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Stadt Willich
Zwei Norddeutsche begeistern mit südspanischen Klängen

Stadt Willich. Neersens Kultur-Verantwortliche dürfen natürlich nicht die Hände in den Schoß legen, denn das darf man bekanntlich nie. Aber sich genüsslich die Hände reiben, das dürfen sie schon. Zuerst waren die Schlossfestspiele ein voller Erfolg. Und jetzt war nicht nur die Matinee in der Kapelle Klein-Jerusalem ausverkauft. Das Konzert mit "Café del Mundo" wurde wegen großer Nachfrage nachmittags noch einmal angeboten. Von Gert Holtmeyer

Hinter "Café del Mundo" verbirgt sich ein Duo exzellenter deutscher Gitarristen. Aus Norddeutschland waren Jan Pascal und Alexander Kilian angereist. Beide verbindet eine große Liebe zur südspanischen Flamenco-Musik, mit der sie sich seit Jahren intensiv befassen. Pascal, der Ältere von beiden, übernahm die Moderation und räumte bescheiden ein, dass sein jüngerer Partner der Bessere von ihnen beiden sei. Nun ja, sagen wir der noch Bessere. Aber auf den Unterschied kam es nicht an. Als Meister ihrer Instrumente zeichneten sie sich beide aus. Wieselflink wetzten die Finger der linken Hand über das Griffbrett, während die der rechten Hand spielerisch die Saiten zum Klingen brachten.

Pascal verriet auch, dass die Flamenco-Gitarre, die ein Laie nur schwer von einer westeuropäischen Konzertgitarre unterscheiden kann, anders gebaut ist und auch anders klingt. Die für den Flamenco typische Mischung aus temperamentvollen Rhythmen und leiser Wehmut kam auf jeden Fall trefflich zum Ausdruck. Zweifel, ob die beiden Deutschen auch das richtige Gespür fürs Südspanische haben, sind ohnehin schnell zu zerstreuen. Die beiden konzertieren regelmäßig in Spanien und sind dort gern gesehene Gäste.

Die meisten der vorgestellten Stücke stammten aus der Feder beiden Gitarristen, sei es als Komposition, sei es als Arrangement. Dabei ist ein Teil, nicht aber alles auskomponiert. Es bleibt auch Platz für Improvisationen. Mit Führungsstimme und Begleitung wechselten sich beide ab. Neben dem Flamenco kamen auch südamerikanische Elemente ins Spiel. Der Tango kam zu seinem Recht, unter anderem mit Astor Piazollas flott vorgetragenem Libertango. Erfrischend klang das brasilianische "Tico Tico No Fuba", und auch Bossa-Rhythmen ("Uma Bossa") fehlten nicht. Auch wenn die Temperaturen durchaus andalusische Sommerqualität erreichten: der Spielfreude der beiden Musiker taten sie keinen Abbruch. "Der Flamenco" ließ Pascal in der Pause wissen, "ist unsere Passion. Den spielen wir stundenlang mit wachsender Begeisterung." Ohne Konditionsprobleme bedankte sich das Duo für den begeisterten Beifall noch mit einer virtuosen Zugabe.

Quelle: RP
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