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Remscheid
In 24 Stunden 150 Flüchtlinge unterbringen

Remscheid: In 24 Stunden 150 Flüchtlinge unterbringen
Rundgang durch das Schulgebäude: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz organisierte mit dem kurzfristig einberufenen Krisenstab die Unterbringung von 150 neuen Flüchtlingen, die heute ankommen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Bezirksregierung forderte Remscheid gestern dazu auf. Asylbewerber finden in Lenneper Pestalozzi-Schule eine Bleibe. Von Solveig Pudelski

Die Stadt hat gestern nach einem Krisengespräch ein neues Übergangsheim aus dem Boden gestampft, um heute 150 neue Flüchtlinge aufnehmen zu können: Sie werden für mindestens drei Wochen im leerstehenden Gebäude der Pestalozzi-Schule wohnen. Die Meldung der Sofort-Aufnahme ereilte Oberbürgermeister Burkhard Mast -Weisz am ersten Tag nach seinem Urlaub per Fax: Per Verfügung hatte die Bezirksregierung Remscheid am Nachmittag aufgefordert, die asylsuchenden Menschen aufzunehmen. Um 17 Uhr werden sie heute mit Bussen gebracht.

Die 24 Stunden bis zur Ankunft sind eng getaktet. Um 16 Uhr hatte Mast-Weisz alle Mitarbeiter aus den betreffenden Ämtern zum Gespräch ins Rathaus gebeten, um die Unterbringung vorzubereiten. Um 18 Uhr schaute sich der Krisenstab das Gebäude an der Leverkuser Straße an. Vieles galt es zu organisieren: Betreuung, Reinigung, Aufsicht und Sicherheit, Verpflegung, Wäsche. Die Johanniter Unfallhilfe übernimmt mit Unterstützung des Vereins BAF die Betreuung und Versorgung der Menschen mit Essen. Es gibt einen 24-Stunden-Service: Polizei und ein Sicherheitsdienst sind eingeschaltet. Jeweils acht Etagenbetten werden in den Klassenräumen aufgebaut. "Wir sollten Schlaf- und Aufenthaltsräume trennen", schlug Mast-Weisz vor. Kinder könnten in der Aula spielen, die Turnhalle werde zur Mensa umfunktioniert.

Noch am Abend räumten zwei Löscheinheiten der Freiwilligen Feuerwehr sowie die Berufsfeuerwehr die Klassenräume frei und das Mobiliar um. Die Firma Holzleitner sicherte fünf Waschmaschinen zu.

"So etwas hat es noch nicht gegeben", sagte Mast-Weisz zu der Hauruck-Aktion des Landes, die auch andere Kommunen betrifft. Dank eines gut funktionierenden Netzwerkes gelinge hier ein Kraftakt. "Wir wissen aber nicht, wer zu uns kommt und aus welchen Ländern die Menschen stammen." Weil die Stadt Remscheid die Erstaufnahme regeln soll, die normalerweise die Auffangzentralen im Land abwickeln, kommt eine Menge Arbeit auf die Kommune zu - wie Erstregistrierung und gesundheitliche Untersuchung, sagte Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke.

Die kurzfristige Aufnahme ist ein Ausnahmezustand. Normalerweise wurden Remscheid monatlich rund 57 Menschen zugewiesen. Gerechnet hatte die Stadt im April noch mit 500 neuen Asylbewerbern im gesamten Jahr. Die Tausender-Grenze ist also bald erreicht. 800 Flüchtlinge waren es laut Daniela Krein von der BAF bis gestern. "Wir versuchen jetzt, unser Personal früher aufzustocken." Denn für das sechste Remscheider Flüchtlingsheim, das in Hasten eingerichtet wird, wurden ohnehin neue Stellen ausgeschrieben.

Quelle: RP