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Meerbusch
Rätsel um Hanf-Pflanzen in freier Natur

Meerbusch: Rätsel um Hanf-Pflanzen in freier Natur
Foto einer Hanfpflanze (rechts), die in Meerbusch im Bereich des Modellflughafens gefunden wurde. Die Polizei will die aktuellen Funde wieder vernichten. FOTO: TN
Meerbusch. Vielerorts wächst in Meerbusch Hanf an Feldern. Aus der Cannabispflanze kann Drogenstoff gewonnen werden. Pflanzt hier ein Meerbuscher für den privaten Konsum in der Wildnis an? Die Polizei verfolgt den Guerilla-Anbau von Hanf. Von Sebastian Peters

In Meerbusch breitet sich die Hanfpflanze aus. Spaziergänger haben sie im Bereich des Modellflughafens am Rhein gesichtet, selbst in der Nähe zur Polizeihundestaffel am Eisenbrand wächst die Pflanze in größerer Zahl. Hanf (Cannabis) kann zur Herstellung von Drogen verwendet werden - deshalb ist der private Anbau verboten. Umgeht hier jetzt ein Meerbuscher das Verbot, indem er Hanfsamen in einer Guerilla-Aktion überall in der Stadt verteilt und dann für den privaten Konsum erntet? Als "Outdoor Growing" wird der Guerilla-Anbau von Hanf in der Szene empfohlen.

Die getrockneten harzhaltigen Blütentrauben und blütennahen Blätter der weiblichen Hanfpflanze können als Droge konsumiert werden. Das extrahierte Harz kann zu Haschisch weiterverarbeitet werden. Ursprünglich war Hanf in Zentralasien beheimatet und an dortige klimatische Bedingungen angepasst. Der Naturschutzbund (Nabu) ist deshalb erstaunt über das größere Vorkommen von Hanf in Meerbusch. "Es kann natürlich schon einmal sein, dass ein einzelner Samen durch einen fliegenden Vogel verteilt wird und dann keimt. Hanfsamen kommen schließlich im Vogelfutter vor", sagt Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes Nordrhein-Westfalen. "Wenn ein Samen dann keimt, wächst daraus aber nur eine Pflanze." Hanf sei eine einjährige Pflanze, eine Ausbreitung sei eher ungewöhnlich.

Eine Variante, in der der eine oder andere die Pflanze aussäht und dann für den privaten Konsum nutzt, hält Birgit Königs für denkbar. Mögliche Standorte, wo sich Hanf vermehrt, seien Bahndämme, Brachen und Böschungen, überall wo ein gewisser Schutz besteht.

Juristisch handelt es sich beim wilden Anpflanzen um eine Straftat. "Man darf Hanf nicht für den privaten Gebrauch anbauen, auch nicht in der Natur", sagt Diane Drawe, Sprecherin der Polizei im Rhein-Kreis Neuss. Wenn die Polizei Meldung von wild wachsenden Pflanzen erhält, rückt sie aus - so ist dies auch im Rhein-Kreis Neuss schon mehrfach geschehen. So werde die Rhein-Kreis-Polizei dies auch im Fall der aktuellen Funde wieder tun. Der Besitz der Pflanze ist generell strafbar. Die Polizei macht zunächst in jedem Fall eine Meldung an die Staatsanwaltschaft. Die ermittelt dann, ob die aufgefundene Menge so groß ist, dass die Grenzen des Eigenverbrauchs überschritten werden.

Joris Mocka, Vorsitzender der Meerbuscher Grünen, spricht sich für eine Legalisierung der Hanfpflanze aus. "Ich bin selbst kein Konsument, aber ich halte ein Verbot für falsch." Zusammen mit fünf anderen Meerbuscher Vertretern hat er am vergangenen Wochenende in Düsseldorf am "Global Marijuana March" teilgenommen und für eine Legalisierung protestiert. "Natürlich haben dort Konsumenten von Cannabis teilgenommen, aber auch schwer Kranke und Rollstuhlfahrer, die die Pflanze als Medizin einsetzen."

Quelle: RP
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