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Kreis Viersen
3800 Flüchtlinge leben im Kreisgebiet

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Kreis Viersen. In der Erstaufnahme des Kreises wurden Windpocken festgestellt. Die Unterkunft wird geräumt und neu hergerichtet. Von Ludger Peters

Zurzeit befinden sich etwa 3800 Flüchtlinge und Asylsuchende im Kreis Viersen. Dies berichtete Sozialdezernent Ingo Schabrich dem Kreisausschuss für Gesundheit, Soziales und Senioren (AGSS). In dieser Zahl fehlen allerdings die Menschen, die im ehemaligen Willicher Katharinenhospital untergebracht sind - diese Daten lägen dem Kreis nicht vor. "Damit stoßen die Städte und Gemeinden deutlich an ihre Grenzen", sagte Schabrich.

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Der Kreis selbst hat in der Turnhalle am Rhein-Maas-Berufskolleg Kapazitäten zur Unterbringung von 300 Menschen geschaffen. Dies sei die einzige verfügbare Liegenschaft des Kreises. Er sei damit "am Ende seiner Möglichkeiten angekommen". Die Unterkunft wird aber in Kürze noch einmal komplett geräumt: Es grassieren die Windpocken. Das Gesundheitsamt impfe alle Bewohner und versorge sie medizinisch. Die Unterhaltung werde "ein schwieriges Geschäft" bleiben, da die Flüchtlinge sich frei bewegen können.

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut die Einrichtung im Auftrag des Kreises. Geschäftsführer Detlef Blank bestätigte, dass es keine neuen Zuweisungen gibt, bis die Gäste - das sei der Begriff, den das DRK generell anwende - zur Registrierung nach Münster gebracht und von dort aus neu verteilt werden. Innerhalb kurzer zeit stellte das DRK 13 Mitarbeiter ein, von denen die Hälfte einen Migrationshintergrund hätten und vor allem die sprachlichen Hürden beseitigen sollen. Die andere Hälfte sind überwiegend Kräfte aus dem DRK und seinem Umfeld.

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Am Montag verließen 124 Bewohner Kempen in Richtung Münster, so dass aktuell noch 83 zurückblieben. Sobald auch sie abgereist sind, wird die Unterkunft komplett gereinigt und desinfiziert, um eine erneute Epidemie durch Windpocken zu verhindern. Blank berichtete, dass fast alle dieser Gäste in Kempen erstmals zur Ruhe auf ihrer wochenlangen Flucht gekommen seien, viele zeigten deutliche Spuren von Traumatisierung. Ihre Betreuung sei sehr anspruchsvoll, zumal niemand bisher gelernt habe, ein Camp mit Flüchtlingen zu leiten und zu steuern. Blank dankte sowohl dem Berufskolleg als auch dem Heilig-Geist-Hospital für großes Verständnis sowie unbürokratische Hilfen.

Ingo Schabrich ergänzte, auch mit Blick auf die Anschläge in Paris und deren Folgen, das Thema Sicherheit sei "zurzeit keines". Die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge sei gesichert, allerdings liefen inzwischen alle Behörden auf kommunaler Ebene und die Beteiligten auf allen Ebenen "am Limit". Der Kreis selbst erwarte aktuell keine neuen Zuweisungen, dagegen liefen die Regelzuweisungen für die Städte und Gemeinde weiter. Schabrich betonte auch, dass die Kostenerstattungen durch das Land völlig reibungslos abgewickelt werden.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai
Quelle: RP
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