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Rommerskirchen
Fall der zerstörten Bahndammtafel ungelöst

Rommerskirchen: Fall der zerstörten Bahndammtafel ungelöst
Der Bahndamm (hier ein Aufgang am Ende der Straße "Zum Fronhof") ist knapp über 13 Kilometer lang; 9,1 Kilometer liegen auf dem Gebiet der Gemeinde, die seit 2011 auch Eigentümer ist. NGZ-Foto : Lothar Berns FOTO: Berns, Lothar (lber)
Rommerskirchen. Wer die Hinweistafeln zur Bahndamm-Geschichte zerstört hat, bleibt offen. Die Polizei konnte bisher keinen Täter ermitteln. Von Sebastian Meurer

Wer die beiden Hinweistafeln entlang des Historischen Wanderwegs am Hermeshof und am Heimchesweg zerstört hat, wird sich womöglich niemals aufklären lassen. "Es ist kein Tatverdächtiger ermittelt worden", teilte gestern Polizeisprecher Hans-Willi Arnold auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Akten seien bereits auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft, so Arnold. Nicht bestätigt hat sich die Vermutung, dass es derjenige gewesen sei, der am Tatort ein Schriftstück hinterlassen habe. In dem Schreiben geht es um den Bahndamm. Der Verfasser, Wolfgang Wewer aus Köln, widerspricht darin vehement der auf den Messingtafeln zu lesenden Darstellung des Lokalhistorikers Paul-Rolf Essel.

Ende September war die Zerstörungsaktion entdeckt worden, bei der die Messingtafeln verbogen und mit Farbe beschmiert wurden. Friedhelm Müller, Präsident der Eckumer Bürgerschützen, hatte daraufhin Anzeige erstattet. "Ich habe mit der Zerstörung nichts zu tun", sagt der pensionierte Berufsschulpfarrer und frühere NRW-Vorsitzende des Fahrgastverbands "Pro Bahn" mit Verwunderung. "Ich komme viel herum", sagt Wewer, der über die Eisenbahngeschichte hinaus historisch versiert ist. Der Text auf der Tafel hat ihn zu vehementem Widerspruch gereizt. In seinem Schreiben verteidigt er die unter Historikern mehrheitlich und auch vom Landschaftsverband Rheinland bis heute vertretene Auffassung, wonach der Bahndamm sehr wohl das Attribut "strategisch" verdiene, weil sein Bau 1913 aus militärischen Gründen erfolgte.

"Ohne diese und weitere strategische Bahnen war der Schlieffen-Plan von 1906, mit dem das deutsche Kaiserreich einen Angriff auf Frankreich unter Einbeziehung des neutralen Belgien plante, nicht durchzuführen", so Wolfgang Wewer, der die Thesen Essels scharf attackiert. Belastbare Straßen habe es demgegenüber vor dem Ersten Weltkrieg kaum gegeben, ebenso wenig wie schwere Lastwagen. Wewer zufolge könne deshalb nicht von einem "Ausbruch" des Ersten Weltkriegs gesprochen werden, vielmehr sei dieser "vom deutschen Kaiserreich lange geplant und vorbereitet" worden.

Paul-Rolf Essel hatte bereits 1988 im damaligen Almanach für den Kreis Neuss einen Aufsatz mit dem Titel "Die Gilbachbahn von Neuss nach Rommerskirchen - Etappen eines gescheiterten Bahnprojektes" veröffentlicht. Der auch vom Amt für Bodendenkmalpflege zitierte Schlieffen-Plan, in den die Streckenführung einbezogen worden sei, habe hierfür keine wesentliche Rolle gespielt, ist der Eckumer Lokalhistoriker überzeugt. Ursächlich dafür, dass vor 102 Jahren die Bauarbeiten für eine zweigleisige Strecke begannen, sind laut Paul-Rolf Essel vielmehr wirtschaftliche Gründe gewesen.

Auf dem Bahndamm ist niemals auch nur ein einziger Zug unterwegs gewesen.

Quelle: NGZ
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