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Serie Denkanstoß
Nur ein winziger Schritt

Serie Denkanstoß: Nur ein winziger Schritt
Der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, und Reinhard Kardinal Marx feierten gemeinsame Gottesdienste. FOTO: dpa
Mönchengladbach. Der Seelsorger von St. Benedikt hofft, dass der Reformationstag ein zweiter Tag der Einheit wird. Von Albert Damblon

Der Monat Oktober beginnt mit dem Tag der deutschen Einheit und endet mit dem Reformationsfest, kein Tag der Einheit. Vor 500 Jahren veröffentlichte am 31. Oktober Martin Luther seine Thesen. Die Kirche spaltete sich, und bis heute erfahren wir leidvoll die Spaltung. Inzwischen haben viele Christinnen und Christen gemerkt, dass es Zeit wäre, die beiden Kirchen wieder zusammenzuführen. In allen Veranstaltungen zum Gedenkjahr wurde darauf hingewiesen, Jesus Christus habe eine Kirche gewollt. Noch vor einhundert Jahren verteufelten sich die Kirchenleitungen. Dagegen fuhr Papst Franziskus im vorigen Jahr ins schwedische Lund, um mit Verantwortlichen des Lutherischen Weltbundes zu sprechen. Kardinal Marx, der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, und der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Bischof Bedford-Strohm, feierten gemeinsam beeindruckende Gottesdienste. Präses Rekowski und Bischof Dieser schrieben einen gemeinsamen Brief an die Gemeinden. Überall hörte und las ich freundliche Worte. Es wurde in dem Jahr viel Positives übereinander gesagt. Mir tat es gut, wie behutsam die Kirchen miteinander umgingen. Pamphlet und Schmährede gehören endgültig der Vergangenheit an.

Aber eins enttäuscht mich. Da hätte ich mehr erwartet. Trotz der vielen schönen Worte haben sich die Kirchenleitungen zu keinem einzigen Schritt in Richtung Einheit durchgerungen. 1999 einigten sich die Kirchen über die zentrale Frage Martin Luthers nach der Gnade. 2007 erkannten sie gegenseitig die Taufe an. Und 2017? Vortreffliches ist gesagt worden, nichts ist passiert. Es stimmt mich traurig, dass die Gemeinden Mönchengladbachs in ihrer Sehnsucht nach Verwirklichung der Einheit allein gelassen werden. Die Mauer ist gefallen, die Altarschranken stehen noch. Wäre bei so vielen gelungenen Worten 2017 nicht mehr möglich gewesen? Nur ein winziger Schritt hin zu einem zweiten Tag der Einheit am 31. Oktober?!

Quelle: RP
 
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