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Hamminkeln
Schönes Fest, aber Sorgen um Zustrom

Hamminkeln. An der Flüchtlingsunterkunft Ringenberg hat der Brüner Sultan Masood Dakik ein harmonisches Fest organisiert. Bürgermeister Schlierf lobte die Aktion. Aber das Unterbringungsproblem eskaliert, die Stadt hat die Aufnahme von 50 Neuankömmlingen abgelehnt. Von Thomas Hesse

"Eine schöne Geste", lobte Bürgermeister Holger Schlierf bei seinem Besuch der Flüchtlingsunterkunft in der Ringenberger Belenhorst. Dort hatten sich ein Großteil der 105 Bewohner um eine lange, von der Stadt besorgte Tafel versammelt, um am Ende des Fastenmonats Ramadan das Fest des Fastenbrechens zu feiern, bekannt als Zuckerfest. Organisiert hatte es Sultan Masood Dakik, der sich in besonderen Fällen um Belange der Flüchtlinge kümmert und kürzlich für seine Afghanistan-Hilfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist. "Ich möchte ein Zeichen setzen und besonders etwas für die tun, deren Familien in vielen Fällen sehr weit weg sind", sagte Dakik, in der Sonnen- und Gluthitze aktiv am Grill. Derweil berichtete Schlierf von der Flüchtlingspolitik, die täglich neue Anforderungen an die Stadt stellt. Die hat immer mehr Menschen unterzubringen, wobei die Anforderungen blitzartig kommen. Bei praktisch restlos gefüllten Unterkünften.

So hatte der Kreis Wesel nach Schlierfs Angaben am Freitag die Aufforderung der Bezirksregierung zu erfüllen, Platz für 1000 Neuankömmlinge zu rekrutieren. Hamminkeln sollte 50 Menschen aufnehmen, lehnte aber mit dem Hinweis auf die bereits übererfüllte Quote ab. Hintergrund ist die aktuell von der Bezirksregierung eröffnete Aufnahmestelle in der Akademie Klausenhof in Dingden, 112 Flüchtlinge werden hier für zwei Wochen untergebracht, bevor sie verteilt werden. Die Stadt bekommt dafür einen Quotenanteil angerechnet. Das aber ist nur eine Lösung, durch die Hamminkeln Zeit gewinnt. Schlierf, der angesichts des Zustroms von "einer kleiner Völkerwanderung" sprach, sieht eine "höchst angespannte Lage". "Man kann nichts mehr prognostizieren, die Welle überrollt uns. Wir werden wohl über kurz oder lang über die Unterbringung in Turnhallen oder anderen öffentlichen Gebäuden reden müssen", sagte er. Bekanntlich hat die Politik den massiven Ausbau von Unterkünften beschlossen, doch angesichts der Planungszeiträume bringt das erst mittelfristig Entlastung.

Beim Fest des Fastenbrechens aber war positive Stimmung angesagt. "Hier sitzen Muslime und Christen zusammen, das ist eine tolle Symbolik", sagte der Bürgermeister, der Grüße übermittelte und Geschenke mitgebracht hatte. Seine Vize Anneliese Große-Holtforth (CDU) fand Sultan Masood Dakiks Initiative sehr gut, lobte aber auch die alltägliche Unterstützung der Flüchtlingshilfe. Der Weseler Geschäftsmann, der in Brünen lebt, unterstrich, wie wichtig friedliches Zusammenleben sei. "Wir sitzen harmonisch zusammen, wir denken hier nicht an Religionen oder Rassen, sondern an die Menschen", sagte er. Das habe auch praktische Auswirkungen. So sei im Zuge des Zuckerfestes Bewusstsein bei den Bewohnern erwacht, den Platz vor den Unterkünften sauber zu halten. Auch um Konflikte kümmert er sich. So habe es einen Diebstahl unter den Bewohnern gegeben, nach einem gemeinsamen Gespräch mit den Beteiligten habe der Täter reumütig sein Vergehen eingeräumt und die Beute zurückgegeben.

Quelle: RP
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