Günter Oettinger dort gut bei der EU unterbringen. Schon fast literarisch gelingt sein Ausflug in die Grimm'sche Märchenwelt als Integrationsmittel. Und richtig gut ist auch seine Beschreibung von Erfahrungen mit Frauen. Da klagt er herzzerreißend "für Frauen bin ich nur ein Akzent". Schade, dass es nicht mehr solche Stücke gibt.

Irgendwann erzählt Sanrey, dass er häufiger als Komiker für Betriebsfeiern gebucht wird. Man möchte fast sagen, er soll dort noch ein bisschen bleiben und üben. Denn in den kleinen Geistesblitzen im Programm merkt man auf einmal, dass er es doch kann: Intelligent witzig sein und dies auch dem Publikum rüber bringen. Nicht alle wollten auf diese Momente warten, nach der Pause blieben einige Plätze leer.

Quelle: RP
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