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Neuss
Warum es eine Päpstin geben sollte

Neuss: Warum es eine Päpstin geben sollte
Wunibald Müller weiß als ehemaliger Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach wie Gottes "Bodenpersonal" tickt. FOTO: Georg Salzburg
Neuss. Beim Augustinus-Forum war der Theologe und Psychologe Wunibald Müller zu Gast. Homosexualität und die Rolle der Frau waren Thema. Von Rudolf Barnholt

Es war diesmal keine Podiumsdiskussion, sondern ein Dialog: Im Rahmen des Augustinus-Forums interviewte Michael Schlagheck einen streitbaren Theologen und Psychologen. Wunibald Müller machte deutlich, dass er der Kirche treu bleibe, aller Kritik zum Trotz. Auf den Vatikan könnte er dagegen gut und gerne verzichten.

Einige seiner grauen Haare hat Papst Benedikt XVI. möglicherweise Wunibald Müller zu verdanken. Der reagierte nämlich stets genervt, wenn der 67-Jährige mal wieder was zu Themen wie Homosexualität und Intimität publiziert hatte. "Ich respektiere ihn als Person, aber ich habe ihn auch als Großinquisitor erlebt", sagte der Talkgast. Die Themen Macht und Sexualität würden im Vatikan völlig ignoriert, obwohl knapp 30 Prozent des Klerus schwul seien - "und darunter sind wundervolle Priester", sagte Müller.

Er weiß, wie Gottes "Bodenpersonal" tickt, schließlich war er lange Jahre Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, wo kirchliche Mitarbeiter in Lebenskrisen unterstützt werden.

Müller sprach sich vehement für die Abschaffung des Zölibats aus: "Viele tolle Priester haben wir auf diese Weise verloren." Dass Frauen nicht zu Priesterinnen und Bischöfinnen geweiht werden dürfen, sei ein Skandal. Müller könnte sich sogar eine Päpstin vorstellen. "Gott hätte garantiert kein Problem damit", ist sich der 67-Jährige sicher. Die Gottesebenbildlichkeit zeige sich in Mann und Frau. Wenn man die Kirche mit einem Gebäude vergleicht, hält Müller es für einsturzgefährdet. Aber er sieht auch einen Hoffnungsschimmer: "Die Kirche stellt sich zunehmend der Krise."

Gleichwohl habe er vom aktuellen Papst Franziskus schon mehr erwartet. Die Kirche müsse die Krise, die durch den Missbrauchsskandal noch weiter verschärft wurde, als Chance begreifen: "Nur wenn ich das Vertraute hinter mir lasse, schaffe ich etwas Neues", sagte Müller als Psychologe. Worauf er aufmerksam machte: "Wir wissen von Gott sehr wenig - unser Wissen ist nicht weniger als ein Tropfen in einem Meer."

Wie er denn in der Kirche bleiben könne, werde Müller selbst von seinen Kindern Thomas und Dorothee gefragt. "Kirche ist für mich immer noch Heimat, die auch Hoffnung ist und ein Weg zum ewigen Leben", erklärte der Talkgast. Dabei sei ihm die Eucharistiefeier mit das Wichtigste. Außerdem findet er gut, dass die Kirche durch ihre Werke Barmherzigkeit organisiere - die Augustinerinnen seien ein gutes Beispiel. Müller hat aber auch Verständnis für die Unzufriedenen, die der Kirche den Rücken kehren. Wenn Kinder aus der Kirche austreten, sollten Eltern sie "in Frieden ziehen lassen". "Und Sie sollten sich in diesem Zusammenhang von der Frage befreien, was sie eventuell falsch gemacht haben könnten."

Warum Menschen sich Religionen verbunden fühlen, erklärte er so: "Er ist in uns angelegt, der Bezug zum Geheimnisvollen, zu etwas, das größer ist als wir." Wunibald Müller, der sein Abitur an einer Klosterschule gemacht hatte, verriet auch, warum er, der aus einer frommen Familie stammt, nicht habe Priester werden wollen: "Das Mütterliche, das Frauliche, die emotionale Seite hat mir damals gefehlt."

Quelle: NGZ
 
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