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Mönchengladbach
Kroatien protestiert gegen Karnevals-Flyer

Das ist der Karnevals-Knigge für Flüchtlinge
Das ist der Karnevals-Knigge für Flüchtlinge FOTO: Caritas/Zimmermann
Mönchengladbach. Das Flugblatt des MKV hat den Botschafter der Balkan-Republik in Deutschland auf den Plan gerufen. Der Diplomat will, dass der auch auf Kroatisch übersetzte Karnevals-Knigge nicht mehr verteilt wird, weil Kroaten keine Flüchtlinge seien. Von Andreas Gruhn

Die Initiative der Gladbacher Karnevalisten ist eigentlich gut gemeint, doch sie sorgt in der kroatischen Botschaft in Berlin für Ärger. Weil das Flugblatt des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes (MKV) auch auf Kroatisch verfasst ist, hat der Botschafter der Republik Kroatien in Deutschland, Ranko Vilovic, den MKV darum gebeten, den Flyer nicht weiter zu verteilen. Kroaten seien in Deutschland bereits seit den 50er Jahren präsent und gelten seit Jahrzehnten als gut integriert. Kroaten könne man deshalb nicht als Flüchtlinge betrachten. Der MKV lehnt einen Verteilungsstopp ab und setzte die am Montag begonnene Aktion in den Gladbacher Flüchtlingsunterkünften auch gestern fort. Die Broschüre wird in einer Auflage von 3000 Exemplaren verteilt. Am Montag erst war das Gladbacher Prinzenpaar in den Einrichtungen an der Carl-Diem-Straße und am Fleener Weg unter großem Medieninteresse unterwegs, um den jecken Wegweiser mit Terminkalender zu verteilen.

Botschafter Vilovic schickte seinen Protestbrief Ende vergangener Woche an OB Hans Wilhelm Reiners und die städtische Pressestelle. Die Stadt leitete es an Bernd Gothe weiter. Der ranghohe Diplomat schreibt darin, er sei "überrascht" gewesen, das der Anweisungstext auch in kroatischer Sprache gedruckt wurde. "Das hat uns schon ein wenig gewundert. Wir sehen uns nicht als Flüchtlinge", sagte Ante Cicvaric, Gesandter des kroatischen Botschafters, unserer Redaktion, und stellte klar: "Unser Schreiben ist eine Bitte, eine Empfehlung, kein Muss." Civcaric betont, Karneval habe auch in Kroatien eine lange Tradition seit dem Mittelalter. Das schreibt auch der Botschafter selbst, wünscht noch viel Erfolg bei der Organisation des diesjährigen Karnevals und steht "weiterhin für eine gute Zusammenarbeit zur Verfügung".

Neues Sicherheitskonzept für Karneval

Bei dem Flugblatt handelt es sich um das Einladungsschreiben des MKV, das in sieben Sprachen verfasst ist. Außer Kroatisch sind die wichtigsten Termine auf Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Arabisch verzeichnet. Der Broschüre liegen außerdem die von der Stadt formulierten Verhaltensregeln auf Deutsch, Englisch, Französisch und Türkisch bei. Im MKV-Text heißt es etwa: "Sie wurden aus Ihrer Heimat vertrieben durch Not, Krieg und Elend. Viele von Ihnen haben Schlimmes erlebt und müssen sich auf neue Situationen und Lebensumstände einstellen." Dr. Atos Juraga, Rheydter Zahnarzt kroatischer Herkunft, kann sich mit solchen Zeilen nicht identifizieren: "Es ist nicht gerecht und entspricht nicht der Wahrheit. Es gibt keinen Flüchtling aus Kroatien. Kroaten sind sehr fleißig als Arbeiter und Geschäftsleute." In Mönchengladbach leben nach Angaben der Stadt derzeit genau 503 Bürger mit kroatischer Staatsangehörigkeit. Aus Serbien kommen 897 Gladbacher Einwohner.

MKV-Chef Bernd Gothe hat dem Botschafter bereits ein Antwortschreiben geschickt und darin erklärt, warum die Ansprache auch auf Kroatisch übersetzt wurde. "Es mag vollkommen richtig sein, dass es keine Flüchtlinge aus Kroatien gibt. Aber das Flugblatt ist auch auf Türkisch übersetzt, und wir haben keine Flüchtlinge aus der Türkei. Wir haben einfach die Sprache übernommen, weil wir den Balkan im Flugblatt erwähnt haben wollten. Und Kroatisch ist eine Sprache, die von vielen Menschen vom Balkan gesprochen und verstanden wird." Deshalb lehnte er ab, die Broschüre nicht weiter zu verteilen. "Wenn der Botschafter das will, muss er eine einstweilige Verfügung erwirken." Stadtsprecher Wolfgang Speen sagte, die Broschüre sei überbewertet worden. "Wir wollen ja einladen, teilzunehmen und geben einen Wegweiser." Man müsse die Kirche im Dorf lassen. Und den Karneval im Rheinland.

Quelle: RP
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