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Kreis Kleve
Niederlande sind wichtigster Partner

Kreis Kleve. Für die Kreis Klever Wirtschaft sind die Niederlande wichtiger Handelspartner – so wie für das ganze Land. Aber auch der Handel in den Citys in Grenznähe profitiert. Dr. Barbara Hendricks (SPD) warnt jedoch vor zu großem Optimismus. Von Matthias Grass

Die Niederlande sind weiterhin das wichtigste Abnehmerland der NRW-Wirtschaft, auch wenn die Exporte in das Nachbarland geringfügig im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen. Das berichtet Information und Technik Nordrhein-Westfalen als statistisches Landesamt anhand vorläufiger Ergebnisse. Auf den weiteren Plätzen folgen Frankreich mit 8,5 Milliarden Euro und das Vereinigte Königreich mit 5,6 Milliarden Euro. In die Niederlande hingegen wurden Waren im Wert von knapp zehn Milliarden Euro geliefert.

Auch der Kreis Kleve hat in den vergangenen Jahren klare Zugewinne durch den Europäischen Binnenmarkt verbucht. "Das ist erkennbar in der Bevölkerungsentwicklung, in der Zahl der Arbeitsplätze, in der Anzahl und Struktur der im Handelsregister eingetragenen Unternehmen, in der Vielzahl der Dienstleistungsbranchen", listet Hans-Josef Kuypers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve (WfG) auf. Der Kreis Klever Wirtschaftsförderer ist vor allem auch stolz auf die gut entwickelte Exportquote. Die stieg im Kreis Kleve von 26,4 Prozent 1988 auf heute 47,7 Prozent. "Das beweist, dass die Firmenchefs der Region die Herausforderungen des grenzüberschreitenden Wirtschaftens gemeistert haben", lobt Kuypers die Wirtschaft.

Das spiegele sich auch in der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze wider. Die Zahl stieg seit den 1990er Jahren um 13 689 oder knapp 20 Prozent auf jetzt 82 520 an. Den stärksten Beschäftigungsgewinn gab's im Kreis beim Groß- und Einzelhandel mit über 4000 zusätzlichen Arbeitsplätzen von 10 319 auf 14 719. In der Landwirtschaft kamen 1 555 hinzu, im Maschinenbau 732, in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie 542 und in der Logistik 400. Der Kreis Kleve ist nicht nur wirtschaftlich eng mit den Niederlanden verwoben: Rund 16 000 Niederländer wohnen hier, das ist ein Viertel aller in NRW lebenden Niederländer, sagt Kuypers. Knapp 370 der im Handelsregister eingetragenen Unternehmen seien niederländischer Herkunft, das seien 60 Prozent aller internationaler Handelsregister-Unternehmen im Kreis Kleve.

Der Kreis Klever Wirtschaftsförderer hebt dabei vor allem die Firmenchroniken von Katjes und die Joint Ventures wie das von Landgard und Flora Holland hervor. Er spricht von regionalen Vorzeigeprojekten wie das Wunderland Kalkar und dem Airport Weeze. Gerade die letzten beiden wären ohne das Engagement niederländischer Unternehmen kaum denkbar. Dass Kleve einen Honorarkonsul beherbergt, hat Tradition. Aber darüber hinaus hat sich gerade in der Kreisstadt mit dem Landgerichtssitz eine Dienstleistungsstruktur aus Anwälten, Steuerberatern und Medienberatern entwickelt, die niederländische Firmen optimal auf den deutschen Markt vorbereitet, erklärt der Kreis-Wirtschaftsförderer. Sein Fazit: "Im Kreis Kleve stimmt das Gesamtpaket für niederländische Investoren".

Doch nicht nur das: Vor allem der Handel entlang der Grenze profitiert von den Nachbarn, die gern in die deutschen Städte kommen. "Die Kaufmannschaft von Straelen bis Kleve kann sich den Handel ohne niederländische Kundschaft nicht mehr vorstellen. Kevelaer spricht sogar davon, dass jeder sechste Gast Niederländer ist", sagt Kuypers. Dies erkläre auch die Einzelhandelszentralitäten von bis zu 156 wie im Fall Kleve, die ja bedeute, dass in Kleve 56 Prozent mehr im Einzelhandel umgesetzt wird, als eigene Kaufkraft vorhanden ist.

Doch zur Kaufkraft der Einkaufsgäste warnt Dr. Barbara Hendricks (SPD) vor allzu großem Optimismus – auch, was Planungen wie das neue Geschäftshaus in Kleve auf dem Minoritenplatz anbetrifft. Sie sei sehr unsicher, ob Kleve und andere Städte deshalb zusätzliche Einzelhandelsflächen verkraften können. "Man muss auch sehen, dass in den Niederlanden jedes dritte Bijenkorf-Kaufhaus geschlossen wurde", warnt sie. Zudem werde derzeit gerade bei den öffentlichen Pensionen im Nachbarland gekürzt. Bei den Menschen also, die gerne zu einem Einkauf mit Kaffee in die Städte diesseits der Grenze fahren.

Quelle: RP
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