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Kreis Wesel
Awo: Beratungsangebote bedroht

Kreis Wesel. Was kippen könnte, wenn die Jamaika-Sparvorschläge wirklich kommen.

Die Sparvorschläge der Jamaika-Koalition sind kontraproduktiv - das sagen die Wohlfahrtsverbände im Kreis zu den Plänen von CDU, Grünen und FDP/VWG. Ziel der Koalition ist es, den Hebesatz der Kreisumlage bei 41,8 Prozent zu belassen, damit Städte und Kommunen nicht noch weiter belastet werden. "Wenn die Streichliste, die die sogenannte Jamaika-Koalition im Kreissozialausschuss vorgelegt hat, Wirklichkeit werden sollte, sind etliche Beratungsangebote im Kreis bedroht. Angebote, die heute präventiv wirken und morgen helfen, Geld zu sparen. In der Jugendhilfe, in der Versorgung älterer Menschen zum Beispiel", schreibt der Awo-Kreisverband gestern. Aber es ginge auch um die Arbeitsplätze langjähriger Mitarbeiter und die Versorgung vieler hilfsbedürftiger Menschen.

Auf der Kippe stünde die Schwangerschaftskonfliktberatung. Eine im Gesetz verankerte Aufgabe, deren Personalschlüssel vorgegeben ist und eine, bei der die Bezirksregierung jede Einstellung prüft. Acht Beratungsstellen gibt es im Kreis, vier werden von der Awo getragen. Die Sachkosten, die zuletzt 24.000 Euro betragen haben, finanziert der Verband aus eigener Tasche. Die Personalkosten teilen sich Land (80 Prozent) und Kreis (20 Prozent). Die Jamaika-Koalition möchte die Hälfte des bisherigen Kreisanteils auf die Träger abwälzen. Neben der Awo bieten unter anderem verschiedene Diakonische Werke im Kreis die Schwangerschaftskonfliktberatung an. Jürgen Orts, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Wesel, wehrt sich gegen Aussagen aus der Politik, man wolle Doppelstrukturen vermeiden. Gerade im sensiblen Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung sehe der Gesetzgeber eine Vielfalt von Anbietern vor.

Bedroht wären auch die Aids-Hilfe, das Projekt "Startchancen", die Beratungsstellen für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, der Verein Frauen helfen Frauen oder die Beratung älterer Menschen. Henric Peeters, Geschäftsführer des Caritasverbandes Moers-Xanten, ist fassungslos. Das soziale Gewissen der Jamaika-Koalition tendiere gegen Null, "es handelt sich um ein willkürliches Streichkonzert ohne Sinn und Verstand." Andreas Fateh, Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands ergänzt: "Es ist ein Ammenmärchen, so zu tun, als ließe sich mit den 2000 Euro für 'Frauen helfen Frauen' der Kreishaushalt konsolidieren."

Quelle: RP
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