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Neuss. Das Wort Generationswechsel kommt nur zögerlich über die Lippen von Dirk Gärtner. Der 50-Jährige sieht sich auch nicht als Gegner von Platzhirsch Hermann-Josef Koch (58), der den Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss seit fast genau 18 Jahren als Vorsitzender vertritt. Doch wenn der Kreistag am Montag (Beginn 19 Uhr) im Restaurant Bischofshof an der Königstraße in Holzbüttgen tatsächlich für den Machtwechsel votiert, dokumentiert das den Willen der in rund 50 Vereinen organisierten (fast) 20.000 Fußballer an Rhein und Erft, in Zukunft einen anderen, einen zeitgemäßeren Weg zu beschreiten.

In den vergangenen Wochen hat Dirk Gärtner, der bereits in seinen sechs Jahren als Obmann der Kreisschiedsrichter für Führungsqualität und Innovationskraft stand, gut 40 Vereine besucht, um sich ein erstes Meinungsbild zu machen. Was er hörte, bestätigte ihn in seiner Kandidatur: "Es muss sich was ändern. Denn in vielen Vereinen hat es einen Umbruch auf der Führungsebene gegeben. Sie möchten anders geführt werden. Sie möchten gehört werden." Die Verbesserung, in großen Teilen sogar erst der Aufbau von Kommunikationsstrukturen ist dabei einer der Kernpunkte für den beim Autobauer Ford in Köln-Niehl für die Bereiche Aus- und Weiterbildung zuständigen Familienvater: "Um die Vereine zeitnah ins Bild zu setzen, muss ein Informationsnetzwerk geschaffen werden - auch innerhalb des Kreisvorstandes ..."

Als Grundlage und Arbeitsauftrag dient ihm der "Masterplan Amateurfußball", ein vom DFB und den 21 Landesverbänden mit ihren fast 26.000 Klubs gemeinsam erarbeitetes Maßnahmenpaket, das den Fußball an der Basis bundesweit stärken soll. Peter Frymut, seit 2013 Präsident des Fußballverbandes Niederrhein, hat den seit Montag 50-Jährigen bereits in den Steuerkreis des FVN für den Masterplan 2017 bis 2019 berufen. Gestern referierte Dirk Gärtner im Düsseldorfer Landtag als sachkundiger Bürger über seine Arbeit im Rahmen der DFB-Flüchtlingsinitiative "1:0 für ein Willkommen" in Dormagen. Sein Ansatz: "Wir müssen das Thema Flüchtlinge in Sportvereinen als Chance sehen. Denn die Jugendlichen sind mit 15, 16, 17 Jahren genau in dem Alter, das uns im Nachwuchsbereich fehlt."

Klar ist ihm jedoch auch, "dass wir das Ehrenamt dabei nicht zu stark belasten dürfen. Dann ändert sich nämlich der Blickwinkel auf die Flüchtlinge." Letztlich gehe es darum, fasst er zusammen, über eine Steigerung der Quantität eine Verbesserung der Qualität im Jugendbereich zu erzielen, "um den Fußball wieder auf das Niveau zu bringen, auf das er gehört."

Ein wesentliches Hilfsmittel stellen die vom Verband kostenlos angebotenen Module dar. Etwa der DFB-Junior-Coach: Vorrangiges Ziel ist die Gewinnung, Ausbildung und Förderung "sozialer Talente" (ab 15 Jahre), die im Anschluss an den Lehrgang Praxiserfahrungen sammeln - entweder mit der Leitung einer AG an der eigenen Schule oder einer umliegenden Grundschule; und als Kindertrainer im eigenen Verein. Gärtner betont den praktischen Nutzen dieser Zusammenarbeit von Schule, Verein und Verband vor Ort: "Auf diese Weise gelingt es den Vereinen, Ehrenamtler für sich zu gewinnen." Darum will er es sich zur Aufgabe machen, pro Jahr zwölf der 22 abrufbaren Module im Kreis anzubieten.

Im Gegensatz zum eher konservativen Hermann-Josef Koch stellt Dirk Gärtner bei seiner Arbeit Öffentlichkeit her, nutzt zur Verbreitung seiner Ideen und Absichten durchaus offensiv alle ihm zur Verfügung stehenden sozialen Medien. Das von den Vereinen im Vorfeld der Wahl erhaltene Feedback bestätigt ihn dabei: "Ich habe sehr positive Rückmeldungen bekommen." Bei der Umsetzung seiner Ziele könnte er auf eine bewährte Führungsmannschaft bauen. Lediglich die Koch seit Jahren eng verbundene Geschäftsführerin Dorethea Bollrath würde unter seinem Vorsitz nicht mehr weitermachen.

Quelle: NGZ
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