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Stadt Willich
Tänzchen um Bäume kosten Schotter

Stadt Willich: Tänzchen um Bäume kosten Schotter
So möchte das Krefelder Büro Kraft.Raum. den Willicher Marktplatz gestalten. FOTO: Kraft.Raum.
Stadt Willich. Erneut diskutierte der Planungsausschuss über den Willicher Marktplatz. Die Mitglieder beschlossen, beim Land Fördermittel zu beantragen. Über allem schwebt aber nach wie vor das Damoklesschwert des Bürgerentscheids. Von Marc Schütz

Gewohnt emotional ging es zu, als die Mitglieder des Planungsausschusses am Dienstagabend über den Marktplatz in Willich diskutierten. Die Zeit drängte, denn wenn noch für das kommende Jahr Landeszuschüsse von 60 Prozent für die Umgestaltung des Platzes beschafft werden sollen, mussten noch in dieser Sitzung Beschlüsse her. Und diese gab es auch: Die Grünen enthielten sich der Stimme, die drei anderen Fraktionen stimmten dafür, dass die Verwaltung die Planung des Krefelder Büros Kraft.Raum. weiterverfolgen und auf Grundlage von Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro Städtebaufördermittel beantragen soll.

Womöglich war die Diskussion jedoch eine theoretische, denn nach wie vor schwebt über allem der von der Bürgerinitiative "Pro Kugelahorn am Willicher Markt" angestrengte Bürgerentscheid als Damoklesschwert. Karl-Heinz Koch von der FDP brachte es auf den Punkt: "Wir streiten um die Wurst, obwohl das Schwein noch gar nicht geschlachtet ist." Sollte der Bürgerentscheid so ausgehen, dass die 20 Kugelahorne stehenbleiben müssen, müsste neu geplant werden, "und dann kommen wir mit den 1,5 Millionen Euro nicht hin", sagte der Ausschussvorsitzende Christian Pakusch (CDU).

Doch die Ausschussmitglieder ließen den bevorstehenden Bürgerentscheid erstmal außen vor - schließlich kann es immer noch sein, dass es nicht zu einem solchen kommt oder dass dabei nicht die erforderlichen 6200 Stimmen zusammenkommen. Für diesen Fall müssen die Fördermittel jetzt zeitnah beantragt werden. Diskussionen um die Kosten gab es dennoch, denn die Grünen hatten bemängelt, dass die Umgestaltung des Marktplatzes statt der ursprünglich veranschlagten 875.000 Euro 1,5 Millionen Euro kosten soll (die RP berichtete). "Das kann's nicht sein", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Raimund Berg, betonte aber auch, dass die Grünen durchaus für die Umgestaltung des Platzes seien. "Ich hinterfrage, ich halte den Prozess nicht auf", sagte er und ließ durchblicken, dass es auch in den Reihen der Grünen engagierte Diskussionen um die Marktplatz-Frage gibt. "Wir stecken in einem Dilemma, für uns ist das kein einfacher Weg."

Die Technische Beigeordnete der Stadt Willich, Martina Stall, stellte klar: "Wir haben mit der Maßnahme noch gar nicht begonnen, deswegen kann man nicht von einer Kostensteigerung sprechen. Wir sagen im Vorfeld, was es kostet. Und bei der jetzigen Kostenberechnung können Sie sich auf uns verlassen." Zudem seien in die Planungen die Ideen und Wünsche der Bürger eingeflossen. "Wir haben alle ein Wohnzimmer für die Stadt gewollt, das ein Highlight mit sich bringt, deswegen wurden die Kosten höher. Natürlich können wir noch zurück, aber wir wollen nicht zurück", sagte Stall für die Verwaltung.

Christian Pakusch erläuterte, dass auch auf Bürgerwunsch weitere Aufträge wie ein Lichtkonzept oder teureres Material für die Asphaltierung aus Spanien statt aus China (um Kinderarbeit zu vermeiden) hinzugekommen seien. "Das wurde öffentlich diskutiert und einstimmig beschlossen. Es ist befremdlich, wenn uns nun eine Fraktion vorhält, wir machten alles teurer", so Pakusch. Und mit Blick auf die Kugelahorne ergänzte er: "Die Planungskosten liegen jetzt schon bei 300.000 Euro, weil wir jedes Mal ein Tänzchen machen, um zu gucken, wo wir Bäume hinstellen können. Das kostet richtig Schotter." Berg wies darauf hin, dass in der Kostenberechnung von 1,5 Millionen Euro allerdings Steine aus China enthalten seien. Wenn man welche aus Spanien wolle, könne man "sich ausrechnen, dass es noch mal eine Ecke teurer wird".

Wie dem auch sei: CDU, SPD und FDP machten deutlich, dass sie die Umgestaltung des Marktplatzes nach wie vor wollen: "Es gibt in Alt-Willich dringenden Handlungsbedarf, sonst können wir da irgendwann die Lichter ausmachen, da muss Belebung rein", sagte Sascha Faßbender (CDU) und meinte mit Blick auf die Kugelahorne und die Diskussion über die Kosten: "Andauernde Querschläge können wir nicht akzeptieren." Dr. Ralf Oerschkes (SPD) sagte: "Es wäre befremdlich, wenn wir jetzt einfach machen würden, was wir wollen, wenn es doch eine so großartige Bürgerbeteiligung gab."

Quelle: RP
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