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Krefeld
Krefelder kaufen mehr Eier aus der Region

Krefeld: Krefelder kaufen mehr Eier aus der Region
Gestern auf dem Wochenmarkt am Westwall: Händler Willi Terporten verkauft derzeit deutlich mehr Eier aus der Region. FOTO: MH
Krefeld. "Wir spüren deutlich die Verunsicherung der Verbraucher durch den Fipronil-Skandal", sagt Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld. Ob die belasteten Hühner getötet werden müssen, ist noch offen. Von Martin Heuchel und Joachim Niessen

Krefelds Verbraucher schauen beim Eierkauf derzeit genau hin. "Der Blick auf den Stempel ist wichtig, aber auch die Nachfrage an der Theke oder beim Verkäufer auf dem Markt sorgt für Klarheit", sagt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale. "Bislang sind keine Betriebe in NRW betroffen", so die Ernährungsexpertin. Mögliche belastete Produkte müssen in jedem Fall vernichtet werden. Kunzel: "Die Eier zu kochen oder zu braten ändert daran nichts."

Das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil war zuerst in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Auch in einigen deutschen Legehennen-Betrieben wurde Fipronil festgestellt. Zehn Millionen mit diesem Insektizid belastete Eier sollen nach Deutschland und vorwiegend NRW geliefert worden sein. "Wir spüren die Verunsicherung der Verbraucher", so Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld. "Man muss man schon sagen, dass die Kunden verstärkt fragen, ob die Eier auch wirklich in Ordnung sind."

Die Suche nach unbelasteten Eiern führt viele Kunden nun zu den Bauern vor Ort. "Der Regionalverkauf ist für uns in den vergangenen Tagen deutlich besser geworden", erklärt Willi Terporten, der Kartoffeln und Eier auf dem Markt am Westwall anbietet. "Wir verkaufen hier nur deutsche Eier. Die Hälfte der Kunden fragt nach, woher die Eier kommen." Das bestätigt weniger Meter weiter auch Händler Christian Bähr: "Die Kunden haben mehr Vertrauen in uns, weil wir die Eier direkt vom Hersteller erhalten. Die Menschen vertrauen den Supermärkten nicht mehr wirklich, sie kommen bewusst zum Markt und fragen vielmehr nach. Wir haben zusätzlich ein Begleitschreiben unseres Händlers, dass die Eier wirklich einwandfrei sind. Eine Konsequenz ist, dass wir im Moment mehr verkaufen." Auf dem Markt am Westwall kauft auch Grundschulbetreuerin Sabine Block: "Meine Sorge ist, dass ich überhaupt Eier bekomme, um meinen Kuchen zu backen." Noch deutlicher wird Kundin Ingrid Gehrmann: "Ich habe vorher noch nie Eier auf dem Markt gekauft. Wegen des Skandals bin ich heute zum ersten Mal hier."

Die nordrhein-westfälischen Behörden haben inzwischen die Untersuchung von Eiern bezüglich einer Belastung mit dem Insektengift Fipronil verstärkt. Seit Montag fahndet auch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld danach. Zuvor fanden diese Analysen nur im entsprechenden Amt in Münster statt. Aus nordrhein-westfälischer Produktion seien bislang keine belasteten Eier gefunden worden, bestätigt gestern ein Sprecher des Umweltministeriums Der Leiter des Krefelder Amts, Detlef Horn, ergänzt, dass dort pro Tag etwa 40 Eier untersucht werden können. Bis Ergebnisse vorliegen, werde es zwei bis drei Tage dauern.

Derweil fordert der Deutsche Bauernverband Schadensersatz für betroffene Hühnerbetriebe. "Bei dem Fipronil-Einsatz handelt es sich um ein klares Fehlverhalten eines Dienstleisters, der dieses Insektizid illegal einem legalen Desinfektionsmittel untergemischt hat", sagt Küskens. Fipronil ist ein Insektizid zur Bekämpfung von unter anderem Flöhen, Läusen und Zecken. Tieren, die Lebensmittel liefern, darf es jedoch nicht verabreicht werden. Nachdem Eier entdeckt wurden, die mit bis zu 1,2 Milligramm des Insektizids pro Kilogramm belastet waren, hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Warnung herausgegeben. Demnach könnten Kinder beim Verzehr von belasteten Eiern eine Dosis Fipronil zu sich nehmen, die über dem empfohlenen Grenzwert liegt.

Ob belastete Hühner, die die giftige Substanz aufgenommen haben, getötet werden müssen, ist derzeit offen. "In Deutschland ist das noch nicht geregelt", so Verbraucherschützerin Christiane Kunzel. Es müsse noch geklärt werden, ob das Insektizid - innerhalb von vier bis sechs Wochen - abgebaut werde. Dann gäbe es keinen Grund, die Hühner zu töten.

Quelle: RP
 
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