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Krefeld
Edelstahlwerke: Chef geht nach nur einem Jahr

Krefeld. Das Unternehmen Deutsche Edelstahlwerke stellt einen Antrag auf Tarifabweichung. Die Gewerkschaft fordert die komplette Offenlegung der Zahlen und Pläne. 20 Leiharbeiter mussten bereits gehen. Von Norbert Stirken

Die Deutschen Edelstahlwerke (DEW), die in Krefeld rund 650 Mitarbeiter beschäftigen, haben einen Antrag auf Tarifabweichung gestellt. Die Auftragslage ist bescheiden, das vergangene Geschäftsjahr mit einem Defizit von rund 30 Millionen Euro abgeschlossen worden. Über den Kurs der Zukunft herrscht offenbar Uneinigkeit. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Oliver Bell, hat nach nur einem Jahr im Amt die Segel gestrichen. In der gestrigen Betriebsversammlung hoffte die Belegschaft, etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren.

Offiziell heißt es, Bell habe auf eigenen Wunsch die DEW verlassen. Er war seit April 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung und verantwortete zudem das Ressort Vertrieb. Der Hintergrund für seine Entscheidung liege in den unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung der Deutschen Edelstahlwerke mit Standorten in Krefeld, Witten, Siegen, Hagen und Hattingen. Seit Monatsbeginn werden die DEW interimsweise von den Geschäftsführern Jürgen Alex (Ressort Technik) und Mathias Rist (Ressort Controlling) geleitet. "Wir danken Herrn Bell ausdrücklich für die geleistete Arbeit und seinen hohen Einsatz bei der Weiterentwicklung der Deutschen Edelstahlwerke und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute", sagte Clemens Iller, Chef von Schmolz + Bickenbach, die seit 2007 Eigentümer der DEW sind. Über die Nachfolge für den Vorsitz der Geschäftsführung werde zum gegebenen Zeitpunkt informiert, erklärte Unternehmenssprecherin Melanie Biskup.

Bell habe nach seinem Amtsantritt "viel Zuversicht verbreitet", erklärte Ralf Claessen von der IG Metall auf Anfrage unserer Redaktion. Über die Gründe seines Ausscheidens könne nur spekuliert werden. Die im schweizerischen Emmenbrücke ansässige Schmolz + Bickenbach AG habe eine Unternehmensberatung beauftragt, die Deutschen Edelstahlwerke unter die Lupe zu nehmen. "Bislang sind nicht alle Ergebnisse den Betriebsräten und der Gewerkschaft zugänglich gemacht worden", sagt Claessen. Für die IG Metall erklärte er, man wolle sich zunächst die Zahlen anschauen. "Wir befinden uns noch in der Informationsphase", betonte er. Bis über den Antrag auf Tarifabweichung entschieden werde, dauere es noch einige Zeit.

Betriebsrat Konstantinos Pinidis verweist darauf, dass das bereits beschlossene Reorganisationsprogramm dazu geführt habe, dass rund 20 Leiharbeiter ihren Arbeitsplatz aufgeben mussten. Derzeit seien noch 20 bis 25 Leiharbeiter beschäftigt. Deren Zukunft sei bei schlechter Auftragslage ungewiss.

Die Konkurrenz aus Asien dränge selbst bei modernsten Spezialedelstählen für die Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizin- und Energietechnik immer stärker mit günstigen Preisen auf den Markt. Dass die Qualität vielleicht doch nicht so gut sei, stellten die Kunden womöglich erst nach zehn Jahren fest.

Quelle: RP
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