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Stadt Kempen
Kempener helfen in Südafrika

Stadt Kempen. Inge und Olaf Michels betreut seit vielen Jahren Hilfsprojekte im Township Kleinkrantz. Die Beiden reisen regelmäßig dorthin, um mitzuarbeiten. Sie wollen vor allem die Bildung der Kinder verbessern. Von Silvia Ruf-Stanley

Gerade erst sind Inge und Olaf Michels wieder aus Südafrika zurück. Aber in Gedanken ist das Kempener Ehepaar noch dort. Voller Begeisterung erzählen sie im Gespräch mit der Rheinischen Post von ihren Erlebnissen.

Seit vielen Jahren überwintert das Paar in Südafrika. Mehr oder weniger durch Zufall lernten sie vor rund zehn Jahren die Sozialpädagogin Monika Bertels kennen. Sie plante damals, einen Kindergarten für die Kinder des Townships Kleinkrantz zu gründen. Spontan sagten die Michels ihre Mithilfe zu. Das war der Beginn des Fördervereins "Ein Regenbogen für Afrika". Die Arbeit des Vereins hat inzwischen beachtliche Formen angenommen.

Zum Kindergarten ist die Betreuung von Schulkindern vor und nach dem Unterricht hinzu gekommen. Die Kindergartenkinder sowie die Schulkinder werden jeden Tag mit einem Frühstück und einer gesunden Mahlzeit versorgt. Dazu gehört auch jeden Tag frisches Obst, darauf sind die Michels stolz. Denn in den Familien der Kinder wird wenig auf gute Ernährung geachtet. Teils weil das Geld, teils weil das Wissen um eine gesunde Lebensweise fehlt.

Die südafrikanischen Schulkinder erhalten eine Hausaufgabenbetreuung. Dies sei auch wichtig, weil diese in dem Township kaum angeboten werde, berichten Inge und Olaf Michels. Aber die Kempener sind überzeugt, dass die Kinder nur mit einer guten Bildung eine Chance haben, einmal besser als ihre Eltern leben zu können. In vielen Familien gibt es Probleme mit Alkohol und Drogen, berichten die Michels. Etwas Besonderes haben sie sich so zum Beispiel für Kinder mit einer besonderen Auszeichnung im Zeugnis ausgedacht. Diese "Diploma-Kinder" werden als Ansporn und Belohnung für gute Leistungen in der Schule zu einem Ausflug eingeladen.

Alle Kinder werden zu Beginn des Schuljahres mit den notwendigen Materialien für die Schule ausgestattet. In diesem Jahr waren es 30 Kinder, die vom Stift über Hefte bis zum Schulbuch alles bekamen. Viele Kinder können sich weder die Schuluniform, geschweige denn Schuhe leisten. Auch hier unterstützt der Verein die Familien finanziell.

Ein Fall beschäftigte das Kempener Ehepaar in diesem Jahr besonders. Eine Mutter von zwei Kindern aus der Schulbetreuung wurde er-stochen. Verwandte haben die Kinder nicht. Eine Nachbarin hat dann den kleinen Jungen der Familien aufgenommen. Die 17-jährige Schwester konnte in einem Hostel untergebracht werden. Südafrikanische Freunde des Vereins haben für die nächsten drei Jahre ihr Schulgeld übernommen. Der Verein sorgt dafür, dass sie am Wochenende nach Kleinkrantz kommen kann und ihren Bruder sieht.

Neben der Bildung rückt auch der Sport immer mehr in den Vordergrund der Arbeit in Südafrika. Denn die Kinder haben meist nicht gelernt, ihren Nachmittag nach der Schule oder die freie Zeit am Wochenende sinnvoll zu verbringen. Und nichts ist dann größer als die Gefahr, wie ihre Eltern in Drogen, Alkohol oder Kriminalität abzugleiten, fürchten die Michels. Also gibt es inzwischen eine Fußballmannschaft. In Ermangelung eines Sportplatzes wird am Strand trainiert. Weil die Spieler aber keine vernünftigen Schuhe hatten, hat der Verein auch die organisiert. Es gab eine großzügige Spende eines Unternehmers, der Grefrather Sportverein hatte Trikots für die Kinder übrig. Ganz stolz sind die Fußballer darauf, dass sie schon bei Turnieren in benachbarten Städten gespielt haben.

Ebenfalls gibt es eine Netballmannschaft. Netball ist eine beliebte Sportart in Südafrika. Auch die Spielerinnen der beiden Mannschaften bekamen ihre eigenen Trikots. Ganz neu ist ein Projekt mit Schwimmunterricht. Denn obwohl direkt am Strand, an einem Fluss und einem See gelegen, können die meisten Kinder des Ortes nicht schwimmen.

Es ist gelungen, eine Schwimmtrainerin aus einem Sportclub einer Hotelanlage in George zu finden, die einmal in der Woche zwei Stunden Unterricht gibt. Eine Lottogesellschaft spendete für Badeanzüge, Taucherbrillen und Badekappen. Eine Mitarbeiterin des Kindergartens kümmert sich um das Equipment, wäscht die Badeanzüge und hält alles in Ordnung. Sie verwahrt die Sachen in ihrem Haus. Denn es besteht immer die Gefahr, dass Eltern die Sportsachen der Schüler verkaufen.

Ganz stolz sind auch die Kinder der Marching Band. Olaf Michels gibt zu, mit derartigen Spielmannszügen eigentlich nicht viel anfangen zu können. Aber den Kindern mache die Musik viel Spaß. Sie hätten sogar schon Auftritte in der Nachbarstadt gehabt. Und kamen, passenderweise war gerade Tourismus-Hochsaison, so gut an, dass sie nicht nur Erfolg hatten, sondern auch von den Angestellten der Restaurants gut verpflegt wurden. Sie wurden sogar gebeten, doch wieder einmal aufzutreten.

Olaf Michels hat kräftig mitgearbeitet in Kleinkrantz. Gemeinsam mit Felix Prudlo, einem früheren Berufsschullehrer aus Kempen, hat er eine komplette Toilettenanlage neu gebaut - mit den üblichen Terminschwierigkeiten. Die Uhren gehen halt anders in Südafrika, hat er gelernt. Entstanden ist eine komplette Anlage, getrennt für Jungen und Mädchen. Gerade die Mädchen hatten sich sehr eigene Toiletten gewünscht. Außerdem wurde die Außenanlage neu gestaltet. Vom Kindergarten St. Sebastian aus Lobberich gab es Spielgeräte. Die Kindergartenkinder dort hatten mit einem Spielzeugbasar Geld dafür gesammelt. Und die Kinder in Kleinkrantz haben das Ihre dazu getan, indem sie Tische und Bänke neu angestrichen haben.

Im September geht es erneut nach Südafrika. Mit Sicherheit warten dort neue Aufgaben auf Inge (73) und Olaf (76) Michels. Von wegen Ruhestand - die beiden sind voller Elan, wenn es um ihr Projekt geht.

Quelle: RP
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