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Stadt Kempen
Stadt will Mietwohnungsbau forcieren

Stadt Kempen: Stadt will Mietwohnungsbau forcieren
150 Flüchtlinge leben derzeit in dem ehemaligen Bankgebäude an der Peter-Jakob-Busch-Straße. Auch ihre Unterbringung ist nicht auf Dauer ausgelegt. Sie sollen später in normale Wohnungen umziehen. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. Nicht nur wegen der vielen Flüchtlinge, die langfristig in Kempen bleiben - auch für die vielen anderen Wohnungssuchenden soll ein Konzept erarbeitet werden, mit dem Mietwohnungsbau gefördert werden kann. Von Andreas Reiners

Die Lage ist derzeit nicht so dramatisch, wie es noch vor den Sommerferien schien: Kempen muss nun deutlich weniger Flüchtlinge aufnehmen, um die vom Land vorgegebene Quote zu erfüllen. Dies ist eine gute Nachricht und führt in der Konsequenz dazu, dass die Stadtverwaltung Abschied nehmen kann von ihren ursprünglichen Plänen, auf dem Gelände am Schmeddersweg ein Containerdorf für Flüchtlinge bauen zu lassen. Im Kempener Rathaus setzt man auf ein langfristiges und nachhaltiges Konzept: Das Modell mit den beiden Wohnhäusern, die am Schmeddersweg in den kommenden Monaten gebaut werden sollen, wenn der Stadtrat dafür in der Sondersitzung am kommenden Mittwoch, 7. September, grünes Licht gibt, ist ein erster Schritt in diese Richtung. Bürgermeister Volker Rübo und seinen Kollegen in der Kempener Verwaltungsspitze ist klar, dass die Asyl suchenden Ausländer, die Kempen künftig zugewiesen werden, ein Bleiberecht haben. Das heißt konkret: Sie bleiben länger hier, eine provisorische Unterbringung in Sporthallen - wie vor Monaten in der Halle des Berufskollegs - kommt nicht infrage. Auch die Mobilheime, die der Willicher Anbieter "Mega-Village" zunächst für das Areal am Schmedddersweg liefern sollte, scheiden in einem neuen Konzept aus, weil ihre Nutzungsdauer auf drei bis fünf Jahre begrenzt ist.

Die nun geplanten Wohnhäuser in so genannter Holzrahmenbauweise sollen da schon langlebiger sein. Rübo und Sozialdezernent Michael Klee haben sich Modelle in Siegburg angesehen. Auch die Fachleute in der Kempener Bauverwaltung um den Technischen Beigeordneten Stephan Kahl halten diese Häuser für die bessere Alternative.

Zwei Häuser mit Platz für 96 Personen entstehen zunächst. Sollten im kommenden Jahr weitere Flüchtlinge zugewiesen werden - davon ist eigentlich auszugehen, könnte ein weiterer Doppelblock am Schmeddersweg entstehen. In einem Plan, den das städtische Planungsamt für die Sondersitzungen in der kommenden Woche erarbeitet hat, sind diese beiden weiteren Häuser bereits eingezeichnet.

Um die langfristig nicht optimale Unterbringung in den Übergangsheimen oder in dem ehemaligen Bankgebäude im Gewerbegebiet an der Peter-Jakob-Busch-Straße zu verbessern, muss die Stadt aber den Mietwohnungsbau forcieren. Seit Jahren fordern alle politischen Parteien gebetsmühlenartig, mehr bezahlbaren Wohnraum in Kempen für alle Bürger zu schaffen. Angesichts der andauernden Niedrigzinsphase ist dies ein schwieriges Unterfangen. Private Investoren können nicht gezwungen werden, mit Mitteln aus der öffentlichen Wohnbauförderung Häuser zu bauen und dort preiswerte Mietwohnungen anzubieten.

Die Stadt will daher das Vorhaben nun unter dem Aspekt neu angehen, dass untersucht werden soll, wo überhaupt mehrgeschossiger Mietwohnungsbau im Stadtgebiet möglich ist. Im letzten Bauabschnitt "An der Kreuzkapelle" und im geplanten Neubaugebiet "An der Mühle" in St. Hubert sollen Mehrfamilienhäuser entstehen, am Heyerdrink baut bekanntlich die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) des Kreises Viersen günstige Mietwohnungen.

Ein weiterer Bereich, wo Mehrfamilienhäuser entstehen könnten, ist der Kempener Westen. Seit Langem gibt es Überlegungen, zwischen Straelener Straße, Ziegelheide und Mülhauser Straße ein Neubaugebiet zu entwickeln. Im aktuellen Entwurf des neuen Regionalplans, den die Bezirksregierung erarbeitet hat, hat die Stadtplanung diesen Bereich vorsorglich als potenzielles Baugebiet angemeldet. Die Stadt will dazu alsbald mit Vorplanungen beginnen. Wie Bürgermeister Rübo erklärte, soll das Thema demnächst im zuständigen Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz erörtert werden. Die Stadt möchte ein externes Ingenieurbüro mit einem Konzept für ein Baugebiet "Kempen-West" beauftragen. Das Büro soll alle Optionen prüfen. Das Konzept könnte möglicherweise im kommenden Jahr vorliegen und dann weiter diskutiert werden. Dabei will die Stadt auch die Bürger frühzeitig informieren und einbinden. Im Rathaus setzt man auf Transparenz. Man ist sich allerdings auch bewusst, dass die Planung nicht nur auf Beifall aus der Bürgerschaft stoßen wird.

Quelle: RP
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