| 00.00 Uhr

Leichlingen
Wenn Familien Flüchtlinge aufnehmen...

Leichlingen. Mindestens 800000, eher noch viel mehr Asylbewerber erwartet die Bundesregierung im laufenden Jahr in Deutschland. Die Unterbringung stellt die Kommunen vor extreme Herausforderungen. Gefragt sind deshalb zunehmend auch private Vermieter: Von ihnen und von Wohnungsgesellschaften hat die Stadtverwaltung bereits zehn Wohnungen und drei Häuser angemietet. Von Ina Bodenröder

Zudem haben sich sechs Leichlinger gemeldet, die Flüchtlinge in ihren Privatzimmern aufnehmen wollen. "Dennoch reicht das Angebot nicht aus, wir suchen händeringend nach weiterem Wohnraum", sagt Stadtsprecherin Ute Gerhards.

Willi und Christine Gläser gehören zu denjenigen, die sich entschieden haben, ein Zwei-Zimmer-Appartement an einen Asylbewerber zu vermieten: Seit 1. September wohnt der 33-jährige Syrer Alaa Moaazzen in ihrem Haus. Auf ihn seien sie durch Leichlingerin Dr. Ursula Wallbaum aufmerksam geworden, die den jungen Mann im Deutschunterricht zuvor als ausgesprochen wissbegierig kennengelernt hatte. "Wir haben uns dann getroffen und der Stadt danach gemeldet, dass wir für ihn unsere Wohnung zur Verfügung stellen wollen", erinnert sich Christine Gläser.

Jeder hat seine eigenen vier Wände, dennoch stehen die Drei in engem Kontakt und essen gelegentlich zusammen. "Nur Wohnraum anbieten ohne persönlichen Kontakt halten wir für nicht so gut", sagen die Eheleute.

Bewusst haben sie ihn auch in die Gepflogenheiten der Hausgemeinschaft eingeführt, einschließlich Treppenputzdienst und Sonntagsruhe. Ihre Motivation, sich in dieser Form für Flüchtlinge einzubringen, beziehen Gläsers vor allem aus ihrem christlichen Glauben.

Auch Doris Weiske und ihr Mann Bojan Kirbisch würden gerne eine Wohnung in ihrem Haus im Dorffeld an eine Flüchtlingsfamilie vermieten, die Stadt hat sie sogar schon geprüft und für geeignet befunden. Doch hier liegt der Fall anders. "Die Wohnung gehört zwar uns, das Haus aber einer Eigentümergemeinschaft. Wir haben die Zustimmung der anderen Partei nicht bekommen", sagen die beiden. Diese Entscheidung stehe jedem frei, dennoch sei es schade, dass sie bis heute keine Gründe für die Ablehnung erfahren hätten.

Wer Flüchtlinge aufnehmen möchte, kann sich im Sozialamt an Ulrich Conrads und Irene Bott wenden. Die Stadtverwaltung prüft dann, ob der Wohnraum geeignet ist. Kriterien sind unter anderem die räumliche Zusammensetzung und der Bauzustand insbesondere der Elektroinstallationen, Heizung und Sanitär.

Je nach Fall und Instandsetzungsbedarf können die Asylbewerber normalerweise schon nach ein bis drei Wochen einziehen. Die privaten Vermieter müssen ihren Wohnraum übrigens nicht kostenlos hergeben: Die Miete übernimmt das Sozialamt oder das Jobcenter.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.