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Sommernachtslauf
"Wir werden sterben!" - "Ja, aber zusammen"

Sommernachtslauf: "Wir werden sterben!" - "Ja, aber zusammen"
FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Als "Die Seitenstecher" hatten sich die vier Mädels entschlossen, bei der Sommernachtslauf-Staffel zu laufen. Spaß hatten sie auf jeden Fall. Von Sophie Rhine und Hannah Nehrig

Sommernachtslauf 2015, Staffel, 1200 Meter - wie genau kamen wir vier Mädels auf die tolle Idee, uns durch die Stadt zu quälen?

Schon fast 21 Uhr, ich bin immer noch auf Parkplatzsuche, warum ist alles gesperrt? Endlich, da ist was frei. Nach kurzer Suche entdecke ich die anderen drei, zu ihnen kann ich allerdings noch nicht, der Fünfkilometerlauf ist gerade dran. Da unser Start aber danach ist, schlüpfe ich schnell unter dem Flatterband durch und werde von meiner viel zu motivierten Schwester begrüßt. "Isi, was ist denn los mit dir?", sind auch Hannah und Tabitha eher auf meinem Motivationslevel. Der Jedermann-Lauf neigt sich dem Ende zu, nur noch vereinzelt kommt ein Läufer vorbei. Zeit, sich warm zu machen und die Strecke zu erkunden. Schnell noch die Startnummern befestigt, die leider viel zu groß für unsere schicken Partnerlook-Trikots sind, und dann geht's los. Von Musik und scherzhaften Anfeuerungsrufen begleitet testen wir mit unserem Trainer (und Vater) die Runde. Langsam aber sicher stellt sich auch bei mir so was wie Vorfreude und Nervosität ein und wir hüpfen zusammen die Hamtorstraße entlang. Kopfsteinpflaster, na, wenn sich da nicht gleich jemand hinlegt! Dann rechts an der alten Post vorbei und: "Ab hier geht's nur noch 400 Meter bergab, hier könnt ihr zum Spurt ansetzen", kommt ein wahnsinnig toller Tipp. Ich bin froh, wenn ich hier noch aufrecht ankomme.

Eine Viertelstunde bis zum Startschuss, was trinken, Trainingshosen aus und so langsam Richtung Start bewegen. Stimmung und Wetter sind auf jeden Fall super, es wird langsam dunkel und die Streckenposten zünden Fackeln an. Schnell ein paar Fotos gemacht - noch sehen wir ja fit und lebendig aus - motivierende Sprüche von sämtlichen Eltern und Freunden sind zu hören, wir klatschen uns ab und dann muss ich mich auch schon an die Startlinie stellen. Verdammt, die sehen alle so schnell aus! Zehn, neun ... der Countdown läuft - und ab geht's. Erste Kurve, hoch zu "Mcces" und am Hamtorplatz vorbei. "Los Sophie!", wer da gerade anfeuert, kriege ich gar nicht mit. Schnell hat sich das Feld auseinandergezogen, die Hälfte habe ich schon, ist ja gar nicht so schlimm. Dann kommt das Kopfsteinpflaster, jetzt werden die Beine schwer, atmen klappt auch nicht mehr so gut und der Stab in der Hand nervt auch. Noch 400 Meter. "Los! Die vor dir kriegst du noch", ruft mein Vater. Muss der nicht selber laufen? Mit Endspurt klappt es nicht mehr ganz, doch dann kommt ein Hockey-Mädel von hinten - das hat die sich so gedacht! Letzte Kräfte mobilisieren, nur noch über den Kreisverkehr und - wo ist Hannah? "Links, du musst nach links!", brüllt Isi. Der Wechsel ist eher suboptimal, aber ich hab's geschafft und Hannah ist unterwegs. Wasser, ich sterbe! Aber nein, man muss in der Wechselzone bleiben. Also anfeuern und warten. Da hinten kommt Hannah wieder, jetzt ist Tabitha dran. Ob es fürs Treppchen reicht? Jetzt ist Isi dran, hmm ... da kommen die Hockeymädels und dann? Schade, auch die TG-Gazellen und die Tigers sowie die anderen Hockeymädels sind knapp vor uns.

Egal, wir haben alles gegeben. Zufrieden und erschöpft machen wir uns auf den Weg zu unseren Familien, Freunden, Taschen und zum Bierzelt. Schnell was drüberziehen, bevor die Mücken mich ganz aussaugen! Kurz darauf ist auch schon die Siegerehrung - die Frauen kriegen ja nur Sekt, das Bierfass von den Schützen sieht sympathischer aus. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

Quelle: NGZ
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