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Viersen
Eine Viersenerin auf hoher See

Viersen: Eine Viersenerin auf hoher See
Als Passagier auf einer Kreuzfahrt fasste die Viersenerin Nora Joosten den Entschluss, ihren Job im Qualitätsmanagement aufzugeben und selbst zur See zu fahren. Heimweh hat sie selten — auch, weil die Familie sie ab und zu besucht. FOTO: Jens Krömer
Viersen. Ihr Arbeitsplatz ist eine schwimmende Kleinstadt: Nora Joosten ist als Hygiene-Offizier auf einem Kreuzfahrtschiff angestellt. Sie bekämpft Viren und Bakterien, erkundet fremde Länder — und hat schon viele kranke Vögel gerettet Von Jens Krömer

Dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen - das ist für die 30-jährige Nora Joosten aus Viersen Alltag. Sie ist als Sanitation Officer an Bord eines Kreuzfahrtschiffes für Hygiene und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften in diesem Bereich verantwortlich. Seit eineinhalb Jahren ist sie in der Welt unterwegs, entdeckt fremde Länder und Kulturen und befindet sich in einem ständigen Kampf gegen Viren und Bakterien - und total erschöpfte Vögel. Ihre Bilanz bisher: kein einziger Ausbruch einer größeren Erkrankungswelle an Bord und Dutzende gerettete Tauben, Reiher, Falken und Spatzen.

"Gerade die hilflosen Flattermänner versetzen Teile der Crew immer mal wieder in größere Aufregung", berichtet Nora Joosten. "Wenn das Schiff ablegt, dann bleiben die Tiere meist noch eine ganze Weile bei uns und einige verpassen den richtigen Zeitpunkt, um wieder zurück zum Festland zu fliegen." Bei der jüngsten Überquerung des Atlantiks mit der "Mein Schiff 6" sei einigen völlig ermüdeten Tieren dann nichts anderes übrig geblieben, als sich erschöpft auf dem Schiff dauerhaft niederzulassen. "Ich fange sie dann ein und transportiere sie sicher in Boxen oder Käfigen bis zum nächsten Hafen weiter." Manch ein Vogel sei auf diese Weise zum Neu-Amerikaner geworden, erzählt Nora Joosten. Über die Scheu mancher Crew-Mitglieder vor diesem Job kann sie nur lächeln.

Während Vogelschutz eine eher schöne Seite ihres Jobs als Hygiene-Offizier an Bord ist, ist ihre Haupttätigkeit doch ganz anderer Natur. "So ein Schiff ist ja praktisch eine schwimmende Kleinstadt. Viele Menschen auf engem Raum zusammen - da muss man viel dafür tun, dass sich Krankheitskeime nicht vermehren." Behördliche Anweisungen, Vorgaben der Reederei und an einigen Stellen auch die eigene Vorstellung von Sauberkeit und Ordnung - das muss über eintausend Crew-Mitgliedern aus mehr als 40 Nationen sowie den rund 2500 Passagieren, die meisten aus Deutschland, immer wieder in Erinnerung gerufen werden.

Die Viersenerin schult Crew-Mitglieder im richtigen Umgang mit Getränken, Lebensmitteln, Besteck, Handtüchern und Chemikalien - aber auch untereinander. "Ab einem gewissen Risiko-Level an Bord geben sich unsere Mitarbeiter beispielsweise nicht mehr die Hand zur Begrüßung", bei speziellen Übungen werde das trainiert und kontrolliert. Da macht sich Joosten auch schon mal bei Kollegen etwas unbeliebt. "Fast den ganzen Tag bin ich auf dem Schiff unterwegs und schaue, ob überall die strengen Regeln eingehalten werden."

Gerade im aktuellen Fahrtgebiet Nord-Amerika sind die Vorschriften der USPH ("Vorschriften für die öffentliche Gesundheit in den Vereinigten Staaten von Amerika") besonders streng. Beispiel Besteckständer: Viele Kreuzfahrt-Gäste werden sie in den USA und in Kanada auf den Tischen im Buffet-Restaurant vermisst haben. "Da haben wir uns den Vorgaben in den USA angepasst", berichtet Nora Joosten.

Wichtig sei ihr auch, Gäste für das Thema zu sensibilisieren. "Die Desinfektionsgeräte sind keine Dekoration", sagt sie, "da bin ich Vorbild und benutze sie immer, wenn ich an einem vorbei gehe."

Auf die Idee, einen Job an Bord anzunehmen, kam sie auf einer Reise. "Ich war auf Kreuzfahrt und wollte nach vielen Jahren in meinem alten Job im Qualitätsmanagement in einem großen Unternehmen für Medizinprodukte einfach mal etwas komplett anderes machen." Jetzt ist sie die einzige Frau in einer solchen Rolle und mit drei Streifen auf der Schulter auch ein angesehenes Mitglied der Besatzung. "Als Single fällt es mir natürlich leichter, in der Welt unterwegs zu sein. Heimweh habe ich fast nie - meine Eltern haben mich an Bord ja auch schon besucht", sagt sie.

Quelle: RP
 
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