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Nettetal
"Jeder Mensch hat einen Namen"

Nettetal: "Jeder Mensch hat einen Namen"
Rund 100 Interessierte nahmen an der Verlegung der Stolpersteine in der Fußgängerzone in Kaldenkirchen teil. Es wurden jeweils 10 x 10 Zentimeter große Gedenktafeln aus Messing in den öffentlichen Gehweg eingelassen. FOTO: Franz-heinrich Busch
Nettetal. Stolpersteine erinnern an zehn Kaldenkirchener Bürger und ihr Schicksal in der Zeit des Nationalsozialismus. Von Inge von den Bruck

Unter dem Motto "Lechol isch jesch schem", "jeder Mensch hat einen Namen", stand jetzt die Verlegung der Stolpersteine, mit denen an zehn Kaldenkirchener Bürgerinnen und Bürger erinnert wurde. Sie waren aufgrund ihres jüdischen Glaubens in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer von Verfolgung geworden, wurden damals aus ihrer Heimat deportiert, in Lagern ermordet oder zur Flucht gedrängt, um diesem Schicksal zu entkommen.

Initiator des Projektes Stolpersteine ist der Kölner Künstler Gunter Demnig. Er will mit den Stolpersteinen an die Opfer der Nationalsozialisten erinnern. Vor ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz (Kehrstraße 52, heute Mode Schouren, Kehrstraße 49, heute Commerzbank und Steylerstraße 52, neben der Einfahrt Haus Nr. 33) wurde jetzt jeweils eine 10 x 10 Zentimeter große Gedenktafel aus Messing in den öffentlichen Gehweg eingelassen.

Arbeitskreise der Gesamtschule Nettetal beschäftigen sich seit langer Zeit intensiv mit dem Gedenken an das jüdische Leben in Nettetal. Franziska Findeisen (15 Jahre) und Katerin Charalambakis (16) ist es wie ihren Mitschülern ein Anliegen, bewusstzumachen, dass Menschen aus ihrem eigenen Wohnviertel ermordet wurden. Bereits im Februar 2012 und im Juli 2013 wurden durch die Gesamtschule bereits 15 Stolpersteine in Kaldenkirchen verlegt. Die zehn weiteren Stolpersteine erinnern an Emmy Bonn, Walter Bonn, Hans Günter Bonn, Ernst Grunewald, Johanna Grunewald, Günther Grunewald, Hans Grunewald, Jakob Keizer, Regina Keizer und Rosetta Keizer.

Der 76. Jahrestag der Pogromnacht erinnert an die Zerstörung mehr als 1400 Synagogen, die in der sogenannten "Kristallnacht" zerstört wurden. Schüler der Gesamtschule Nettetal stellten die Biographien der Personen vor, derer gedacht wurden. Die Stolpersteine sollen an die Menschen erinnern, deren Heimat Kaldenkirchen war. "Sie wurden ausgegrenzt, verfolgt und vernichtet, nur weil sie jüdischen Glaubens waren", so Klassensprecherin Katerin Charalambakis.

Pastor Andreas Grefen von der evangelischen Kirchengemeinde erinnerte daran, dass nur wenige Menschen es wagten, offen gegen die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aufzustehen. "Die Jahrhunderte alte kirchliche Judenfeindschaft und der rassische Antisemitismus der Nazis hatten die Gewissen der christlichen Mehrheitsbevölkerung korrumpiert", sagte er. Rund 100 Interessierte nahmen an der Verlegung der Stolpersteine in der Fußgängerzone teil, unter ihnen auch der Rabbiner Yitzchak Hoenig von der jüdischen Gemeinde Mönchengladbach sowie Gesamtschul-Leiterin Angelika Eller-Hofmanns und Bürgermeister Christian Wagner.

Nach der Verlegung der Stolpersteine und der Verlesung aller 32 Namen der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes (Schoah) aus Kaldenkirchen, entzündeten die Schüler Gedenklichter und legten eine Blume für jede Person ab.

Quelle: RP
 
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