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Handball
Emotionslos im Zwischenspiel

Handball: Emotionslos im Zwischenspiel
Göppingens Zarko Sesum (vorn) ist unbeeindruckt von BHC-Trainer Sebastian Hinze, auf der Bank schauen Kristian Nippes, Christopher Rudeck und Viktor Szilágyi (von links) recht skeptisch drein. FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Der BHC verliert mit 22:29 gegen FrischAuf Göppingen. Wichtig wird die Bundesligapartie am Mittwoch in Eisenach. Von Georg Amend

Mit je einem Treffer in den letzten Sekunden hatte der Bergische HC in der Handball-Bundesliga gegen den TBV Lemgo und im Viertelfinale des nationalen Pokals gegen GWD Minden gewonnen - der Jubel war riesig. Am Samstag schien das Team ausgelaugt, im Bundesligaspiel gegen FrischAuf Göppingen lief kaum etwas zusammen, Emotionen kamen so gar nicht erst auf. Am Ende stand eine klare 22:29 (11:15)-Niederlage, die BHC-Trainer Sebastian Hinze als verdient einstufte.

Warum es weder in Abwehr noch in Angriff gepasst hatte, wusste keiner so recht zu sagen. Immerhin wollte niemand die Müdigkeit nach den aufreibenden Partien und dem dritten Spiel in sieben Tagen als Grund für den wenig berauschenden Auftritt geltend machen. "Wir waren müde, ja, aber Göppingen auch", merkte BHC-Torwart Björgvin Gustavsson an. "Wir können das nicht als Ausrede nehmen, dass wir müde sind. An Weihnachten sind alle müde." Das galt auch für die Zuschauer, die in der Wuppertaler Unihalle das Geschehen weitgehend unaufgeregt verfolgten. "Das lag aber an uns", meinte Gustavsson. "Wir waren emotionslos und nicht in der Lage, uns vom Publikum helfen zu lassen."

Der isländische Nationaltorhüter hatte bei nur sechs Paraden nicht seinen besten Tag erwischt, die Göppinger Schützen tauchten aber auch zu oft völlig unbedrängt vor ihm auf. "Die Winkel für die Außen waren zu groß, wir haben ihnen da nicht so den Stress gemacht. So ist Björgi nicht ins Spiel gekommen", konstatierte Hinze. Das gegnerische Außen-Duo Marcel Schiller auf links und Anton Halén auf rechts nutzte die Freiräume zu gemeinsamen 18 Treffern. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Außen viele Bälle bekommen müssen, weil der BHC sehr offensiv spielt", erklärte FrischAuf-Trainer Magnus Andersson und ergänzte zufrieden: "Die Taktik ist aufgegangen."

Das konnte man von der des BHC nicht sagen. "Wir haben nicht ganz so zu unserem Spiel gefunden", meinte Hinze, was noch untertrieben war. Deutlicher merkte Rückraumspieler Alexander Hermann an: "Wir haben vorne die Lösungen nicht gefunden. Wir sind immer nur mit Prellen auf die Abwehr zu - das ist zu wenig gegen diese starke Defensive. Die Systeme sind vorgegeben - da muss sich jeder selber hinterfragen, warum es dann nicht funktioniert." Als Hauptursache für die Niederlage hatte er aber die eigene Deckung ausgemacht: "Die 3:3-Abwehr war gegen so schnelle Spieler vielleicht einen Tick zu offensiv - gegen Michael Kraus und wie sie alle heißen. Wir haben uns zu wenig geholfen und hätten aggressiver sein müssen." Die Kritik an der Defensive nahm sein Trainer an: "Ich ärgere mich, dass ich nicht früher umgestellt habe", sagte Hinze. "In der 5:1-Abwehr haben wir die Konter gehabt. Da hat man gesehen, dass die Mannschaft voll da war."

Dem hielt Hermann entgegen: "Wir bringen einfach nicht 100 Prozent auf die Platte, schon seit einigen Wochen nicht." Ausklammern mochte er da auch die siegreichen Spiele gegen Lemgo und Minden nicht: "100 Prozent sehen anders aus. Damit müssten wir die Gegner, die wir hatten, noch klarer schlagen. Klar waren das zwei wichtige Siege, aber 100 Prozent waren das nicht."

Sie werden aber am Mittwoch benötigt, denn da steht beim ThSV Eisenach ein eminent wichtiges Spiel im Abstiegskampf an. Da muss der BHC seine unfassbar lange Negativserie in fremden Hallen beenden: Den bislang letzten Auswärtssieg gab es am 21. Februar in Minden. Ob er daran glaube, dass sein Team nun "den Bock umstoßen" könne, wird Hermann gefragt. "Wir müssen", antwortet der österreichische Nationalspieler. "Das ist ein direkter Konkurrent. Da zählen nichts anderes als zwei Punkte." Gustavsson ergänzte: "Das ist ein unglaublich wichtiges Abstiegsspiel. Wir müssen bis dahin jede Kraft zurückholen, um da zu gewinnen."

So avancierte das Duell mit Göppingen zu einem Zwischenspiel - hüben die beiden wichtigen Siege gegen Lemgo und Minden, drüben das Duell mit Eisenach. Das wird deutlich wichtiger als die Partie gegen FrischAuf, und dann müssen beim BHC Emotionen und Systeme wieder stimmen.

Quelle: RP
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