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Wesel/Hamminkeln
Umgehung im "vordringlichen Bedarf"

Wesel/Hamminkeln. Mit dem überraschend früh veröffentlichten Bundesverkehrswegeplan ist klar: Brüner Umgehung wird im Bedarf hochgestuft und ist im Paket mit der neuen A 3-Auffahrt geplant. Das Okay für Wesels Südumgehung fehlt noch immer. Von Thomas Hesse und Fritz Schubert

Die von Franz Galikowski und der Bürgerinitiative Brüner Ortsumgehung (BOB) wieder hochgebrachte Frage der Brüner Ortsumgehung findet eine überraschende Antwort aus dem Berliner Bundesverkehrsministerium. Denn der eilig von Minister Alexander Dobrindt präsentierte Bundesverkehrswegeplan 2030 enthält auch die Brüner Ortsumgehung - und auf Seite 120 der Zusammenstellung steht, dass sie im Paket mit einer neuen A 3-Auffahrt Brünen zu sehen ist. Das ist eine neue Qualität der Projektbewertung und nährt erstmals konkrete Hoffnungen, das Dorf entlasten zu können und gleichzeitig den gemeinsamen Vorstoß von Wesel und Hamminkeln für eine neue Autobahnauffahrt realisieren zu können. In ferner Zukunft kann an der A 3 ein neues Gewerbegebiet entstehen, zumindest ist eine solche interkommunale Planung beim Regionalverband Ruhr angemeldet. Sollte es kommen, wächst der Lastverkehr und macht eine Entlastung Brünens nötig.

"Im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans wurde die B 70-Ortsumgehung Brünen mit vordringlichem Bedarf und mit einer hohen städtebaulichen Bewertung aufgenommen", freute sich SPD-Landtagsabgeordneter Norbert Meesters gestern. Diese Einstufung ist ein wichtiger Schritt, um in die Milliarden-Programme zu kommen und einen zeitlich zwar weiten, aber absehbaren Planungshorizont zu setzen.

Zuvor hatte es in Brünen Irritationen nach einer Antwort des Staatssekretärs im Bundesverkehrsministeriums Enak Ferlemann gegeben, was die Brüner Umgehung betrifft. In der formellen ministeriellen Sprache wird das Vorhaben für die gesamte B 58 gesehen, lokale Rahmenbedingungen sind nicht genannt. "Der Autobahnanschluss ist ein Bestandteil des Projektes Ortsumgehung Brünen, das meint auch das Schreiben des Staatssekretärs," erläuterte Meesters. Er wertet Dobrindts Verkehrswegeplan in Bezug auf Brünen so: "Mit der Aufnahme der Projekte ist der Bund den Vorschlägen des Landes und somit auch der Kommunen und damit aus Hamminkeln gefolgt."

Hintergrund der Paketlösung Umgehung/Auffahrt ist, dass das Verkehrsaufkommen im belasteten Brünen allein keine Umgehung gerechtfertigt hätte. Durch eine neue Autobahnauffahrt, die nach nachvollziehbarer Meinung von BOB weitere Verkehre produziert, ergibt sich aber ein höheres Aufkommen, dass die Höherstufung von Auffahrt/Umgehung zahlenmäßig rechtfertigt. "Der von BOB konstruierte Gegensatz, Wesels Interessen schlagen die Hamminkelns, existiert aber nicht. Beide haben Vorteile durch den Bundesverkehrswegeplan. Wir können gemeinsam froh sein, dass auf Bundesebene nun eine Lösung absehbar ist. Nach langer Zeit haben wir Aussagen, auf die wir bauen können", sagte Meesters.

Dabei gibt es aber Unwägbarkeiten. So ist das Verfahren noch offen, die Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt nach Informationen des Bundesverkehrsministeriums am Montag, 21. März. Ob und in welcher Bewertung Brünen in die Endfassung des Wegeplans kommt, ist nicht sicher. Dazu kommt: Wohin die Trasse der Umgehung genau kommt, ist in diesem frühen Stadium nicht feingeplant. Wie berichtet, hatte Agrarpolitiker Arnd Cappell-Höpken von der CDU Drevenack schon vor einer Nordtangente Brünen gewarnt. Diese würde landwirtschaftliche Flächen zerschneiden und existenzfähige Höfe bedrohen.

Außerdem hat Dobrindts Plan Mängel: Wie Bundestagsabgeordneter Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD) auf Hinweis der RP gestern erfahren musste, ist die Planfeststellung für die Weseler B 58-Südumgehung doch noch nicht ergangen. Im frischen Bundesverkehrswegeplan ist dies falsch dargestellt. Die Bezirksregierung Düsseldorf als Genehmigungsbehörde rechnet damit, dass sie erst im Herbst den Baubeschluss fassen kann. Krüger nimmt den Fall zum Anlass, den Bundesverkehrsminister auf die "erklärungswürdige Stelle" in seinem Planwerk aufmerksam zu machen. Dabei wolle er Alexander Dobrindt auch mitteilen, dass es dann "keinesfalls am Geld fehlen darf", sagte der Abgeordnete.

Die jahrelang diskutierte Südumgehung ist bekanntlich das fehlende Glied in der neuen Rheinquerung, die sich - ausgehend von der Büdericher Umgehung über die neue Rheinbrücke - schließlich entlang der alten Lippe zur B 8 und über den Fusternberg zur B 58/B 70 zieht.

Quelle: RP
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