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Brüggen
Schulen vermitteln gemeinsam Deutsch

Brüggen: Schulen vermitteln gemeinsam Deutsch
Wort für Wort Deutsch lernen: Dabei hilft Cora Straßburg Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse. RP-Foto: Franz Heinrich Busch FOTO: Lehrerin
Brüggen. In der Seiteneinsteigerklasse der Gesamtschule Brüggen gibt es nur noch einen Platz. Jetzt wird ein Konzept mit Grundschulen erarbeitet. Von Daniela Buschkamp

"Limonade. Kekse. Käsebrot": Tim Keuter., Lehrer am Brachter Standort der Gesamtschule Brüggen, trainiert Wort für Wort mit Kindern und Jugendlichen Deutsch. Vor ihm sitzen etwa Murat aus Syrien, Enis aus Albanien, Viviane aus Rumänien oder Yosur aus Syrien an den Tischen. So sehr sie sich in Alter und Herkunft unterscheiden - alle eint eines: Sie leben nicht länger als sechs Wochen in einem fremden Land, müssen eine Sprache lernen, die sich stark von ihren Muttersprachen unterscheidet.

Murat, Enis, Viviane und Yosur gehören zu den 15 "Null-Sprachlern" an der Gesamtschule, wie deren Leiter Wolfgang Jöres erläutert. Sie lernen zunächst in einer Seiteneinsteigerklasse Deutsch. "Manche können sich auf Englisch gut verständigen, andere nicht", sagt der Schulleiter. Einige erhalten in kleinen Gruppen vertiefenden Sprachunterricht. Dort vermittelt ihnen Cora Straßburg Grundlagen der deutschen Sprache wie das Lesen von links nach rechts (im Arabischen ist es umgekehrt) oder das Alphabet. Straßburg hat mit 15 Stunden eine der Lehrerstellen, die das Land speziell für die Vermittlung von "Deutsch als Fremdsprache" ausgeschrieben hat.

"Das große Problem ist, die Kinder aus Flüchtlingsfamilien in die Schulen zu bringen", sagt Brüggens Bürgermeister Frank Gellen bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Das Ziel müsse sein, dem Nachwuchs möglichst schnell Deutschkenntnisse zu vermitteln, damit sie am regulären Unterricht in der für sie passenden Schulform teilnehmen können. "Die Gesamtschule und die Grundschulen arbeiten jetzt an einem neuen Konzept einer übergreifenden Kooperation", kündigte Gellen an.

Wolfgang Jöres ist mit den bisherigen Erfolgen zufrieden. Cora Straßburg und Tim Keuter bezeichnen die jungen Asylbewerber als "sehr motiviert und wissbegierig". "Sie wollen sogar in der Fünf-Minuten-Pause Vokabeln lernen", schildert Tim Keuter. Neben dem Deutschunterricht nehmen die Flüchtlinge an Musik-, Kunst- und Sportstunden im regulären Stundenplan teil. Ansonsten "müssen wir flexibel sein und viel improvisieren", sagt Wolfgang Jöres.

Doch der Schulleiter weiß auch: "Wir haben nicht genug Platz und zu wenig Personal, um noch weitere Schüler aufzunehmen." Maximal 18 "Null-Sprachler" sollen - so die Vorgabe - in einer Seiteneinsteigerklasse unterrichtet werden. 15 sind es jetzt an der Brüggener Gesamtschule: "In dieser Woche werden noch zwei weitere hinzukommen. Unsere Möglichkeiten sind endlich", sagt Jöres. Zurzeit überlegt er mit den Kollegen der Grundschulen, die Flüchtlinge noch weiter zu differenzieren. So könnten etwa die, die bereits gut Englisch sprechen, in einer Gruppe zusammen gefasst werden.

"Ich heiße Yosur. Ich bin hier mit meiner Familie in Sicherheit", trägt die 16-Jährige vor ihren Mitschülern vor. Sie hat sich mit diesen Sätzen auf eine Feier mit anderen Schülern und Lehrern vorbereitet. Worte wie "Limonade" und "Kekse" beherrscht Yosur längst. Und gerät sie mal ins Stocken, gestikuliert sie mit Händen und Füßen. Oder lächelt. Das versteht jeder.

Quelle: RP
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