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Solingen
Göring-Eckardt besucht Güde-Messer

Solingen. Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag machte auf ihrer Sommertour durch Deutschland Station in Solingen. Von Benjamin Dresen

Katrin Göring-Eckardt wollte zu Güde, unbedingt. Auf ihrer vierwöchigen Sommertour durch die Republik war ihr der Besuch beim traditionsreichen Solinger Messerhersteller ein Herzenswunsch. Sie benutzt selbst Güde-Messer in der Küche, die sie sich schon vor Jahren zugelegt hat, "als das Geld noch sehr knapp war". Nun steht sie im kleinen Vorführraum bei Güde in der Katternberger Straße und lässt sich von Geschäftsführer Dr. Karl Peter Born alles ganz genau erklären. "Aus welchen Hölzern stellen Sie die Griffe her?", will die Grünen-Politikerin wissen. Kenntnisreich schildert Karl Peter Born die historische Entwicklung, vom Ebenholz über Buchenholz und Kunststoffe hin zu aktuelleren Trends wie Olivenholz. In viereinhalb Wochen kommt sie viel herum in Deutschland, viele Termine betreffen die Situation der Flüchtlinge und ihre Unterbringung und damit ihren Beruf als Politikerin. Der Besuch bei Güde passiert vor allem aus privatem Interesse. "Es ist ein Privileg, dass wir Politiker irgendwo hinfahren und uns die Dinge zeigen lassen können", weiß sie wohl. Als Thüringerin schätzt sie handwerkliche Tätigkeiten sehr, wie sie sagt, und auch die räumliche Nähe von Arbeiten und Wohnen kennt sie aus Thüringen von den Handwerken der Stockmacher und Glasbläser. Unerwartet war für sie der bescheidene Auftritt des Unternehmens aus Höhscheid. "Ich hatte eine schicke Einfahrt erwartet und einen großen Werksverkauf", gibt sie zu. Der Unternehmenssitz wirkt so unscheinbar, dass der Dienstwagen beim ersten Versuch glatt am Ziel vorbei fuhr. Im Wintergarten des Hauses entwickelt sich ein lebhafter Dialog zwischen Karl Peter Born, der viele Anekdoten und Geschichten rund ums Messer beizusteuern weiß, und dem prominenten Gast. "Haben Sie je daran gezweifelt, den Betrieb zu übernehmen", will die Bundespolitikerin von Karl Peter Born wissen. Der hatte als junger Mann andere Pläne und sah sich nach dem Maschinenbaustudium eher bei einem Automobilkonzern, als sein kinderloser Onkel anfragte, ob er das Unternehmen weiterführen wolle. "Wir hatten zehn harte Jahre", erinnert er sich, "und wir hatten Glück, dass wir das überstanden haben", sagt er mit Blick auf 25 Jahre als Geschäftsführer bei Güde. "Dinge wie Marketing musste ich erst lernen, etwa, dass es darum geht, Geschichten zu erzählen, statt den Leuten Technik zu erklären."

"Ich habe den Eindruck, die Menschen haben hier Spaß bei der Arbeit", schildert Katrin Göring-Eckardt nach dem Rundgang durch das Unternehmen. "Das gibt es nur noch selten, dass man sehen kann, wie ein Produkt handwerklich hergestellt wird."

Ihren Besuch behält sie in Erinnerung als "Verbindung von Tradition und Nachhaltigkeit". "Kochen ist etwas Bodenständiges, und es gibt immer mehr Leute, die etwas selbst machen wollen."

Quelle: RP
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