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Solingen
Vom Jauchesammler zurück zum naturnahen Bach

Solingen. 20 Teilnehmer folgten einer naturhistorischen Exkursion durch das Klauberger Bachtal, bei der Klimawandel-Folgen aufgezeigt wurden. Von Fred Lothar Melchior

Vor fünf Jahren holten sich Lehrer und Kinder an der Grundschule Klauberg zum ersten Mal nasse Füße. 40 Zentimeter hoch stand das Wasser auf dem Pausenhof. Eine Treppe schützt inzwischen den Eingang, denn es blieb nicht bei dem einen Mal. Starkregen nimmt zu, der Klimawandel ist in Solingen angekommen - und die rund 20 Teilnehmer einer naturhistorischen Exkursion sahen seine Spuren im Klauberger und Papiermühler Bachtal.

Ein- bis zweimal im Jahr bieten Stadtverwaltung und Bergischer Geschichtsverein eine gemeinsame Wanderung an - dann, wenn die Bäume noch kahl sind und der Blick auf die Bachtäler nicht verstellt ist. "Wir müssen lernen, mit dem Starkregen umzugehen", sagte Landschaftsarchitekt Artur Pach von den Technischen Betrieben und präsentierte mit Dr. Jürgen Weise vom Geschichtsverein Karten, die den ursprünglichen Verlauf der Bäche und die zunehmende Bebauung zeigten.

Der Klauberger Bach erlebte wenig schöne Zeiten. "Bis 1900 war das hier eine einzige Jauche", blickte Jürgen Weise zurück. "Hauptsache, ab in die Wupper." Heute liegt ein moderner Kanal in der Wiese neben dem Bach. Zu sehen sind nur die Schachtdeckel. Der Bach selbst ist noch eingezwängt - in unterirdische Rohre oder Betonwannen, denen das Hochwasser aber stark zugesetzt hat.

Bis 2020 soll der Bach mit Hilfe des Wupperverbandes wieder einen naturnahen Verlauf nehmen. Momentan wird in Nähe der Kleingartenanlage gebaut: Bis Herbst 2017 entstehen ein unterirdisches Regenüberlaufbecken und ein offenes Regenrückhaltebecken. Pach: "2019 sehen sie auch davon nichts mehr." An der Schule Klauberg setzt die Stadt auf natürliche Rückhalteflächen, bevor der dort dann offen verlaufende Bach die Hofschaft in einem alten, momentan nicht genutzten Kanal unterquert.

Auf die Sanierung des Klauberger Bachs soll die des Papiermühler Bachs folgen, den die Wanderer bis zur Mündung bei der ehemaligen Papierfabrik Jagenberg begleiteten - und dabei stets über historische Details informiert wurden. Jürgen Weise erzählte vom Kraftwerk Altenbau, von den Kotten am Bach und der Geschichte der Jagenbergs.

Wo in Solingen Gebiete und Gebäude von starkem Regen bedroht sind, hat die Stadt übrigens in Karten erfasst. Sturzbäche bedrohen nicht nur die bekannten Stellen im Gräfrather Ortskern oder an der Bismarckstraße. Wo naturnahe Lösungen - wie sie etwa in mehreren SBV-Siedlungen umgesetzt wurden - nicht möglich sind, greift die Stadtverwaltung auch in die Trickkiste. An der Grundschule Südstraße etwa soll das Wasser in unterirdischen "Bierkästen" aufgefangen werden. Auch auf Parkplätzen lässt sich Wasser eine Zeit lang "stapeln". Artur Pach: "Es gibt keine andere Großstadt in Deutschland, die diese Topographie hat" - mit Höhenunterschieden von 240 bis 55 Meter und entsprechend rasch fließendem Wasser.

Quelle: RP
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