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Xanten
Auswertung mit Lupe und Bestimmungsbüchern

Draußen, im Gelände zwischen Burginatium-Tor und dem Alleenradweg, graben sich die Archäologen Zentimeter um Zentimeter voran. Große Schaufeln, Schubkarren, kleine Kratzer und Schäufelchen gehören zum alltäglichen Werkzeug. Dazu Eimer, Zeichenblöcke, Vermessungsinstrumente und Fotokameras. Jeder hat hier seine eigene Aufgabe. Jedes Stückchen, das bei der neuen Grabung entdeckt wird, wird dokumentiert. Und jede Scherbe, jedes Metallteil landet dann - nach Fundort und Schicht sortiert - in den Räumen der Wissenschaftler an der Trajanstraße und in den Händen von Alice Willmitzer. Sie stammt aus dem bayerischen Emtmannsberg, sie hat in Bamberg und Basel studiert und kennt die hiesige Colonia (CUT). Schließlich hat sie ihre Abschlussarbeit im Fach Archäologie der römischen Provinzen hier geschrieben - eine Auswertung einer sogenannten Altgrabung aus dem Jahr 1980. Nach ihrem Volontariat im Jahr 2012 im - auf dem Gelände eines Römerkastells eröffneten - Limeseum im fränkischen Römerpark Ruffenhofen ist sie nach Xanten zurückgekehrt.

Zunächst werden die Funde vom Erdreich befreit. Profan kann man es auch waschen nennen. Über dem Waschbecken kann Alice Willmitzer die Teile schon mal betrachten und über manche sofort ein Urteil fällen. "Dabei", so erklärt die 29-Jährige, achten wir zum Beispiel zum Beispiel auf die Farbe der Scheiben." Sind sie zum Beispiel beige und mit viel Glimmer versetzt wird einer Amphore gleich die Herkunft Südgallien zugeordnet. Das lernt ein Archäologe im Studium und kann es auch früheren Funden im Boden der CUT zuordnen.

Für andere Stücke muss Alice Willmitzer hinter sich greifen. Da gibt es gleich eine ganze Schrankwand mit Bestimmungsbüchern - ähnlich jener Werke, mit denen Biologen Pflanzen und Tiere bestimmen können. Beim Findungsprozess hilft manchmal auch eine Lupe. Alice Willmitzer: "Bislang haben wir überwiegend Keramik aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt." Will heißen: Alles, was so ein Zivilhaushalt früher (und heute noch) braucht: Scherben von Töpfen, Schüsseln, Krügen, Bechern, Tellern, Kannen... Und eben Transportgefäße. Der gemeine Römer ließ sich auch am Niederrhein Leckereien aus dem ganzen Reich anliefern. Auch ein paar Metallfunde gibt es, das Eisen meist stark korrodiert. Das gibt die Archäologin zum Röntgen und anschließend in die Restaurierung. Sie weist auf eine Aufnahme: "Der Kern zeigt, ob es sich um einen profanen Nagel oder etwas Besonderes wie zum Beispiel ein Messer handelt." Alle Teile bekommen ihre eigene Nummer, werden in Kunststofftüten verpackt und bei der Auswertung mit den Schichten zusammengeführt. Bei der letzten großen Ausgrabung im Bereich der neuen Verwaltung kamen 742 Transportkisten zusammen. Kein Wunder: Die Stadt war durchgängig bewohnt. So viele Funde kann man von einer Stadtmauer nicht erwarten. Alice Willmitzer: "Man kann nie wissen."

(hk)
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