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Bergischer Hc
Gut verkauft

Bergischer Hc: Gut verkauft
13.380 Zuschauer füllten die Ränge in der Kölner Lanxess-Arena und ließen die Kasse des BHC beim Bundesliga-Spiel gegen den THW Kiel klingeln. FOTO: Imago
Solingen. Das Rekordspiel gegen den THW Kiel beschert dem BHC einen Rekord-Ertrag. Die Zahlen werden zeitnah analysiert - ebenso die Arbeit von Trainer Hinze. Von Georg Amend

Es gab schon ein Mal ein Rekordspiel des Bergischen HC gegen den THW Kiel: Am 14. Dezember 2013 sahen sich 3120 Zuschauer die Partie der Handball-Bundesliga in der Wuppertaler Unihalle an - das war seinerzeit der vereinsinterne Bestwert. Das spülte immerhin einen Netto-Ertrag - also ohne 19 Prozent Umsatzsteuer - von 13.347,79 Euro in die Kassen. Ein Jahr später gab es den ersten großen Bahnhof in der Kölner Lanxess-Arena, gegen Gummersbach kamen 7060 Besucher. Es war zum einen das neue Rekordspiel für den BHC, zum anderen ein lukratives, denn er nahm (siehe Info-Box) 45.051,93 Euro ein.

Diese Zahl dürfte vermutlich seit Sonntagabend annähernd verdoppelt worden sein. Denn die Partie gegen Kiel (28:31) ebenfalls in Köln war mit 13.380 Zuschauern fast doppelt so gut besucht wie die gegen Gummersbach vor 14 Monaten. Es war nicht nur das neue Rekordspiel für den BHC, sondern auch der Zuschauer-Bestwert in dieser Saison der Handball-Bundesliga. Die Werbemaßnahmen der Bergischen haben voll gegriffen, sie haben sich gut verkauft.

Das gilt - nimmt man das nackte Ergebnis - auch sportlich. Der Tabellenvorletzte unterlag dem -zweiten "nur" mit drei Toren. Die Anmerkung eines Besuchers, es sei wohl noch nie so einfach gewesen wie an diesem Tag, die sichtlich geschlauchten Kieler zu schlagen, konterte BHC-Rückraumspieler Alexander Hermann so: "Der THW war zwar geschwächt, aber es ist trotzdem noch der THW mit Weltklassespielern." Von denen sich Sonntagabend einer allerdings so schwer verletzte, dass für ihn die Saison gelaufen ist: Kreisläufer René Toft Hansen zog sich einen Kreuz- und Innenbandriss zu, nachdem ihm sein Pendant auf BHC-Seite, Max Weiß, unglücklich ins rechte Knie gefallen war.

Dieser Schock wirkte bei den Kielern merklich nach, indes reichte es für einen Sieg, auch weil die Bergischen in der einzigen Phase, in der sie den Favoriten ins Wanken gebracht hatten, erneut große Chancen liegen ließen. So scheiterte Arnor Gunnarsson, der mit Ballgewinnen in der Abwehr großen Anteil an der Aufholjagd hatte, die den BHC auf zwei Tore heranbrachte, sowohl mit einem Siebenmeter an Niklas Landin als auch in Überzahl bei einem freien Wurf von rechtsaußen.

Der Isländer wird wie sein Landsmann Björgvin Gustavsson, der im Tor eine streckenweise überragende Vorstellung ablieferte, nun zur Nationalmannschaft fahren, ebenso wie Alexander Hermann (Österreich) und Ace Jonovski (Mazedonien). Die Spielpause in der Bundesliga aufgrund der Handball-EM in Polen fällt für das Quartett also sehr kurz aus. "Ich habe ja vier Tage frei, das ist ja genug", meinte Hermann ironisch. Allen anderen BHC-Akteuren wird die Pause gut tun, um wieder zu Kräften zu kommen. Beispielhaft dafür Kristian Nippes, der nach langwieriger Knieverletzung die Vorbereitung verpasst hat, und das nun in Köln zu spüren bekam: "Ich weiß nicht, was los war, es kam nichts raus heute. Ich war einfach platt. Schade", sagte der Halbrechte, dem kein einziges Tor gelang und der so lange Zeit auf der Bank saß.

Für ihn kam Hermann in den rechten Rückraum und überzeugte mit sechs Treffern. Bester Feldtorschütze wurde mit sieben Treffern Kapitän Viktor Szilágyi, dessen Fehlerquote aber für einen Mann seiner Klasse nach seinen langwierigen Verletzungen noch arg hoch war. Erfreulich war die Vorstellung von Inal Aflitulin: Der russische Zugang, der bisher wenig integriert gewirkt hatte, wirbelte für den enttäuschenden Fabian Gutbrod oft im linken Rückraum, riss mit seiner Schnelligkeit Lücken, die Szilágyi für seine Schlagwürfen nutzen konnte, und setzte seine Nebenleute auch immer wieder gekonnt in Szene.

Für die weitere Integration wird er die Spielpause nutzen können, ob ihn dann weiterhin Sebastian Hinze als Trainer anleitet, ist zunächst einmal offen. Nachdem Beirat Jörg Föste auf die Frage nach dessen Zukunft erst lange geschwiegen und dann darauf verwiesen hatte, das Thema nicht öffentlich diskutieren zu wollen, sagte nun Geschäftsführer Philipp Tychy: "Wir reden miteinander und nicht übereinander. Wir werden uns zusammensetzen, die Hinrunde auswerten und analysieren, wie das letzte Jahr gelaufen ist. Das wird zeitnah passieren, aber mit der gebotenen Besonnenheit. Sorgfalt geht vor Zeit."

Das gilt auch für die Zahlen zum Rekordspiel am Sonntag: "Da jetzt einen Tag danach was seriös zu sagen, ist nicht möglich. Mehr Zuschauer bedeuten ja auch ein Stückweit mehr Aufwand. Wir wollen die Zahlen vernünftig auswerten. Man kann aber sagen, dass es aus finanzieller Sicht ein lukrativer Sonntag für den BHC war."

Quelle: RP
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