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Wesel
Skulpturen erzählen von der Flucht

Wesel: Skulpturen erzählen von der Flucht
Die deutschen und ausländischen Jugendlichen beim Drahtbiegen für die Skulpturen. FOTO: Michaela Leyendecker
Wesel. Jugendliche aus dem Kirchenkreis trafen auf zwölf junge Flüchtlinge. Beim künstlerischen Gestalten lernten sich beide näher kennen.

"Kennenlernen, voneinander erfahren, gemeinsam kreativ werden, miteinander spielen und in Kontakt bleiben" - das waren nur einige der Programmpunkte für das gemeinsame Wochenende mit sechs jungen Menschen aus dem Kirchenkreis und zwölf jugendlichen Geflüchteten, die sich seit mittlerweile drei bis neun Monaten hier aufhalten. Sie trafen sich vom 27. bis 29. Mai in der Jugendbildungsstätte "Hackhauser Hof" in Solingen. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus Brünen, Wesel, Isselburg und Schermbeck - mehr als die Hälfte hat seine Heimat in Syrien oder Afghanistan und von dort mussten die meisten ohne ihre Eltern fliehen.

"Begegnungen" - unter diesem Motto entstanden in Solingen auch 18 Skulpturen aus Gips und Draht, nach dem Vorbild des Bildhauers Alberto Giacometti. Jeweils ein Jugendlicher mit Fluchthintergrund und ein Teilnehmer mit Heimat in Deutschland arbeiteten gemeinsam.

Während dieser künstlerischen Partnerschaftsarbeit sind die jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 23 Jahren auf Deutsch und Englisch ins Gespräch gekommen und haben viel voneinander erfahren: von persönlichen Schicksalen, von Ängsten und Unsicherheiten. Im Fokus stand der Kontakt miteinander, nicht die Traumabewältigung, betont die Jugendreferentin des Kirchenkreises, Michaela Leyendecker. Dennoch brach sich so manche Geschichte Bahn: "Abends beim Lagerfeuer erzählte ein Junge plötzlich, dass er bei seiner Flucht 30 Tage lang nur gelaufen ist." Insbesondere die Kriegserlebnisse, die auseinandergerissenen Familien und lebensgefährlichen Fluchtgeschichten werden alle noch sehr lange beschäftigen. Zu hören gab es aber auch Hoffnungsvolles, Zukunftswünsche und kleine Erfolge.

Bei einer festlichen Vernissage fanden die Kunstwerke dann am Abend ihre entsprechende Würdigung. Ganz nebenbei konnten die jungen Menschen aus Syrien und Afghanistan, die in Wohngemeinschaften oder ausgedienten Schulen leben müssen, an diesem Wochenende ein Stück Normalität erleben und Freizeitaktivitäten deutscher Jugendlicher kennenlernen.

Die deutschen Teilnehmer haben indes erfahren, dass es nicht selbstverständlich ist, eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu erleben. Das Wochenende wird allen in eindrücklicher Erinnerung bleiben; sie werden sich weiter engagieren, in Kontakt miteinander bleiben und ihre Erfahrungen weitertragen, damit Vorbehalte und Vorurteile keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.

Bei Interesse kann die Ausstellung übrigens auch an Jugendeinrichtungen und Verbände ausgeliehen werden: Michaela Leyendecker hilft unter Tel. 0281 156140 oder per E-Mail an mleyendecker@kirchenkreis-wesel.net weiter. Einige der Stücke erzählen die Geschichte der Flüchtlinge, wie Leyendecker sagt: "Ein 16-Jähriger modellierte eine Familie mit Vater, Mutter Kind - wohl wissend, dass seine Familie bei seiner Flucht zurückblieb."

Quelle: RP
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