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Praxis ohne Grenzen
Gesundheit ist ein Menschenrecht

Praxis ohne Grenzen: Gesundheit ist ein Menschenrecht
Dr. Thomas Ciecholewski (l.) , Dr. Bettina Stiel-Reifenrath und Petra Haenel von "Praxis ohne Grenzen". FOTO: Peiseler
Remscheid. Seit zwei Jahren hilft "Praxis ohne Grenzen" Patienten ohne Versicherung. Von Christian Peiseler

Das Telefon klingelt nur kurz. Der Anrufer schreckt zurück. Vielleicht schämt er sich. Vielleicht hat er Angst. Vielleicht probiert er es später noch einmal. Dr. Bettina Stiel-Reifenrath ruft meist zurück, wenn sie häufiger die gleiche Nummer im Display der Telefonanlage der "Praxis ohne Grenzen" sieht. Die praktische Ärztin kann helfen. Vor allem Menschen, die glauben, keinen Anspruch auf Hilfe zu haben. Ohne Krankenversicherung stehen Menschen in diesem Land außerhalb der Solidargemeinschaft. So denken viele Versicherungslose.

So dachte auch ein 70-jähriger Handwerker. Doch die Schmerzen in der Lunge waren so heftig und der Gewichtsverlust so stark, dass er den Weg in die "Praxis ohne Grenzen" an der Wülfingstraße in Lennep suchte. Seit zwei Jahren betreuen Dr. Bettina Stiel-Reifenrath und ein Team von Ärzten und Helfern hier kranke Menschen, die kein Geld haben, um eine Arztrechnung zu bezahlen.

Der Mann gehört zu den typischen Fällen von Menschen, die aus dem Versorgungssystem gekippt sind. Als Selbstständige haben sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen. Plötzlich läuft das Geschäft schlecht. Die Beiträge für die Versicherung werden als erstes gespart - ohne die Folgen zu bedenken.

Die Initiative lebt von Spenden und vom Ehrenamt. Doch Stiel-Reifenrath will die Gesellschaft nicht aus der Verantwortung entlassen. "Das Ehrenamt ist gut. Aber hier muss die Politik ran", sagt die Ärztin. Ihr Kollege Dr. Thomas Ciecholewsk präzisiert die Forderung: "Gesundheit ist ein Menschenrecht". Mit dieser Forderung demonstrieren die Remscheider mit anderen Ärzten am 20. März vor dem Brandenburger Tor.

Mit zum Team gehört die Sozialarbeiterin Barabara Servos von Pro Familia. Sie lotet aus, ob es nicht doch noch eine Möglichkeit gibt, von einer Krankenkasse aufgenommen zu werden. Zunächst aber öffnet der anonyme Krankenschein von "Praxis ohne Grenzen" die Türen zu Facharztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken. "In Remscheid gibt es eine große Solidarität", betont die Ärztin. Röntgen, Computertomografie, Operation, Chemotherapie, medikamentöse Versorgung - das Netzwerk der Ärzte lässt niemanden durchfallen.

Der Mann aus Wermelskirchen hatte Lungenkrebs. Er musste sofort operiert werden. Heute geht es ihm einigermaßen gut. Er arbeitet wieder, und er ist krankenversichert. Barbara Servos fand eine Gesetzeslücke, die die Krankenkasse nötigte, den Mann aufzunehmen.

Spendenkonto Praxis ohne Grenzen, DE 43340500000012106399.

Quelle: RP
 
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