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Remscheid
Bis Aschermittwoch regieren die Jecken

Remscheid. Pünktlich um 11.11 Uhr stürmten die Möhnen das Remscheider Rathaus. Die Stadtspitze bewies Humor. Von Stefanie Bona

Gestern übernahm Ute, "die Allmächtige", Quasdorf von den Rot-Blauen Funken das Zepter im Remscheider Rathaus. Sei`s drum: Den in farbenprächtigen Mummenschanz gehüllten Verwaltungsvorstand hätte in diesem Outfit sowieso niemand mehr ernst genommen. Also übergab Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz im Hippie-Look gerne den Schlüssel an die jecken Wiever, die pünktlich um 11.11 Uhr den kleinen Sitzungssaal stürmten.

Konfetti regnete kiloweise über die grüne Auslegware, die diesmal keinem langen Sitzungsmarathon, sondern schunkelnden und feiernden Närrinnen und auch ein paar Narren standhalten musste. Als gebürtiger Ostwestfale ist der OB sicherlich kein Feierbiest, verbreitete aber trotzdem gute Stimmung. Den jecken Damen traute er durchaus zu, während der tollen Tage die Regentschaft über die Stadt zu übernehmen. "Ich mach jetzt mal ein paar Tage frei. Ihr Mädels werdet unsere Haushaltsprobleme schon lösen, da bin ich sicher", rief der entmachtete Burkhard Mast-Weisz und blickte wohlwollend durch eine rot-getönte Sonnenbrille auf die Narrenschar.

Seine Kollegen im Verwaltungsvorstand waren ebenso zu Späßen aufgelegt. Rechtsdezernentin und bekennende Karnevalistin Barbara Reul-Nocke sorgte in bunt-schimmerndem Frack und Rüschenbluse für Ordnung, während Sven Wiertz als französischer Kämmerer mit Lockenpracht auf dem Kopf eine barocke Figur abgab und fleißig Goldtaler verteilte. Und Sozialdezernent Thomas Neuhaus kam als Erdbeere verkleidet im Partnerlook mit Söhnchen Oskar auf dem Arm. Der Stadtrat war indes nur marginal vertreten. Ratsfrau Alexa Bell mischte sich als fesches Schwarzwaldmädel unter die Jecken, während ihr CDU-Kollege und Vorsitzender des Marketingrats Innenstadt, Ralf Wieber, die originelle Verkleidung als Ralf Wieber wählte - mit Schal, aber ohne Krawatte. Fritz Beinersdorf, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat, ließ sich derweil den roten Schlips ordentlich stutzen.

Zahlreich erschienen auch die Abordnungen der Remscheider Karnevalsvereine. Die Garden der Rot-Blauen Funken ließen zu schmissigen Klängen Beine und Arme fliegen, genauso zogen die Blau-Weißen Jungs aus Bergisch Born und die Lenneper Karnevalsgesellschaft mit Tamtam und Trara in den Saal. Und alle brachten dem Stadtoberhaupt Orden der laufenden Session mit, an denen der OB schlussendlich schwer zu tragen hatte.

Bei den Kostümierungen war diesmal viel Bling-Bling angesagt. Prinzessinnen brachten ihre Kronen akkuverstärkt zum Blinken und der Schottenrock wurde mit silberner Spitze aufgepeppt. Jecke Clowns hatten vorgesorgt und trugen das Piccolöchen im Rucksack direkt an der Frau. "Wir kommen jedes Jahr hierher. Das hat Tradition", sagte Gertraud Knaack, die mit ihren Freundinnen ins Rathaus gekommen war. Und einig waren sich die Damen allemal: "Hier ist es immer schön und überhaupt ist Remscheid superklasse."

Quelle: RP
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