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Wieder keine WM-Medaille für Deutschland

Lokalsport: Wieder keine WM-Medaille für Deutschland
FOTO: Beineke, David
Viersen. Zum zweiten Mal in Folge scheiterte das deutsche A-Team in Viersen im Viertelfinale - gegen den späteren Weltmeister Niederlande. Von David Beineke

Als es am Samstagabend in der Viertelfinalpartie bei der Dreiband-Weltmeisterschaft in Viersen zwischen den Niederlanden und dem deutschen A-Team in den Entscheidungssatz ging, waren es die deutschen Fans, die in der Festhalle für Lacher sorgten. Mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft im Sommer stimmten sie lautstark den Klassiker "Ohne Holland fahren wir zur EM" an. Zuletzt lachten allerdings die Niederländer am besten, denn sie behielten nicht nur im Entscheidungssatz gegen Deutschland die Oberhand und bescherten der Ausrichternation das zweite Jahr in Folge ohne Medaillengewinn. Gestern schlugen sie auch noch im Endspiel das türkische A-Team, holten sich den ersten WM-Titel seit 1999 und beendeten damit die erdrückende belgische Dominanz der vergangenen vier Jahre.

Deutschland schaute dagegen zum zweiten Mal in Folge in die Röhre, und zum zweiten Mal in Folge entschied über den Einzug ins Habfinale und den damit verbundenen sicheren Medaillengewinn der im Vorjahr ab der K.o.-Runde eingeführte Entscheidungssatz. Nachdem der Essener Martin Horn und der Gelsenkirchener Stefan Galla am Samstagvormittag nach einem Remis gegen Peru aufgrund der besseren Werte gegenüber den Südamerikanern den Einzug ins Viertelfinale unter Dach und Fach gebracht hatten, erwischten sie dort ausgerechnet die Niederländer. Damit war genau das eingetreten, was Martin Horn im Vorfeld nicht gewünscht hatte. Warum er den Weltranglisten-Dritten Dick Jaspers und dessen Partner Jean van Erp hinter den Belgiern zum Titelanwärter erklärt hatte, zeigte sich im direkten Duell ziemlich schnell. Insbesondere Jaspers zeigte, wieso er sich derzeit in der absoluten Weltspitze bewegt. In der achten Aufnahme zog er der auch nicht schlecht in die Partie gestarteten deutschen Nummer eins Martin Horn mit einer Zwölfer-Serie auf 25:11 davon. Schon nach 13. Aufnahmen siegte Jaspers mit 40:16, was ihm einen überaus beachtlichen Schnitt von 3,076 Punkten pro Aufnahme bescherte. Am Nebentisch zeigte immerhin der gegen die Schweiz und Peru ganz schwach ins Turnier gestartete Stefan Galla gegen Jean van Erp Kämpferqualitäten. Nach der für ihn enttäuschenden Vorrunde hatte er sich zurückgezogen, um den Kopf frei zu bekommen. Mit Erfolg, nach 24 Aufnahmen lag er mit 33:18 auf der Siegerstraße. Als er dann merkte, dass nach der Horn-Niederlage der Druck auf ihm lastete, geriet er zwar noch mal ein wenig ins Wanken, doch als er in der 35. Aufnahme zum 40:27 traf, war sein Sieg gut wie sicher. Tatsächlich konnte van Erp diesen Rückstand im Nachstoß nicht aufholen, doch er machte noch fünf Punkte zum 32:40 und holte sich so noch Selbstvertrauen für den Entscheidungssatz.

Das deutsche A-Team trägt das vorzeitige Aus mit Fassung. FOTO: ben-

Vertrauen, dass dem sonst so selbstsicher wirkenden Martin Horn dann völlig abhandengekommen war. Gleich zu Beginn unterlag er gegen Jaspers im Duell um den Anstoß, so dass die Niederlande mit 3:1 in Führung gehen konnten. Dann zogen die Deutschen zwar mit einer Sechser-Serie auf 7:3 davon, doch Jaspers/van Erp konterten mit zehn Punkten in Folge - der Widerstand war gebrochen, unter dem Strich unterlag Deutschland A mit 8:15. "Der Sieg der Holländer geht in Ordnung, die waren einfach ein bisschen besser. Trotzdem hätten wir es mit Hilfe des Entscheidungssatzes schaffen können", meinten Horn und Galla hinterher unisono. Einig waren sie sich auch in der Bewertung ihrer Gesamtleistung: "Das ist nicht unser Anspruch. Das war für eine WM zu wenig." Michael John, Präsiden der Deutschen Billard-Union, stellte zwar fest, dass im Vergleich zum Vorjahr immerhin keine Verschlechterung eingetreten sei, doch das könne auch als Stagnation bezeichnet werden. "Wir haben uns nicht weiterentwickelt", sagte er selbstkritisch. Deswegen war es für ihn der richtige Schritt, dem jungen Dinslakener Dustin Jäschke im deutschen B-Team das WM-Debüt zu ermöglichen. "Es wäre schön, wenn durch seine Förderung etwas Bewegung in die Gruppe der deutschen Spitzenspieler käme."

Quelle: RP
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