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Krefeld
Krefelder zählen die Wintervögel

Krefeld. Heute schlägt die "Stunde der Wintervögel". Menschen sollen Vögel in Gärten und Parks zählen. Schon jetzt steht fest: Viele Arten sind rar geworden. Von Emily Senf und Joachim Niessen

Eine Stunde Zeit für den Natur- und Tierschutz - die sollte man an einem Wochenende im Jahr auf jeden Fall übrig haben. Bis zum kommenden Montag, 8. Januar, ruft der Deutsche Naturschutzbund (Nabu) zum siebten Mal in Folge die "Stunde der Wintervögel" aus.

Ziel dieser Aktion ist es, so viel wie möglich über unsere gefiederten Gartenbewohner herauszufinden: Wo kommen sie vor? Wo sind sie häufiger und wo seltener geworden? Im vergangenen Jahr haben mehr als 120.000 Vogelfreunde aus ganz Deutschland an der Aktion teilgenommen. Es gingen Meldungen aus 82.000 Gärten und Parks und von fast drei Millionen gezählten Vögeln ein.

Aus Krefeld waren 248 Beobachter dabei. Sie zählten in 171 Gärten 4507 Vögel. Ein Jahr zuvor waren es in 120 Gärten 4092 gewesen.

Für 2018 wünscht sich der Nabu noch mehr engagierte Beobachter. Denn je mehr Personen sich an der Zählung beteiligen, desto wertvoller werden auch die Ergebnisse. Mit Blick auf 2017 machen sich die Tier- und Umweltschützer in Krefeld so ihre Gedanken. So wenige Vögel wie im vergangenen Jahr wurden von den Experten in der Seidenstadt schon lange nicht mehr erfasst. Bei der Mitmachaktion beobachteten sie rund 17 Prozent weniger Tiere als in den Jahren zuvor.

"Grundsätzlich bedeuten milde Winter, dass weniger Vögel in den Gärten zu sehen sind. Ohne Frost und Schnee können die bei uns überwinternden Vögel auch in Wald und Flur gut Nahrung finden", sagt der Nabu-Vogelschutzexperte Marius Adrion. "Erst wenn der Boden zugeschneit und die Zweige mit Eis überzogen sind, werden die wärmeren Städte und die Fütterungen in den Gärten zu einem Magnet für Vögel."

Ist es nicht nur bei uns, sondern auch im Osten und Norden Europas so mild, bleibt meist auch der Zuzug von Wintergästen aus diesen Regionen aus. "Besonders extrem war das Phänomen im vergangenen Winter zu beobachten. Damals wurden gegenüber dem langjährigen Durchschnitt 17 Prozent weniger Vögel bei der Stunde der Wintervögel gezählt", sagt Adrion. "Die diesjährige Wintervogelzählung wird zeigen, ob das Vorjahr nur ein extremer Ausreißer war oder ob sich ein Trend zu schwindenden Wintervogelzahlen in unseren Gärten abzeichnet."

Die Wintervogelzählung funktioniert ganz einfach: Experten raten, Meisenknödel oder gutes Mischfutter auf dem Balkon oder im Garten auszulegen und sich einen Platz in der Nähe zu suchen. "Am besten am Fenster, dann ist man nah an den Vögeln dran und benötigt auch kein Fernglas." Allerdings: "Geduld braucht man in der Natur immer." Dann notieren die Beobachter, wie viele Vögel einer Art sie innerhalb einer Stunde entdecken. Ihre Ergebnisse können sie bis zum 15. Januar im Internet melden (www.stundederwintervoegel.de). Zudem ist für telefonische Meldungen am 6. und 7. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800 1157115 geschaltet.

Übrigens: Bei der großen Vogelzählung vor einem Jahr ergatterte der Haussperling den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel, die Amsel lag erstmals auf Platz zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Kohlemeise, Feldsperling und Blaumeise.

Dieses Jahr dürfte die Sache nach Prognosen der Organisation anders aussehen. Buchen und andere Waldbäume trügen nur mäßig Früchte. Deshalb seien schon seit Oktober vergleichsweise viele Waldvögel auf Nahrungssuche in der Nähe menschlicher Siedlungen zu sehen.

Es sei daher zu vermuten, dass Arten wie Kleiber, Buchfink, Eichelhäher, Hauben- und Tannenmeise in diesem Jahr Mal erheblich öfter an die Futterstellen kommen, hieß es hierzu.

Quelle: RP
 
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